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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Egmond aan Zee; Egmont; Egnach; Ego; Egoismus; Egorgieren; Egoséöl; Egotheismus; Egremont; Egrenieren; Egreß; Egressy

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Egmond aan Zee - Egressy.

kunft in Willebroek unbeachtet, ging Alba, als derselbe 1567 nach den Niederlanden kam, bis zur Grenze entgegen und ritt an seiner Seite in Brüssel ein. Dennoch ward er 9. Sept. gefangen genommen und vor den Ausnahmegerichtshof Albas, den sogen. Blutrat, gestellt. Sein Privilegium als Ritter des Vlieses wurde nicht geachtet; als Hochverräter und Rebell wurde er zum Tod verurteilt und gleichzeitig mit dem Grafen von Hoorn 5. Juni 1568 auf dem Marktplatz in Brüssel enthauptet. Sein großes Vermögen wurde eingezogen. Ein Denkmal (von Fraikin) wurde ihm, gemeinschaftlich mit dem Grafen Hoorn, in Brüssel errichtet (s. Tafel "Bildhauerkunst X", Fig. 9). Egmonds Schicksal ist bekanntlich Gegenstand des klassischen Trauerspiels von Goethe; doch ist der Charakter des historischen E. ein andrer, als er von Goethe geschildert wird. Der historische E. war leichtsinnig, eitel und unstet; für die Freiheit seines Vaterlandes hat er nichts gethan. E. hinterließ unter elf Kindern drei Söhne, welche sich mit der spanischen Regierung aussöhnten und einen Teil der Güter zurückerhielten. Der letzte E. starb als spanischer General 1707. Vgl. Bavay, Le procès du comte d'Egmont (Brüss. 1854); Juste, Le comte d'Egmont et le comte de Hornes (das. 1862).

Egmond aan Zee, Fischerdorf in der niederländ. Provinz Nordholland, an der Nordsee, westlich von Alkmar, mit (1883) 2090 Einw. Dabei ein Leuchtturm mit kolossalem Löwen (1833 zu Ehren von van Spyk errichtet) und landeinwärts die Trümmer des von den Spaniern zerstörten Stammschlosses der Grafen von Egmond. Die dazu gehörige prachtvolle Abtei wurde 1572 von den Bilderstürmern zerstört.

Egmont (Mount E., neuseeländ. Pukehaupapa), ein isolierter, längst erloschener Vulkan in der Südwestecke der Nordinsel von Neuseeland, Provinz Taranaki, 2521 m hoch.

Egmont, Graf von, s. Egmond.

Egmont, Justus van, niederländ. Maler, geb. 1602 zu Leiden, trat 1615 ins Atelier von Jasp. van den Hoecke in Antwerpen, kam später zu Rubens und half diesem an der Ausführung seiner Werke. 1628 ist er als Meister mit dem Beisatz "bei Rubens" eingeschrieben. In demselben Jahr aber verließ er Antwerpen und begab sich nach Paris, wo er Hofmaler der Könige Ludwig XIII. und XIV. wurde. 1648 war er eins der zwölf ersten Mitglieder der in demselben Jahr gestifteten Pariser Bau- und Bildhauerakademie. Um 1660 kehrte er nach Antwerpen zurück, wo er 8. Jan. 1674 starb. E. war hauptsächlich Bildnismaler und hielt sich ganz an Rubens' Weise. Doch erreichte er dessen Lebendigkeit nicht. Sein Kolorit ist glätter, seine Behandlung kleinlicher. Bilder von ihm finden sich in Wien (Porträte König Philipps IV. von Spanien und des Erzherzogs Leopold Wilhelm), Schleißheim (Maria von Medicis) u. a. O.

Egnach, Gemeinde im schweizer. Kanton Thurgau, an der Eisenbahn Romanshorn-Rorschach, mit (1880) 2669 meist protestant. Einwohnern, gewissermaßen das Zentrum des oberthurgauischen Obstbaues. Vorherrschend ist Kernobst, besonders Birnen; der Gesamtertrag eines "vollen" Jahrs wird auf 900,000 Säcke geschätzt.

Ego (lat.), ich; Egoist, ein Selbstsüchtiger; Egoisterei, Selbstsüchtelei; egoistisch, selbstsüchtig; s. Egoismus.

