Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eläa - Elaeis.

kritischen Ausschläge der Kaltwasserärzte hervorrufen. Sehr häufig ruft der Reiz von tierischen Parasiten ein E. hervor, wofür die gemeine Krätze das beste Beispiel liefert. Ekzeme werden auch durch gestörten Blutlauf in der Haut, namentlich durch gehemmten Abfluß des Venenbluts, veranlaßt. Ausschläge dieser Art kommen namentlich an den Unterschenkeln vor. In vielen Fällen liegt dem E. eine gewisse konstitutionelle Anlage zu Grunde, welche nicht selten angeboren oder angeerbt ist. Bei skrofulösen und rhachitischen Kindern tritt diese Anlage zum E. besonders deutlich hervor. Das E. ist von lebhaftem Jucken begleitet, welches die Patienten zum Kratzen veranlaßt, wodurch das ursprüngliche Aussehen der entzündeten Hautstelle sehr erheblich verändert werden kann, indem sich die Haut mit blutigen Krusten und Borken bedeckt. Hebra beschreibt als E. marginatum ein E., welches sich vom Hodensack und der benachbarten innern Schenkelfläche symmetrisch auf das Gesäß ausbreitet. Dem E. marginatum liegt nach neuern Untersuchungen ein pflanzlicher Hautparasit (Trichothecium) zu Grunde. Was die Behandlung des Ekzems anbetrifft, so sind zunächst alle Einwände gegen ein Vertreiben der Flechte, da diese "nach innen schlagen könne", als überwundene Beobachtungsfehler zu behandeln. Sofern dem "Salzfluß" allgemeine skrofulöse Schwäche zu Grunde liegt, ist der Gebrauch von Leberthran, Solbädern, frischer Luft und guter Diät vor allem anzuraten. Außerdem aber sind alle Fälle von E. örtlich und zwar unter sehr sorgfältiger ärztlicher Leitung zu behandeln, da die Wahl der Mittel ganz von der Dauer und dem Charakter des Einzelfalles abhängt. Im akuten Stadium sind nach Hebra lindernde Mittel, Stärkemehl, Talkum und andre Streupulver kalten Waschungen vorzuziehen, da zunächst jeder Reiz fern zu halten ist. Später ist die Haut durch Öleinreibungen oder Vaselinsalbe geschmeidig zu machen und endlich Teer anzuwenden. Beim chronischen E. beginnt die Kur mit täglichem Waschen mit Kaliseife und Einölen der Haut zur Erweichung der Borken, welches fortgesetzt wird, bis jede Entzündung geschwunden ist. Dann folgt Bepinseln mit Teer, Waschung mit Teerseife oder Einreibung mit Präzipitatsalbe.

Eläa, im Altertum äolische Stadt in Mysien, unweit der Mündung des Kaikos am Elaitischen Meerbusen, Hafen von Pergamon.

Eläagnaceen (Silberbäume), dikotyle Familie aus der Ordnung Thymeläinen, Holzpflanzen mit silber- oder rostschuppigen Blättern und regelmäßigen, oft vierzähligen, perigynen Blüten, deren Blumenkrone unterdrückt ist. Im Kelchschlund steht ein Drüsenring oder ein Diskus. Die Frucht stellt eine Achene dar, die vom bleibenden Kelchgrund eingeschlossen bleibt. Die aus vier Gattungen und etwa 35 Arten bestehende Familie bewohnt die gemäßigte Zone beider Hemisphären. Wichtigste Gattungen: Elaeagnus und Hippophae. Vgl. Schlechtendal in De Candolles "Prodromus", Bd. 14.

Elaeagnus L. (Oleaster, Ölweide), Gattung aus der Familie der Eläagnaceen, Sträucher und kleine Bäume mit abwechselnden Blättern, die, wie die jungen Triebe, silberfarben glänzen und bisweilen noch mit rostfarbenen Schelferschuppen besetzt sind. Die Blüten sind außen gleichfalls silberglänzend und stehen einzeln oder in geringer Anzahl im Winkel der Blätter an völlig entwickelten Zweigen. E. angustifolia L. (wilder Ölbaum), im Orient, 5-6 m hoher, oft dorniger Strauch mit schmalen, länglich-lanzettförmigen, oben graugrünen, unten silberfarbenen Blättern, gelblichen, stark duftenden Blüten und länglichen, silbergrauen Früchten, wird bei uns häufig als Zierstrauch und im Orient in einer Abart kultiviert, deren 2,5 cm lange Früchte allgemein gegessen werden. E. argentea Pursh, Strauch aus dem englischen Nordamerika, wird bis 2 m hoch, bildet Ausläufer; durch welche er sich sehr schnell verbreitet, hat elliptische, auf beiden Seiten silberfarbene, wohlriechende, grünlichgelbe Blüten und bei der Reife trocken mehlige Früchte, wird ebenfalls als Zierstrauch kultiviert.

