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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Einsieder; Einsiedler; Einsiedlerkrebse; Einsprengmaschine; Einspritzung

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Einsieder - Einspritzung.

Wachskerzen und andre Wallfahrtsartikel, wie Rosenkränze, Medaillen etc. Die dortige Buchdruckerei der Gebrüder Benziger ist die größte der Schweiz und exportiert viel durch ihre Filialen in New York, Cincinnati und St. Louis nach Amerika und nach allen kathol. Ländern. - Das Kloster E. verdankt seine Entstehung dem heil. Meinrad nach der Sage einem Hohenzoller (geb. um 800), der sich als Einsiedler zuerst auf dem Etzel, dann in der Wildnis niederließ, wo jetzt E. steht. Hier soll ihm Hildegard, Äbtissin im Frauenmünster zu Zürich, eine Kapelle erbaut und das Marienbild geschenkt haben, dem E. seine Bedeutung als Wallfahrtsort verdankt. Im J. 861 wurde er ermordet; die Sage läßt seine zwei Raben die Thäter bis nach Zürich verfolgen, wo die Vögel von Pilgern erkannt und die Mörder entdeckt und bestraft wurden. Die Zelle des Eremiten wurde ein Wallfahrtsort, blieb aber unbewohnt, bis sich der Einsiedler Benno mit Gefährten 907 daselbst niederließ. Das Kloster wurde von Eberhard, Dompropst zu Straßburg, aus vornehmem fränkischen Geschlecht, erbaut. Zur Einweihung der Kapelle, erzählt die Legende, sei der Heiland selbst, von Engeln und Heiligen begleitet, herabgestiegen; Papst Leo VIII. hieß das Wunder gut und verhieß den Einsiedelfahrern vollkommenen Ablaß (948). Durch Schenkung wurde das Kloster Herr der sogen. Waldstatt E. sowie zahlreicher Güter am Züricher See, in der March u. a. O. Rudolf von Habsburg erhob 1274 den Abt von E. zum Reichsfürsten und erwarb 1283 die Kastvogtei über das Kloster sowie die Vogtei über dessen Besitzungen für sein Haus. Im Sempacher Krieg entrissen die Schwyzer Österreich die hohe Gerichtsbarkeit über die Waldstatt E., während die niedere dem Kloster verblieb; dieses selbst begab sich 1397 unter den Schirm der Schwyzer, erwirkte jedoch 1431 von Kaiser Siegmund einen Widerruf dieses Verhältnisses. 1516-18 lebte Zwingli in E. als Prediger. Am 3. Mai 1798 fand hier die Kapitulation statt, durch welche Schwyz die Helvetische Republik anerkannte. Am 14. Aug. 1799 siegten bei E. die Franzosen unter Masséna über die Österreicher unter Jellachich. Die Herrschaftsrechte des Klosters, welche die Helvetische Republik aufgehoben hatte, wurden 1817 teilweise wiederhergestellt, um 1830 endgültig zu verschwinden; doch behielt dasselbe durch Vergleich vom 10. Febr. 1829 Miteigentums- und Mitverwaltungsrecht an der Allmande des Fleckens; auch gehört ihm gegenwärtig noch die Insel Ufenau im Züricher See, wo Ulrich von Hutten 1523 starb. Vgl. Tschudi, Einsiedlische Chronik (Einsied. 1823); Landolt, Ursprung und erste Gestaltung des Stifts Maria E. (das. 1845).

Einsieder, s. Dampfkessel, S. 450.

Einsiedler, s. Eremit.

Einsiedler (Solitär), Vogel, s. Dronte; s. auch Steindrossel.

Einsiedler (Einsiedlervogel, Solitarius), von Lemonnier 1776 zur Erinnerung an die peruanische Gradmessung eingeführtes, nur kleine Sterne enthaltendes Sternbild an der Schwanzspitze der Hydra am südlichen Himmel.

