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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ekaterinburg - Ekkehart.

machen, so spielt sie aus, wenn nicht, sagt sie: "Je propose!" ("Ich proponiere!") Der Geber darf dann dies Anerbieten mit: "Jouez!" ("Spielen Sie!") zurückweisen; hat er aber auch schlechte Karten, so fragt er: "Combien?" oder er erwidert: "Ich acceptiere!" Dann werfen beide ihre schlechten Blätter weg, und der Geber gibt vom Talon neue. Das Weglegen (Ekartieren) kann fortgesetzt werden, bis ein Teil auf "Spielen" dringt. Wer das erstmalige Ekartieren ablehnt, muß 3 Stiche machen, sonst legt der Gegner 2 Points statt 1 an. Es wird Farbe bedient, im Fall der Renonce darf man zuwerfen. Wird der König als Atout aufgeschlagen, gilt er für den Geber.

Ekaterinburg, Ekaterinograd, Ekaterinoslaw und andre Städte, s. Jekaterinburg ^[richtig: Jekaterinenburg.] etc.

Ekbatana (Agbatana), Hauptstadt des Mederreichs, 12 Stadien (2,5 km) vom Berg Orontes (Elwend), ihres angenehmen Klimas wegen später Sommerresidenz der persischen und parthischen Könige, lag am Fuß eines Hügels, auf dem sich die prachtvolle königliche Burg mit einem Sonnentempel erhob, und war wegen der Festigkeit der letztern eine der Hauptschatzkammern des medischen und persischen Reichs. Sieben Mauern, jede die nach außen gelegenen an Höhe überragend und mit verschiedenen Farben angestrichen, die den sieben Planeten entsprachen, umgaben nach Herodots anschaulicher Schilderung die Stadt. Alexander d. Gr., später die Seleukiden und zuletzt die Parther eroberten E. und plünderten die Schätze der Königsburg und des Tempels (an 12 Mill. Mk.). Nach dem Untergang des Partherreichs verfiel die Stadt; an ihrer Stelle steht das heutige Hamadan. Auf dem Gipfel des Orontes (3600 m) und an dessen Abhängen haben sich Monumente mit Inschriften des Königs Xerxes erhalten.

Ekblastesis (griech.), monströse Entwickelung von Sprossen aus der Achsel von Blütenblättern.

Ekbolin, s. Ergotin.

Ekchondrosis (griech.), Knorpelauswuchs.

Ekchymose (griech., Ekchymoma), kleiner, punktförmiger bis linsengroßer Blutaustritt aus den feinsten Blutgefäßen in ein Gewebe des menschlichen oder tierischen Körpers, kommt bald vereinzelt, bald in ungeheurer Anzahl teils in der äußern Haut, teils in den innern Organen vor. An und für sich hat die E. nichts zu bedeuten, da das ergossene Blut schnell und spurlos resorbiert wird. Das massenhafte Auftreten von E. aber, beim Skorbut, bei der Werlhofschen Fleckenkrankheit, bei bösartigen Nervenfiebern etc., deutet auf eine krankhafte Beschaffenheit des Bluts und der Blutgefäße.

Ekdemiomanie (griech.), Reisesucht.

Ekecheirie, bei den Griechen der Waffenstillstand oder Gottesfriede, welcher bei großen Festen, wie den Nationalspielen, den Eleusinischen Mysterien etc., durch umhergesandte Herolde öffentlich angesagt wurde, um den Besuchern freies Geleit und Sicherheit während der Festzeit zu bewirken.

