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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ekklesia; Ekklesiarch; Ekklesiastes; Ekklesiastikus; Ekkyklema; Eklairieren; Eklampsie

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Ekklesia - Eklampsie.

ner Jugend "Waltharius", ein lateinisches Gedicht in Hexametern über die Flucht Walthers von Aquitanien (s. d.) und seiner Geliebten Hildegunde, unter vielen Reminiszenzen an Vergil und Prudentius, aber auf Grund alter deutscher Heldenlieder. Das Gedicht wurde herausgegeben von J. Grimm und Schmeller in den "Lateinischen Gedichten des 10. und 11. Jahrh." (Gött. 1838), zuletzt von Peiper (Berl. 1873) und Holder (mit Kommentar und Scheffels Übersetzung, Stuttg. 1874); übersetzt und nachgedichtet von Simrock im "Kleinen Heldenbuch" (3. Aufl., das. 1874), San Marte (Magdeb. 1853), V. Scheffel (in dem Roman "Ekkehard"), Linnig (Paderb. 1869).

2) E. II., Neffe des vorigen, durch körperliche Schönheit, Klugheit und Beredsamkeit gleich ausgezeichnet, wurde von Hadwig, der Witwe des Alemannenherzogs Burkhard, nach dem Hohentwiel berufen, um sie im Latein zu unterrichten, kam später durch ihre Empfehlung an den kaiserlichen Hof, wo er durch die Gunst der Kaiserin Adelheid zu hohem Ansehen stieg, und starb 990 als Dompropst in Mainz.

3) E. IV., Mönch von St. Gallen, geboren um 980, Schüler von Notker Labeo, wirkte eine Zeitlang als Vorsteher der Klosterschule zu Mainz, wo er auf Veranlassung des Erzbischofs Aribo den "Waltharius" Ekkeharts I. in besseres Latein brachte, sang 1030, als Kaiser Konrad II. das Osterfest in der Pfalz von Ingelheim feierte, vor dem versammelten Hof das Hochamt und kehrte später nach St. Gallen zurück, wo er viele Jahre hindurch der Schule vorstand und um 1060 starb. Er hinterließ: "Liber benedictionum", eine Sammlung von Gesängen zur Verherrlichung der Kirchenfeste und St. Galler Kirchenangehörigen; "Benedictiones ad mensas" (Segenssprüche zu den Klostergerichten); Glossen u. a. Am bekanntesten ist er durch seine Fortsetzung der vom Mönch Radbert begonnenen "Casus Sancti Galli", welche die Klosterchronik von St. Gallen bis 972 enthält (hrsg. von I. ^[Ildefons] v. Arx in den "Monumenta Germaniae", Bd. 2, und mit Kommentar von Meyer v. Knonau in "St. Gallische Geschichtsquellen", Abt. 3, St. Gallen 1877). Das Werk ist nicht frei von historischen Irrtümern und tendenziösen Schwächen, entschädigt aber dafür durch eine überaus anmutige Darstellungsweise, eine Fülle kulturgeschichtlicher Überlieferung und zahlreiche köstliche Geschichten und Einzelbilder aus dem Klosterleben. Hier findet sich unter anderm auch die Episode des "Höflings" E. II. sowie der Schwabenherzogin Hadwig mitgeteilt, die Scheffel (E. I. und E. II. in Eine Person verschmelzend) in seinem bekannten Roman poetisch verwertet hat. Vgl. Dümmler, E. IV. von St. Gallen ("Zeitschrift für deutsches Altertum", neue Folge, Bd. 2); Meyer v. Knonau, Die Ekkeharte von St. Gallen (Basel 1876).

