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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eisfjord - Eisleben.

J. 1680 kam es an die Linie Sachsen-Hildburghausen, deren erster Herzog hier residierte (weshalb die Linie erst Sachsen-E. hieß), 1826 mit Hildburghausen an das Herzogtum Meiningen.

Eisfjord, Meerbusen an der Westseite von Spitzbergen, zwischen 78 und 79° nördl. Br., gliedert sich im Hintergrund in mehrere Teile, zwischen denen das Kap Thordsen liegt, welches als Fundort von Petrefakten und Überwinterungsstelle bekannt geworden ist; schwedische Polarstation 1882-83.

Eisglas, s. Glas.

Eisgrub (tschech. Ledenice), Marktflecken in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Nikolsburg, an der Thaya, hat ein prachtvolles Schloß des Fürsten Liechtenstein mit Theater und ausgedehnten Glashäusern, Malz- und Pottaschefabrik und (1880) 2387 Einw. An das Schloß stößt der berühmte große Park mit exotischen Bäumen, einem ausgedehnten Wasserbecken mit Inseln, Maschinenwerken, durch welche der Thayafluß gesperrt werden kann, dem sogen. orientalischen Turm (mit herrlicher Aussicht), dem Sonnen- und dem Musentempel etc.

Eishausen, Pfarrdorf im Herzogtum Sachsen-Meiningen, südlich von Hildburghausen, mit 500 Einw. Im dortigen Schloß wohnte viele Jahre hindurch mit seiner Lebensgefährtin der mysteriöse Baron van der Valck, der sich selbst Vavel de Versay nannte und 1845 daselbst starb. Das Geheimnis des "Dunkelgrafen" ist Gegenstand mehrerer Romane (von Bechstein, Hesekiel, Brachvogel u. a.). Vgl. Kühner in Bülaus "Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen", Bd. 4; Human, Der Dunkelgraf von E. (Hildburgh. 1883-86, 2 Tle.).

Eishäuser, s. Eis, S. 400.

Eisheilige, s. Pankratius.

Eishobel, s. Eis, S. 399.

Eishöhlen, Eisansammlungen in Höhlen, in welchen herabtropfendes Wasser eine Eiskruste liefert, das hervorsickernde öfters sofort zu Eiströpfchen erstarrt oder auch stalaktitische Gestalten bildet. An den Orten der Eisbildung selbst herrscht kein Luftzug, die Temperatur der Luft ist im allgemeinen wenig über Null, und nur in einzelnen Spalten ist dieselbe unter Null. Die Luft ist mit Wasserdampf gesättigt, der sich an den festen, mit Eis überzogenen Körpern in den verschiedensten Formen ansetzt. Die meisten E. liegen in Kalksteingebirgen, kommen aber auch vereinzelt in den böhmischen Basalten und sogar auch bei Znaim im Gneis vor. Die Eishöhle von Besançon, die von St.-George (281 Toisen über dem Genfer See), das Schafloch am Rothorn im Kanton Bern, die drei ungarischen E. von Demanova (bei Lipto Szent-Miklos), von Dobschau und von Sziliez (südlich von Dobschau) sowie die Eishöhle in der Frauenmauer bei Eisenerz in Steiermark und die von Skeresora in Siebenbürgen liegen alle in Kalksteingebirgen. Die E. finden sich meist in nicht unbedeutender Höhe über dem Meeresspiegel, ihre Öffnungen liegen gegen N. oder O., alle zeigen eine starke Senkung vom Eingang nach ihrem hintern Teil, und es fehlt jeder Luftzug im Innern der Höhle. Als Hauptursache der Eisbildung kann die geringe Erhebung der Mittlern Jahreswärme über den Nullpunkt angenommen werden, indem sich in der kältern Hälfte des Jahrs mehr Eis bildet, als in der wärmern schmelzen kann. Dabei bleibt die kältere Luft wegen ihres größern Gewichts auf dem mit Eis bedeckten Boden ruhen und wird nicht durch die im Sommer eindringende wärmere Luft verdrängt. Pictet leitet die Eisbildung in den Höhlen von Luftströmen her, welche durch Verdunstung abgekühlt werden; aber Schwalbe hat gezeigt, daß die Entstehung der E. weder durch Ansammlung von kalter, aus dem Winter herstammender Luft noch durch Verdunstung und Luftzug erklärt werden kann, vielmehr erhielt er bei Untersuchung der drei oben genannten ungarischen E. sowie der Höhle am Gsollgraben bei Eisenerz den Eindruck, als ob das Wasser überkältet aus dem Gestein heraustrete und beim Auffallen erstarre.

