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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eisernes Thor; Eisernes Vieh; Eisernes Zeitalter; Eisessig; Eisfeld

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Eisernes Thor - Eisfeld.

andern Klassen an einem schwarzen Band mit weißer Einfassung, die vom Zivil an einem weißen Band mit schwarzer Einfassung um den Hals; die Ritter erster und zweiter Klasse an dergleichen Bändern im Knopfloch, die Ritter erster Klasse außerdem noch ein kleines Kreuz auf der linken Brust. Für Blücher allein war ein E. K. mit goldener Einfassung geschaffen worden. Den Statuten gemäß konnte man das Eiserne Kreuz erster Klasse nur erhalten, wenn man sich das der zweiten Klasse bereits erworben hatte. 1839 wurden durch eine Kabinettsorder sämtliche vorgeschlagene und noch nicht dekorierte Teilnehmer an den Befreiungskriegen mit dem Kreuz geschmückt. Am 3. Aug. 1841 errichtete Friedrich Wilhelm IV. eine Fundation, nach welcher von den Inhabern des Eisernen Kreuzes erster Klasse 12 Senioren vom Offiziers- und 12 Senioren vom Soldatenstand jährlich 150 Thlr. und von den Inhabern des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse 36 Senioren aus dem Offiziers- und 36 Senioren aus dem Soldatenstand jährlich 50 Thlr. Ehrensold auf Lebenszeit erhielten; doch mußten sie in Preußen wohnen. Am 19. Juli 1870, dem Tag der französischen Kriegserklärung und zugleich dem Todestag der Königin Luise, wurde der Orden im Sinn seiner ersten Stiftung vom König Wilhelm I. von Preußen mit den gleichen Klassen, Ordenszeichen und Bändern erneuert. Auf der glatten Vorderseite der Dekoration wurde das W mit der Krone und darunter die Jahreszahl 1870 angebracht. Die erste Klasse erhält nur, wer die zweite schon erworben hat, und sie wird neben der letztern getragen. Das Großkreuz wird ausschließlich nur für eine gewonnene entscheidende Schlacht, nach welcher der Feind seine Position verlassen mußte, desgleichen für die Wegnahme einer bedeutenden Festung oder für anhaltende Verteidigung einer Festung, die nicht in feindliche Hände gefallen, dem Kommandierenden verliehen. Die Zahl der 1870/71 an Deutsche (nicht bloß, wie früher, an Preußen ausschließlich) verliehenen Kreuze erster und zweiter Klasse beträgt 48,574. Durch Reichsgesetz vom 2. Juni 1878 wurde den Inhabern des Eisernen Kreuzes erster Klasse, welche dasselbe im Kriege gegen Frankreich 1870/71 in den untern Chargen bis zum Feldwebel einschließlich erworben haben, sowie den Inhabern des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, wenn sie zugleich das preußische Militärehrenzeichen zweiter Klasse oder eine diesem gleich zu achtende Dienstauszeichnung, welche sie vor dem Krieg 1870/71 erhalten haben, besitzen, eine Ehrenzulage von 3 Mk. monatlich bewilligt. - Außer an verdiente Krieger und Ärzte ist nach dem Krieg das Eiserne Kreuz auch an Regimenter verliehen worden, indem Fahnen und Standarten von Regimentern, welche sich ausgezeichnet haben, mit demselben geziert worden sind. Die Form des Eisernen Kreuzes kehrt auch nach dem Krieg vielfach in den Attributen des Deutschen Reichs wieder. Vgl. v. Troschke, Das Eiserne Kreuz (Berl. 1871); Schneider, Das Buch vom Eisernen Kreuz (das. 1871). S. Tafel "Orden".