Elaborat (lat.), etwas Ausgearbeitetes, namentlich eine ausgearbeitete Schrift; Elaboration, Ausarbeitung; elaborieren, ausarbeiten, verfertigen.

Elagabalus, röm. Kaiser, s. Heliogabalus.

El Aghuat, Stadt, s. Laghuât.

El Ahsa (Hasa), Landschaft, s. Arabien, S. 723.

Elaïdin (C18H33O)3C3H5O3 ^[(C_{18}H_{33}O)_{3}C_{3}H_{5}O_{3}], das Produkt der Einwirkung von salpetriger Säure auf fette, nicht trocknende Öle, deren Olein hierbei in starres E. übergeht, welches dieselbe prozentische Zusammensetzung besitzt. Eine kleine Menge salpetriger Säure kann viel Olein in E. verwandeln, die Zeit aber, in welcher die Erstarrung eintritt, ist verschieden, je nach dem Verhältnis der Säure zum Öl und der Natur des Öls, so daß man hierauf eine Methode zur Untersuchung der Öle auf Verfälschungen gründen konnte. Salpetersaures Quecksilberoxydul wirkt in allen Fällen, mit Ausnahme des Rizinusöls, wie salpetrige Säure. E. bildet ein starres, weißes, kristallinisches Fett, schmilzt bei 32°, ist schwer in Alkohol, leicht in Äther löslich und läßt sich mit Alkalien verseifen. Ein Präparat, welches durch Erwärmen von 50 Teilen Schweineschmalz mit 3 Teilen Salpetersäure bis zum Verschwinden der sauren Reaktion erhalten wird, war als Unguentum oxygenatum (Axungia nitrica) offizinell. Man hat empfohlen, E. auch zur Seifen- und Kerzenfabrikation zu verwenden und Talg z. B. durch Behandlung mit salpetriger Säure dadurch zu härten, daß man sein Olein in E. verwandelt. Die aus E. durch Verseifen mit Kalilauge und Zersetzung der Seife mit Salzsäure erhaltene Elaidinsäure C18H34O2 ^[C_{18}H_{34}O_{2}] ist isomer der Ölsäure und kann auch direkt aus dieser mit Hilfe von salpetriger Säure dargestellt werden; sie bildet perlglänzende, geruch- und geschmacklose Kristalle, ist in Wasser kaum, in Alkohol und Äther leicht löslich, schmilzt bei 45°, verflüchtigt sich ohne Zersetzung und gibt beim Schmelzen mit Kalihydrat Wasserstoff, Essigsäure und Palmitinsäure.

Elaïn, s. v. w. Olein.

Elaïnsäure, s. v. w. Oleinsäure, Ölsäure.

Elaïs (Eleis, Kahua), Ortschaft im ehemaligen ägypt. Sudân, am rechten Ufer des Weißen Nils unter 13° nördl. Br., über welche eine früher sehr belebte Handelsstraße von Kordofan nach Abessinien führt. E. war einst eine Hauptstadt der Fundschkönige, die in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sich ganz Kordofan von hier aus zinsbar gemacht hatten.

Elaeis Jacq. (Ölpalme), Gattung aus der Familie der Palmen, mittelhohe Bäume mit dickem, aufrechtem oder niederliegendem Stamm, dicken, am Rande dornig-gesägten Blattstielen, fiederförmigen Blättern mit linearen Segmenten, monözischen Blüten und eckig-eiförmigen, zartschaligen Früchten mit schwammig-faserigem, ölhaltigem, hellrotem oder gelbem Fruchtfleisch, eiförmigem, schwach dreikantigem, knochenhartem Steinkern und hornigem, hohlem Samen. E. guineensis L. (afrikanische Ölpalme, s. Tafel "Ölpflanzen") ist im tropischen Westafrika heimisch und wächst dort in großer Zahl, wird jetzt