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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eingießung - Einhorn.

Platt-, zu den Band- und zu den Hakenwürmern. S. Würmer, vgl. auch Parasitismus und Wurmkrankheiten.

Eingießung, s. Klystier.

Eingriff, s. Anschuß.

Einhard (Eginhard, Einhart), der Biograph Karls d. Gr., der bedeutendste Geschichtschreiber jener Zeit, um 770 im Maingau in Ostfranken geboren, ward im Kloster zu Fulda gebildet und von dort seiner hervorragenden Befähigung wegen an den Hof Karls d. Gr. geschickt, wo er sich trotz seiner sehr unansehnlichen Gestalt durch Klugheit, Gelehrsamkeit, Rechtlichkeit und Treue des Kaisers volles Vertrauen erwarb. Namentlich als Baumeister war E. ausgezeichnet, weshalb er den Beinamen Beseleel nach dem Erbauer der Stiftshütte erhielt; er leitete als Aufseher der kaiserlichen Bauten den Bau des Aachener Münsters (vgl. auch Adamy, E.-Basilika zu Steinbach im Odenwald, Darmst. 1885). 806 ging E. als Gesandter nach Rom. Auch bei Ludwig dem Frommen stand er in hoher Gunst, erhielt 815 zu Michelstadt im Odenwald ein Stück Land geschenkt, um ein Kloster zu gründen, für das er die Gebeine der Märtyrer Marcellinus und Petrus erwarb, gründete dasselbe aber bei Mühlheim a. M. und nannte es Seligenstadt. Hierhin zog er sich mit seiner Gemahlin Emma (s. d.) oder Imma, einer Schwester des Bischofs Bernhard von Worms (nicht einer Tochter Karls d. Gr., wie die aus dem 12. Jahrh. stammende Sage, die E. mit Angilbert verwechselt, berichtet), zurück; doch gab ihn Ludwig 817 dem jungen Kaiser Lothar zum Beirat; 830 sehen wir ihn bemüht, den Ausbruch der Empörung der Söhne Ludwigs zu hindern. Er starb 14. März 840; eine schöne Grabschrift von Hrabanus' Hand zierte Einhards Ruhestätte. Wir besitzen von E. "Briefe" (hrsg. von Jaffé in "Bibliotheca rerum germanicarum", Berl. 1867, Bd. 4, S. 437-486); auch rühren nach der von andrer Seite (Sybel) angefochtenen Ansicht Rankes von E. her die unter Karl d. Gr. von Staats wegen geführten Reichsannalen, deren Reste uns in den sogen. Lorscher Annalen erhalten sind. Eine streng kirchliche Anschauung gibt die "Translatio" der heiligen Märtyrer Petrus und Marcellinus kund (bei Teulet, "Opera Einharti", Par. 1840 bis 1843, 2 Bde.). Einhards Hauptwerk aber, eins der kostbarsten Denkmäler des ganzen Mittelalters, ist sein auf Grund der allergenauesten persönlichen Bekanntschaft geschriebenes Leben Karls d. Gr.: "Vita Caroli Magni", das sich nicht bloß durch Treue und Anmut der Darstellung, sondern auch durch Korrektheit und Eleganz der an den besten Mustern gebildeten Sprache auszeichnet. Es wurde herausgegeben von Pertz ("Monumenta Germaniae historica. Scriptores", II), auch in Separatabdruck (3. Aufl. Hannov. 1863); am besten bei Jaffé ("Bibliotheca rerum germanicarum", Bd. 4; davon Separatabdruck 1876); Übersetzung von O. Abel (2. Aufl., Berl. 1880).

Einhardsgut (Einhandsgut, Sondergut), da, wo das System der ehelichen Gütergemeinschaft gilt, dasjenige Vermögen der Ehegatten, welches nicht in die gesamte Masse fällt, sondern dem betreffenden Ehegatten zur alleinigen Verfügung verbleibt. Vgl. Güterrecht der Ehegatten.

Einhäusig, in der Botanik, s. Monoecus.

Einheimische Krankheiten, s. Endemie.

