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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ehrenamt; Ehrenannahme; Ehrenberg; Ehrenberger Klause; Ehrenbezeigungen

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Ehrenamt - Ehrenbezeigungen.

lige Ehrlosigkeit im wahren Sinn des Wortes aber, einen bürgerlichen Tod (s. d.), kennt unser heutiges deutsches Recht nicht mehr, während nach römischem Rechte durch eine Capitis deminutio maxima oder media eine völlige Aufhebung der Rechtsfähigkeit und ebendamit auch der bürgerlichen E. (consumtio existimationis) möglich war (s. Capitis deminutio). Ebenso hatte nach dem deutschen Rechte des Mittelalters die Erklärung einer Person in die Oberacht oder Reichsoberacht die Friedlosigkeit oder Ehrlosigkeit, d. h. die völlige Rechtlosigkeit und Ehrlosigkeit des Geächteten, zur Folge (s. Acht). Eine Schmälerung der bürgerlichen E. (minutio existimationis) aber trat nach römischem Rechte durch die Infamie (s. d.) ein, welche ihre Wirkungen sowohl auf dem Gebiet der politischen Rechte als auch in privatrechtlicher Beziehung äußerte. Auch das ältere deutsche Recht kannte eine teilweise Entziehung der bürgerlichen E. in der sogen. Rechtlosigkeit, welche die Folge gewisser Verbrechen, wie Raub und Diebstahl, auch gewisser Gewerbe, wie des Gewerbes der Gaukler, Spielleute und des Henkers, war. Diese Rechtlosigkeit bezeichnet aber keineswegs den Verlust alles Rechts, sondern nur gewisser besonderer Rechte, namentlich des Rechts, Richter, Schöffe, Anwalt oder Zeuge zu sein, Lehen zu erwerben und Wergeld zu beziehen. Auch die sogen. Ehrlosigkeit des ältern deutschen Rechts gehört hierher, welche in dem Verlust der besondern Standesrechte und Standesehre, namentlich des Adels, bestand und vom Richter bei manchen Verbrechen, z. B. bei Verräterei, sowie regelmäßig als Folge der Rechtlosigkeit ausgesprochen wurde. Auch war die Ehrlosigkeit eine stillschweigende Folge aller durch Henkershand vollzogenen Strafen. Endlich ist hier auch die sogen. Anrüchigkeit (s. d.) des ältern deutschen Rechts zu erwähnen, welche eine Folge der unehelichen Geburt und des Gewerbes des Abdeckers war. Das moderne deutsche Recht kennt eine Minderung der Rechtsfähigkeit und Schmälerung der bürgerlichen E. in privatrechtlicher Beziehung nicht mehr; nur auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts ist eine gänzliche oder teilweise Entziehung der bürgerlichen E. statthaft (s. Ehrenrechte).

Ehrenamt, s. Amt.

Ehrenannahme (Ehrenzahlung), s. Wechsel.

Ehrenberg (Alt-E.), Dorf in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Schluckenau, mit Weberei, Steinnußknopf-, Holzböden- und Sparteriewarenerzeugung und, einschließlich des damit zusammenhängenden Dorfs Neu-E., (1880) 5231 Einw.

Ehrenberg, 1) Friedrich, evang. Theolog, geb. 6. Dez. 1776 zu Elberfeld, wurde 1798 Prediger in Plettenberg, 1803 zu Iserlohn, 1806 Oberkonsistorialrat und Hof- und Domprediger zu Berlin, 1834 Oberhofprediger daselbst; starb 8. Dez. 1852. Von seinen zahlreichen Schriften erwähnen wir nur: "Handbuch für die ästhetische, moralische und religiöse Bildung des Lebens" (Elberf. 1807); "Weiblicher Sinn und weibliches Leben" (Berl. 1809; 4. Aufl. 1861, 2 Bde.); "Reden an Gebildete aus dem weiblichen Geschlecht" (Elberf. 1804; 5. Aufl., Iserlohn 1853); "Andachtsbuch für Gebildete des weiblichen Geschlechts" (Leipz. 1816, 2 Bde.; 7. Aufl. 1856).