Einsiedlerkrebse (Eremitenkrebse, Paguridae M. Edw., hierzu Tafel "Einsiedlerkrebse"), Krustaceenfamilie aus der Ordnung der Schildkrebse (Thoracostraca) und der Horde der Zehnfüßer (Decapoda), Krebse mit gestrecktem Kephalothorax, langen, frei hervortretenden Augenstielen, kräftigen, gewöhnlich ungleich entwickelten Scherenfüßen, zwei Paar stummelförmigen Gangfüßen, länglichem, fast drehrundem, weichhäutigem, nur oberhalb mit einzelnen harten Platten ausgerüstetem Nachleib, welcher am sechsten Segment zwei schmale, flossenförmige Anhänge, an den vorhergehenden höchstens Beinstummel besitzt. Die E. sind in zahlreichen Arten über alle Meere verbreitet, leben zum Teil aber auch auf dem Land und suchen sich leere Schneckengehäuse (meist Turbo- und Bulimus-Arten), in welchen sieden weichen Hinterleib bergen, wobei sie sich mit den Fußstummeln, oft auch noch mit Saugnäpfchen anheften. Sie verlassen das Gehäuse nur, wenn es ihnen zu eng wird, und beziehen dann sofort ein größeres. Der Bernhardskrebs (Pagurus Bernhardus L.), 13-16 cm lang, findet sich in der Nordsee zahlreich am Strand; P. Prideauxii lebt in der Tiefe des Mittelmeers und ist merkwürdig wegen des regelmäßigen Zusammenlebens mit der Mantelaktinie (Actinia [Adamsia] palliata), welche auf dem den Krebs bergenden Schneckenhaus sitzt und von ihm mit seinen Scheren auf das größere Gehäuse übertragen wird, sobald er durch sein Wachstum gezwungen ist, ein solches aufzusuchen.

Einsprengmaschine (Anfeuchtmaschine), Vorrichtung zum gleichmäßigen Befeuchten baumwollener Gewebe bei der Appretur, wirkt durch eine rotierende Bürste nach Art eines Zerstäubungsapparats oder durch ein mit vielen feinen Löchern versehenes Rohr und erzeugt eine nebelartige Zerteilung des Wassers.

Einspritzung (Injektion), chirurgisches Verfahren, wobei man in der Regel in natürliche Höhlen und Hohlgänge, wie z. B. in den Mastdarm (Klystier) oder in die Mutterscheide oder in die Harnröhre und Blase oder in die äußern Gehörgänge und die Nase, einspritzt, teils um entleerend oder reinigend zu wirken, teils um reizende oder milde Flüssigkeiten auf die umkleidende Haut der Organe aufzutragen. Eine Abänderung dieses Verfahrens ist die sogen. parenchymatöse E. Man versteht darunter die E. arzneilicher Stoffe direkt in die Gewebe oder Parenchyme, um dieselben auf chemischem Weg zu zerstören, zum Absterben und zur Ausstoßung zu bringen oder sie in Entzündung zu versetzen, ein jetzt jedoch verlassenes Verfahren. Am gebräuchlichsten ist die subkutane (hypodermatische) E. (z. B. des Morphiums, Äthers, Kampfers, Ergotins, Sublimats etc.), welche seit ihrer Einführung in die Praxis durch den Engländer Wood (1855) die ausgedehnteste Anwendung findet. Bei diesem Verfahren werden die Arzneistoffe in möglichst kleiner Menge und daher in möglichst konzentrierter Lösung in das lockere Zellgewebe unter der Haut eingespritzt. Die gelösten Stoffe werden binnen wenigen Sekunden aus den Maschen des Zellgewebes durch die Lymphgefäße abgeführt und der allgemeinen Säftemasse einverleibt. Der Vorteil dieser ausgezeichneten Methode liegt darin, daß die Arzneistoffe schnell und sicher in ganz genau zu bemessender Quantität in die Säftemasse gelangen, ohne daß die Zunge und der Magen des Patienten irgendwie belästigt wurden. Daher ist die Wirkung der subkutanen Einspritzungen viel konstanter und zugleich viel schneller, als wenn die Arzneien vom Magen aus einverleibt werden. Im allgemeinen reicht die halbe Dosis, in welcher das Mittel innerlich gebraucht wird, für die subkutane E. aus. Wegen der großen Sicherheit der Dosierung eignet sich die subkutane E. vorzugsweise zur Einverleibung der stark wirkenden (giftigen) Alkaloide, wie z. B. des Morphiums, des Strychnins und ähnlicher Stoffe. Der Magen bleibt bei dieser Applikationsweise ganz unbeteiligt; man kann sie ohne Rücksicht auf den je-^[folgende Seite]