Einheit, jedes einzelne mehrerer gleichartiger Dinge, die man in eine Zahl zusammenfaßt. Bei Maßbestimmungen pflegt man bei denselben Dingen mehrere Einheiten zu gebrauchen, nämlich eine Haupteinheit, von der man ausgeht, und Einheiten erster, zweiter, dritter und höherer und niederer Ordnung. Geht man z. B. von der Stunde als Haupteinheit bei der Zeiteinteilung aus, so ist Tag die E. der ersten höhern Ordnung, Woche der zweiten etc., Minute dagegen E. der ersten niedern Ordnung, Sekunde der zweiten etc. Eine E. höherer Ordnung begreift demnach immer eine gewisse Zahl von Haupteinheiten, eine E. niederer Ordnung aber macht nur einen gewissen Teil der Haupteinheit aus. Ferner versteht man unter E. die Übereinstimmung eines zusammengesetzten Ganzen. So ist in der Logik E. des Begriffs die Zusammenstimmung seiner Merkmale in der Gesamtvorstellung, die der Begriff bezeichnet. Die Ästhetik nennt E. die Übereinstimmung der Teile eines Werkes und die Verbindung derselben zu einem Ganzen, und zwar besteht dieselbe in der Zusammenstimmung der Teile unter sich, welche die Teile geistig zum Ganzen verbindet. Letzteres ist die innere E. Über die drei Einheiten im griechischen, römischen und französischen Drama, die sogen. Aristotelischen Einheiten, s. Drama. Taktische E. heißt ein Truppenkörper, welcher bei genügender Stärke zu selbständigem Auftreten im Gefecht noch von einem einzelnen mit der Stimme kommandiert werden kann. Es sind bei den drei Waffen: Bataillon, Eskadron und Batterie. Administrative E. ist die Truppenabteilung mit selbständiger Verwaltung (Bataillon, Kavallerieregiment, Artillerieabteilung). Die organische E. liegt der Organisation der Armee zu Grunde, in den meisten Staaten jetzt das Armeekorps, in England das Regiment.

Einheit der Naturkräfte, s. Kraft.

Einheitsstaat, im Gegensatz zu einem zusammengesetzten Staatswesen der für sich bestehende, völlig souveräne Staat (s. d.) mit einem einheitlichen Staatsgebiet, welches einer und derselben Staatsregierung unterstellt ist, die es in einheitlicher Weise verwaltet.

Einherier, in der nord. Mythologie die im Kampf gefallenen und in Walhalla (s. d.) aufgenommenen Helden und Könige (vgl. Asgard).

Einholen, in der Marine das nicht senkrechte Einziehen eines Gegenstandes, z. B. der Leesegelspieren.

Einhorn, fabelhaftes Tier von Pferdegestalt, das auf der Mitte der Stirn ein gerades, spitzes Horn als mächtige Waffe tragen soll, und als dessen Vaterland bald Indien, bald Afrika sich angegeben finden, wird schon von Aristoteles, Plinius und Älian genannt, ohne jedoch von diesen Schriftstellern selbst gesehen worden zu sein. In neuerer Zeit haben sich wieder Stimmen für die Existenz des Einhorns erhoben, indem Reisende, die vom Kap, und andre, die von Nubien her nach dem Innern Afrikas vorzudringen suchten, wie Katte, Rüppell, Fresnel, v. Müller, in verschiedenen Ländern dieselbe Sage oder wohl auch Zeichnungen des Tiers an Felswänden etc. fanden. J. W. ^[Johann Wilhelm] v. Müller ("Das E. vom geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Standpunkt", Stuttg. 1853) hat die Existenz desselben wissenschaftlich nachzuweisen versucht. Aus anatomischen Gründen ist aber die Existenz eines Tiers mit einem einzigen wirklichen Horn ganz unwahrscheinlich, und die Berichte von dem Dasein eines solchen Tiers sind wohl nur durch die rohen Zeichnungen entstanden, in welchen Eingeborne gewisse geradhörnige Antilopen darzustellen versuchten, die, im Profil und ohne alle Kenntnis der Perspektive hingezeichnet, einhörnig erscheinen mußten. Manchmal versteht man unter E. auch das Rhinozeros oder Nashorn. Im Mittelalter war das E. das Symbol der Jungfräulichkeit und als solches Attribut der heil. Justina.