2) Christian Gottfried, Naturforscher, geb. 19. April 1795 zu Delitzsch, studierte in Leipzig und Berlin Theologie, dann Medizin und Naturwissenschaften, bereiste mit F. W. Hemprich 1820-26 Ägypten, wurde 1827 außerordentlicher Professor der Medizin in Berlin, begleitete 1829 mit Gustav Rose A. v. Humboldt auf dessen Reise durch Asien bis an den Altai, bereiste 1838 Frankreich und England, ward 1839 ordentlicher Professor der Medizin in Berlin und 1842 beständiger Sekretär der Akademie der Wissenschaften. Er starb 27. Juni 1876. Über seine erste Reise veröffentlichte er: "Naturgeschichtliche Reisen durch Nordafrika und Westasien" (Berl. 1828, Bd. 1, Abt. 1); "Symbolae physicae, seu icones et descriptiones mammalium" (das. 1828-33, 2 Hefte); "Symbolae physicae avium" (das. 1828); "Symbolae physicae insectorum" (von Fr. Klug besorgt, das. 1829-1834, 5 Hefte); ferner die "Symbolae physicae animalium evertebratorum sepositis insectis" (das. 1829-31); "Die Korallentiere des Roten Meers" (das. 1834); "Über die Natur und Bildung der Koralleninseln und Korallenbänke im Roten Meer" (das. 1834); "Das Leuchten des Meers" (das. 1835); "Die Akalephen des Roten Meers und der Organismus der Medusen der Ostsee" (das. 1836). Ehrenbergs wissenschaftliche Bedeutung beruht namentlich auf der von ihm mit großem Glück geförderten Kenntnis mikroskopischer Organismen. Sind auch seine Beobachtungen gegenwärtig großenteils überholt, so muß er doch als der Schöpfer dieser ganzen Richtung betrachtet werden. Von seinen hierher gehörigen Werken sind die wichtigsten: "Organisation, Systematik und geographisches Verhältnis der Infusionstierchen" (Berl. 1830); "Zur Kenntnis der Organisation in der Richtung des kleinsten Raums" (das. 1832-1834); "Zusätze zur Erkenntnis großer Organisation im kleinen Raum" (das. 1836) und "Die Infusionstierchen als vollkommene Organismen" (Leipz. 1838, mit 64 Kupfertafeln). Sehr eingehende Untersuchungen lieferte er auch über die fossilen kleinsten Wesen: "Die Bildung der europäischen, libyschen und uralischen Kreidefelsen und des Kreidemergels aus mikroskopischen Organismen" (Berl. u. Leipz. 1839); "Die fossilen Infusorien und die lebendige Dammerde" (Berl. 1837); "Mikrogeologie" (Leipz. 1854, mit 40 Tafeln; Fortsetzung 1856 u. 1876). Noch sind von ihm zu erwähnen: "Kurze Nachricht über 274 neu beobachtete Infusorienarten" (Berl. 1840); "Über Verbreitung und Einfluß des mikroskopischen Lebens in Süd- und Nordamerika" (das. 1841); "Passatstaub und Blutregen" (das. 1847, mit Nachträgen 1871 u. 1872); "Über den Grünsand" (das. 1855); "Über mächtige Gebirgsschichten aus mikroskopischen Bacillarien unter und bei der Stadt Mexiko" (das. 1869); "Über die roten Erden als Speise der Guineaneger" (das. 1868); "Über die wachsende Kenntnis des unsichtbaren Lebens als felsbildende Bacillarien in Kalifornien" (das. 1870); "Mikrogeologische Studien über das kleinste Leben der Meerestiefgründe aller Zonen" (das. 1873). Vgl. Hanstein, C. G. E. (Bonn 1877).

Ehrenberger Klause, ein früher befestigter Punkt an der nördlichen Grenze Tirols, am Lech, auf der jetzigen Kunststraße von Füssen nach dem Oberinnthal. Die früher hier befindliche starke Festung Ehrenberg, nach welcher der Punkt benannt ist, wurde im Schmalkaldischen Krieg 10. Juli 1546 von Sebastian Schärtlin und 19. Mai 1552 von Moritz von Sachsen erobert, welch letzterer infolgedessen den Kaiser Karl V. in Innsbruck beinahe gefangen genommen hätte. 1634 wurde die Festung von Bernhard von Weimar vergeblich belagert, dagegen 1703 von den Bayern, bald darauf wieder von den Kaiserlichen erobert und im Revolutionskrieg ganz geschleift.

Ehrenbezeigungen, militärische, sind die Honneurs, das Salutschießen, die Empfangsfeierlichkeiten bei Ankunft fürstlicher oder andrer hoch-^[folgende Seite]