Egoismus ("Ichsucht", Selbstliebe, Selbstsucht), diejenige Gesinnungsart, welche nicht nur eudämonistisch, d. h. von der Rücksicht auf die angenehmen oder unangenehmen Folgen der Handlungsweise abhängig, sondern zugleich eigennützig ist, d. h. ausschließlich durch die Rücksicht auf den eignen (nicht fremden) Nutzen oder Schaden ihr Wollen und Thun bestimmen läßt. In ersterer Hinsicht steht der E. der moralischen (statt durch die Rücksicht auf die äußern Folgen, durch jene auf den innern Wert der Handlung bestimmten), in dieser der uneigennützigen (das eigne Wohl dem fremden nachsetzenden) Gesinnung (Altruismus) gegenüber. Letztere Art des E., welche das eigne Wohl auf Kosten des fremden sucht, pflegt man auch wohl den groben, erstere, welche den Wert menschlicher Handlungen von ihrem Vorteil oder Nachteil für den Handelnden abhängig macht, ohne daß dadurch andre eben Schaden leiden müssen, feinen E. zu nennen. Dieser kann zwar unschädlich (für andre) sein, bleibt aber nichtsdestoweniger unsittlich, da auch die pflichtmäßige Handlung von ihm nicht um ihrer Pflichtmäßigkeit willen (moralisch), sondern um ihrer (persönlichen) Vorteilhaftigkeit willen (eudämonistisch) gewollt wird. Jener ist nicht nur unmoralisch, sondern positiv schädlich, da er das Wohl andrer unbedenklich dem eignen aufopfert. Die Frage, ob der E. die dem Menschen natürliche Gesinnung sei, läßt sich, je nachdem wir den groben oder feinen E. im Auge haben, verschieden beantworten. Dieser, der auch das Gute nur um des Lohns willen thut, das Böse nur aus Furcht vor der Strafe unterläßt, stellt eine Gesinnungsstufe dar, auf welcher (bei Einzelnen wie bei Völkern und Zeitaltern) von sittlichem Wert oder Unwert im wahren Sinn des Wortes noch nicht die Rede sein kann. Dieselbe geht, wie jeder Erzieher weiß, beim Kind ebensowohl wie bei Völkern und bei der Menschheit im ganzen derjenigen Epoche moralischer Mündigkeit, in welcher bei entwickeltem Pflichtbewußtsein das Gute um seiner selbst willen gewollt, das Böse um seiner selbst willen unterlassen wird, notwendig voraus, und der feine E. kann daher, mit der (erst allmählich erworbenen) sittlichen Reife verglichen, allenfalls als der natürliche (obgleich keineswegs angeborne) und durch Erziehung zu läuternde Zustand des Menschen angesehen werden. Die Behauptung dagegen, daß der grobe E. der natürliche (und zwar angeborne) Zustand des Menschen sei, muß so lange für willkürlich gelten, als es, wie bisher, nicht gelingt, sämtliche thatsächlich als uneigennützig erscheinende Handlungen der selbstlosen Aufopferung, des sympathetischen Mitgefühls und der wohlwollenden Menschenliebe auf eigennützige Motive zurückzuführen.

Egorgieren (franz., spr. -schi-), erdrosseln, erwürgen.

Egoséöl (Barra), fettes Kürbissamenöl aus Sierra Leone, dient als Speise-, Brenn- und Maschinenöl.

Egotheismus (griech.), Selbstvergötterung.

Egremont (spr. ihgrmönt), Stadt in der engl. Grafschaft Cumberland, 7 km südlich von Whitehaven, hat Roteisensteingruben und (1881) 5976 Einw.

Egrenieren (franz.), auskörnen, namentlich die Samenkörner aus der rohen Baumwolle entfernen, was mittels besonderer Maschinen geschieht; s. Baumwolle, S. 520.

Egreß (lat.), Aus-, Fort-, Weggang.

Egressy, Gabriel, ungar. Schauspieler, geb. 1807 zu Laßlófalva im Borsoder Komitat, fand, nachdem er mehreren wandernden Truppen angehört, beim Theater zu Klausenburg eine bleibende Anstellung. Später vollendete er seine künstlerische Bildung zu Wien und war seit 1837 eine Hauptzierde des neueröffneten ungarischen Nationaltheaters in Pest. Er zeichnete sich durch abgerundetes Spiel, treffliche Mimik und reinen Vortrag sowohl in der Tragödie als im Konversationsstück aus und übte einen großen