Ekklesia (griech.), Volksversammlung, besonders die in Athen, wo sie als der versammelte Demos die volle Souveränität besaß. Jeder Bürger, der 20 Jahre alt war, konnte daran teilnehmen und empfing am Eingang ein Täfelchen, gegen dessen Abgabe er seit Perikles das Ekklesiastikon, den Sold von 1, später 3 Obolen, ausgezahlt erhielt. Die E. wurde auf dem Markt oder in einem Theater abgehalten, anfangs nach Solon nur 4mal, nach Kleisthenes 10mal, später 40mal im Jahr; außer diesen ordentlichen Versammlungen gab es noch außerordentliche. Die Redner waren bekränzt zum Zeichen ihrer Unverletzlichkeit. Die Abstimmung geschah durch Handaufheben oder durch Stimmtäfelchen oder Steinchen; das Psephisma (der Beschluß) wurde in das öffentliche Archiv eingetragen, oft in Stein oder Erz eingegraben. Die Geschäfte der athenischen E. umfaßtem alle öffentlichen und Staatsangelegenheiten. Die E. in Sparta, der nur die über 30 Jahre alten Bürger beiwohnen durften, hatte weit beschränktere Befugnisse, indem sie die Vorschläge der Könige oder der Gerusia nur zu genehmigen oder zu verwerfen hatte. Nach Vorgang der alexandrinischen Übersetzung, welche so die hebräische Volksgemeinde wiedergibt, brauchen die neutestamentlichen Schriftsteller das Wort E. (lat. Ecclesia) für Kirche (s. d.). Daher die Ausdrücke: E. filia (filialis), Tochterkirche; E. mater, Mutterkirche; E. militans, die streitende Kirche; E. pressa, die unterdrückte Kirche (wie sich die römisch-katholische Kirche in Staaten zu nennen pflegt, wo sie in weltlichen Dingen an die Staatsgesetze gebunden ist); E. triumphans, die triumphierende Kirche (d. h. vollendete Kirche des Jenseits); E. vagans, eine nicht eingepfarrte Kirchengemeinde.

Ekklesiarch (griech.), Kirchenvorsteher; in der griechischen Kirche der Aufseher über die Kirchengebäude, auch der Bruder in den griechischen Klöstern, welcher alles zum Gottesdienst Gehörige zu besorgen hat. Ekklesiarchie, Kirchengewalt, Kirchenaufsicht.

Ekklesiastes (griech., lat. Concionator), Sprecher, Verkündiger, griech. Titel des Buches Prediger Salomo (hebr. Koheleth).

Ekklesiastikus (lat., griech.), jeder Geistliche, besonders jeder Weltgeistliche; in der Vulgata Titel des Buches Jesus Sirach.

Ekkyklema (griech.), im altgriech. Theater eine Maschine, durch welche der Hintergrund der Bühne geöffnet und dem Zuschauer das Innere des Palastes oder Hauses dargestellt wurde; s. Drama, S. 115.

Eklairieren (franz., spr. eklär-), erhellen, erleuchten, aufklären; s. Éclaireurs.

Eklampsie (griech.), eine Krankheit des Nervensystems, welche sich durch Krampfanfälle äußert, die mit Bewußtlosigkeit verbunden sind. Man unterscheidet zwei Formen, nämlich die E. der Kinder und die E. der Schwangern und Gebärenden. Die E. der Kinder (Eclampsia infantum) ist eine recht häufige Krankheit und beruht auf mannigfachen Ursachen. Eine gewisse Disposition dazu muß in der Regel angenommen werden, und eine Vererbung von den Eltern ist nicht abzuleugnen, indem eine Neigung zu Krämpfen bei der Mutter oder zur Epilepsie beim Vater in dieser Form auf das Kind überzugehen scheint. Vorzugsweise sollen Knaben der Krankheit unterworfen sein. Am häufigsten wird sie im Säuglingsalter, namentlich während des Zahndurchbruchs, selten im spätern Kindesalter beobachtet. Krankheiten des Gehirns, der Ausbruch von Scharlach, Masern etc., Störungen der Verdauung, anämische Zustände etc. können E. hervorrufen. Auch Wurmreiz hat man als Ursache der E. beobachtet. Zuweilen gehen dem Ausbruch der Krankheit Vorboten voraus. Die Kinder sind unruhig, mürrisch, ihr Schlaf ist unterbrochen; sie träumen viel, schreien plötzlich auf und knirschen mit den Zähnen; der Atem ist ungleich, das Gesicht wird verzerrt. Oft aber bricht der eklamptische Anfall ganz plötzlich aus. Je nach dem Alter des Kindes sind die Zeichen der Bewußtlosigkeit mehr oder weniger erkennbar; der Blick ist stier, die Augen werden umhergerollt, das Gesicht ist verzerrt und nimmt einen lächelnden oder schmerzlichen Ausdruck an; die Mundwinkel zucken, die Zähne knirschen, und der Körper ist vollkommen unempfindlich. Gleichzeitig treten krampfhafte Zuckungen oder starrkrampfähnliche Zustände im ganzen Körper auf.