Eisernes Thor (türk. Demirkapu), Name mehrerer Engpässe im südöstlichen Europa und im Orient. Die bekanntesten sind: 1) Der Eiserne Thor-Paß im siebenbürgischen Erzgebirge, im ungarischen Komitat Hunyad, der (510 m hoch) zwischen dem Pojana Ruska (1360 m) und der Vurvu Piatra (2192 m) ins Bisztrathal führt. Er hieß bei den Römern Pons Augusti, im Mittelalter Porta Vaczil, war ehedem durch ein eisernes Thor geschlossen und ist durch wiederholte Einbrüche der Türken bekannt. - 2) Berühmte Felsenenge an der Donau, unterhalb Alt-Orsova, welche, einen Teil der von Bazias bis Kladova sich erstreckenden, 60 km langen sogen. Klissura (s. Donau) bildend, die bedeutendste und gefährlichste Stromschnelle der Donau ist. Der eigentliche Eiserne Thor-Paß befindet sich bei der berüchtigten Felsbank Prigrada, wo der Strom bei 51 m Tiefe auf eine Breite von nur 117 m eingeengt wird, und wo Felsbänke und Felsvorsprünge, kolossale Steinklippen, heftige und gefährliche Wirbel, Wasserstürze und Widerströme mit einer rapiden Geschwindigkeit des Gefälles von 3-5 m in der Sekunde die Schiffahrt durch diesen Paß nicht ungefährlich machen. Ruderschiffe können daselbst kaum fahren, und schon mancher Dampfer (so 1862 das türkische Kriegsschiff Silistria) fand hier seinen Untergang. Erst bei einem Wasserstand von mindestens 2½ m über Null am Pegel zu Orsova können Dampfer mit 1,5 m Tiefgang die Fahrt durch den Engpaß beginnen. An Bemühungen, die Klissura und besonders das Eiserne Thor, mit welchem Namen auch die ganze Donaustrecke bei Orsova bezeichnet wird, fahrbar zu machen, hat es schon im Altertum nicht gefehlt, wie die Steinarbeiten im Paß Kazan, verschiedene Römerinschriften und der alte Name Porta Augusti beweisen. Auch Österreich hat vielfache Sprengungen zur Beseitigung der den Handel stets mehr schädigenden Hindernisse vorgenommen; eine eigentliche Regulierung ist jedoch erst von einem gemeinsamen Vorgehen der interessierten Regierungen zu erwarten. Neuerdings sind darüber wieder Verhandlungen angeknüpft. Die landschaftliche Szenerie des Eisernen Thors, dessen Pässe und höhlenreiche Steilwände durch eine prachtvolle Waldflora gehoben werden, übertrifft an Großartigkeit jede andre europäische Stromlandschaft. Vgl. Kanitz in den "Mitteilungen der k. k. Geographischen Gesellschaft zu Wien" 1874 und Stefanovics, Felsengen des Kazan und die Donau- und Theißregulierung (Wien 1879). - 3) Küstenpaß in Daghestan, bei der Stadt Derbent, zwischen dem Ostende des Kaukasus und dem Kaspischen Meer, Ausgangspunkt der im 6. Jahrh. n. Chr. erbauten Kaukasischen Mauer, die sich zwar nicht, wie die Chinesische Mauer (s. d.), über Berge und Thäler hinzieht, sondern nur in Thälern und an Pässen sich findet, aber ebenfalls die Bestimmung gehabt hat, die im N. wohnenden Nomaden von Einfällen in die von iranischen Völkern mit Fleiß bebauten Flußniederungen abzuhalten. Ihre Ausdehnung ist noch nicht festgestellt, doch scheint sie sich bis zum Schwarzen Meer erstreckt zu haben.

Eisernes Vieh, s. Eisern.

Eisernes Zeitalter, s. Zeitalter.

Eisessig, s. Essigsäure.

Eisfeld, Stadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen, an der Werra und der Werra-Eisenbahn, hat ein Amtsgericht, ein altes Schloß, eine gotische Stadt- und eine Gottesackerkirche (erstere mit dem Standbild Luthers und dem des Justus Jonas, der hier Superintendent war, letztere mit dem Grabmal Jonas'), bedeutende Bierbrauerei, Gerberei, Wollspinnerei, Spielwarenfabrikation, Märbelmühlen, Holzhandel und (1880) 3203 evang. Einwohner. - E. kam 1227 durch Heirat an die Grafen von Henneberg, ward 1323 zur Stadt erhoben, fiel dann an die Landgrafen von Thüringen und 1420 an Kursachsen. Die früher hier durchführende Hauptstraße aus Franken nach Thüringen sowie der vom 13. bis 15. Jahrh. in der Nähe blühende Bergbau machten die Stadt wohlhabend, und Kaufleute aus Nürnberg unterhielten hier seit 1479 eine Schmelz- und Seigerhütte. Im Dreißigjährigen Krieg ward E. fast entvölkert. Im