Eiskap, Vorgebirge an der Nordwestseite von Nordamerika, 70° 15' nördl. Br., 161° 46' westl. L., entdeckt von Cook 1778. Zwei andre Eiskaps (großes und kleines E.; ersteres 77° 6' 5'' nördl. Br., 67° 5' östl. L.) bilden mit Kap Mauritius die Nordspitzen von Nowaja Semlja; östlich davon die Oranieninseln.

Eiskarton, s. v. w. Eispapier.

Eiskeller, s. Eis, S. 400.

Eisklüfte (Frostrisse), s. Frostschäden.

Eiskraut, s. v. w. Mesembryanthemum.

Eisleben (Islebia), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Hauptstadt des Mansfelder Seekreises und ehemals der Grafschaft Mansfeld, liegt im W. des Süßen und des Salzigen Sees, an der Linie Halle-Nordhausen-Münden der Preußischen Staatsbahn und besteht aus der Altstadt, Neustadt und 3 Vorstädten. Die Stadt hat 4 evang. Kirchen (darunter die Andreaskirche mit Denkmälern der alten Grafen von Mansfeld und die Peter-Paulkirche mit dem Taufstein, an dem Luther getauft worden sein soll), eine kath. Kirche sowie eine Synagoge, eine Schloßruine, ein Gymnasium (von Luther zwei Tage vor seinem Tod gestiftet), ein Realprogymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Bergschule, 2 Bürgerschulen und (1880) 18,187 Einw., darunter 740 Katholiken und 126 Juden. Das Geburtshaus Luthers in der Dr. Lutherstraße brannte 1689 bis auf das untere Stockwerk ab, wurde aber durch milde Beiträge wieder aufgebaut und 1693 zur Freischule für arme Waisen eingerichtet. Bei der Reformationsfeier 1817 nahm Friedrich Wilhelm III. das Haus in seinen beständigen Schutz, so daß dasselbe für immer in seiner Form erhalten werden soll; die Freischule (Lutherschule) wurde mit festem Einkommen ausgestattet und mit einem Schullehrerseminar verbunden. Das Haus enthält mancherlei Reliquien von Luther. Am Marktplatz steht das Bronzestandbild Luthers von Siemering, enthüllt 10. Nov. 1883. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts sowie der Direktion der Mansfeldischen kupferschieferbauenden Gewerkschaft (s. d.) und hat wichtigen Bergbau auf Kupfer und Silber, zwei Kupferhütten, Gartenbau und Samenhandel. - Die Altstadt von E. kommt urkundlich schon 974 vor; sie erhielt 1045 Münz-, Markt- und Zollrechte und gehörte den Grafen von Mansfeld. Am 10. Nov. 1483 wurde hier Luther geboren, der am 18. Febr. 1546 auch hier starb. Nachdem E. während der Bauernunruhen 1525 zum Teil zerstört worden war, wurde die Neustadt angelegt. Von 1531 bis 1710 wurde eine Linie der Grafen von Mansfeld nach E. benannt. 1579 ward hier der Eislebensche Tauschrezeß zwischen Kursachsen und dem Erzstift Magdeburg abgeschlossen. Nach dem Aussterben der Grafen von Mansfeld 1780 kam E. an Sachsen und 1815 an Preußen. Vgl. Größler, Urkundliche Geschichte Eisleben

^[Abb.: Wappen von Eisleben.]