Ekel (Übelkeit, Übelsein, Nausea), das eigentümliche unangenehme Gefühl, welches sich vorzugsweise als Widerwille gegen Speisen und Getränke und überhaupt gegen Dinge äußert, welche dem Magen einverleibt werden sollen. Der E., welcher dem Erbrechen vorausgeht, ist nach E. H. Weber ein Muskelgemeingefühl und beruht auf der Wahrnehmung unordentlicher Zusammenziehungen in den Muskeln des Gaumens und Rachens. Solche Muskelzusammenziehungen werden meistens reflektorisch durch gewisse widerliche Gerüche oder Geschmacksempfindungen hervorgerufen, oder sie rühren her von psychischen Ursachen, namentlich von gewissen Gemütsaffekten. Außerdem verursachen E. viele Krankheiten der Verdauungsorgane, Magen- und Darmkatarrhe, Einklemmungen von Unterleibsbrüchen, Überfüllung des Magens mit Speisen oder Getränken, ferner manche Krankheiten des Gehirns und seiner Häute. Die Phantasie übt bei Erregung von E. einen großen Einfluß aus. Bekannt ist, daß das Schaukeln und das Fahren in einem Wagen bei vielen Personen E. und Übelkeit hervorruft und namentlich die Bewegungen des Schiffs bei fast allen denjenigen, welche zum erstenmal die See befahren, einen heftigen E. erzeugen; daher die lateinische Benennung nausea (Schiffskrankheit, v. griech. naus, Schiff). Vgl. Brechreiz, Erbrechen, Seekrankheit.

Ekelkur (Methodus per nauseam), eine in früherer Zeit häufiger geübte, gegenwärtig fast ganz verlassene Heilmethode, besteht in der absichtlichen Hervorrufung von Ekel und Übelkeit durch Darreichung von Brechmitteln in kleiner Dose. Sie sollte namentlich dazu dienen, Gewohnheitstrinkern den Branntwein abzugewöhnen, was aber nicht erreicht worden ist.

Ekenäs, Hafenstadt im russ. Großfürstentum Finnland, Gouvernement Nyland, am Eingang eines tiefen Fjords am Nordufer des Finnischen Meerbusens und der Russisch-Finnländischen Eisenbahn, mit deutschem Konsulat und (1881) 1679 Einw.

Ekerö, 1) die westlichste der Ålandsinseln im russ. Großfürstentum Finnland, 42 qkm groß, mit dem gleichnam. Dorf und einem Telegraphen. -

2) Insel bei Egersund in Norwegen, auch Egerö genannt.

Ekersund, Stadt in Norwegen, s. Egersund.

Ekhof, Konrad, der Vater der deutschen Schauspielkunst, geb. 12. Aug. 1720 zu Hamburg, war in seiner frühern Jugend hier und in Schwerin Schreiber, betrat 15. Jan. 1740 bei der Schönemannschen Gesellschaft in Lüneburg zum erstenmal die Bühne und entwickelte bei dieser Truppe bald in immer höherm Maße sein bedeutendes Talent. 1757 wandte sich E. der Schuchschen Gesellschaft zu, übernahm dann mit Starke und Mierk die Leitung der Schönemannschen Gesellschaft, die er bald darauf an Koch in Lübeck abtrat. 1764 ging E. zu Ackermann nach Hamburg, nahm hier teil an dem berühmt gewordenen Versuch, ein Nationaltheater zu begründen, und trat 1769 in der Truppe Seylers in Hannover ein, mit der er nach manchen Kreuz- und Querzügen nach Gotha kam, dort Mitdirektor des neubegründeten Hoftheaters wurde und 16. Juni 1778 starb. E. war der erste deutsche Schauspieler, welcher Darsteller des Lebens heißen konnte. Mit tiefer, durch Natur und Erfahrung begründeter Einsicht, mit dem Talent, gleich beim ersten Blick das Wahre einer Rolle zu fassen und seine körperlichen Mängel zu verbergen, verband er noch das Wissen eines Sprachkundigen, eines Redners und Dichters; er lehrte seine Kunst und schrieb ihre Geschichte. Gleich groß im Tragischen wie im Gemütlichen, Komischen und Burlesken, riß er durch seine Mimik und die Biegsamkeit und Gewalt seines Sprachorgans zu begeisterter Bewunderung hin. Als Schriftsteller machte er sich bekannt durch Prologe, Gedichte, ferner durch einige aus dem Französischen übersetzte Lustspiele: "Die Mütterschule" (1753), "Die wüste Insel" (1762), "Der galante Läufer" u. a. Vgl. Uhde, Konrad E. (im "Neuen Plutarch", Bd. 4, Leipz. 1877).

Ekkehart (Eckehard), Name mehrerer Mönche von St. Gallen, von denen bemerkenswert sind:

1) E. I., Dekan von St. Gallen, gest. 14. Jan. 973, verfaßte außer mehreren kirchlichen Hymnen in sei-^[folgende Seite]