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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Elam - Elastizität.

aber auch in Westindien kultiviert. Sie wird 6-9 m hoch, der Stamm ist tief geringelt, im obern Teil meist noch bedeckt mit den Resten abgestorbener Blattstiele, die Blätter sind 3-5 m lang, und die Fruchtstände erreichen eine Länge von 60 cm bei 60-90 cm Umfang und enthalten oft 600-800 Früchte. Die einzelnen Früchte besitzen die Größe eines Hühnereies und sind gelblichrot gefleckt. Aus dem Fruchtfleisch gewinnt man in Westafrika das Palmöl, die Steinkerne werden nach Europa exportiert und hier zur Ölgewinnung gepreßt. Die Preßrückstände dienen als Viehfutter. Der Handel mit diesem Öl ist seit Unterdrückung des Sklavenhandels in Westafrika zu großer Bedeutung gelangt. Die Neger gewinnen aus dem Safte der Palmen auch den Palmwein. E. melanococca Gärtn. (Alphonsia oleifera H. B. K.), die Caiaue der Brasilier, der Corozo colorado der Bewohner von Venezuela und Neugranada, wächst an sumpfigen, schattigen Stellen, sehr häufig auch in Zentralamerika, kriecht mit dem kurzen, dicken Stamm an der Erde, ist so schwach bewurzelt, daß der Baum durch einen Fußtritt aus dem Boden gehoben werden kann, und trägt 7 m lange Blätter und rote Früchte. Aus den Blättern fertigt man Taue und aus den Früchten Öl, welches aber noch nicht im Großhandel erscheint.

Elam (Elymais), semitische Landschaft, welche den ebenen Teil der altpersischen Provinz Susiana nach der Tigrismündung zu umfaßte. Die Elamiter (Elymäer), die östlichsten unter den Nachkommen Sems, erscheinen in der Bibel wie bei den klassischen Autoren als geschickte Bogenschützen.

Elan (franz., spr. elang), Anlauf, Sprung; übertragen s. v. w. Aufschwung, Feuer, Begeisterung.

Elancieren (franz., spr. elangss-, auch lancieren), im Börsenverkehr s. v. w. den Kurs von Wertpapieren in die Höhe treiben.

Eläodorisch (griech.), mit Ölfarbe gemischt, besonders von solchem Wachs, welches bei den Alten zur enkaustischen Malerei diente (s. Wachsmalerei).

Elaeoides Ung., vorweltliche Pflanzengattung aus der Familie der Oleaceen (s. d.).

Eläolith, s. Nephelin.

Eläometer (griech., "Ölmesser"), Aräometer zur Bestimmung des spezifischen Gewichts der fetten Öle.

Eläopten, s. Ätherische Öle.

Elaeosaccharum, s. v. w. Ölzucker.

Elaphebolion (griech.), der neunte Monat im attischen Jahr, die zweite Hälfte unsers März und die erste des Aprils umfassend, in dem zu Ehren der Artemis (s. d.) das Fest der Elaphebolien (Hirschjagden) begangen wurde.

Elaphitische Inseln (Hirschinseln), Gruppe von drei Eilanden im Meerbusen von Ragusa (Dalmatien), Calamotta, Mezzo und Giupana, bloß von Fischern bewohnt.

Elaphomyces Nees (Hirschstreuling, Hirschtrüffel), Pilzgattung aus der Unterordnung der Tuberaceen und der Ordnung der Askomyceten, unter der Erde lebende, den Trüffeln sehr ähnliche Pilze. Das Innere ist anfangs fleischig, hell, später trocken, staubig und dunkel gefärbt. E. granulatus Nees (Scleroderma cervinum Pers., gekörnter Hirschstreuling) wächst häufig und gesellig unter der Erde in Wäldern, zumal in Gebirgsgegenden Deutschlands, im Sommer und Herbst, wird bisweilen mit der Trüffel verwechselt, ist aber ungenießbar und wird nur von Hirschen und Schweinen gefressen. Dient unter dem Namen Hirschbrunst (Boletus cervinus) als Hausmittel bei Tieren. Die Hirschtrüffel schmarotzt nach neuern Untersuchungen auf den Wurzeln der Kiefer.

Elapidae (Prunknattern), Familie aus der Ordnung der Schlangen (s. d.).

Elapso termino (lat.), nach Ablauf der Frist.

Elargieren (lat.), ausweiten, erweitern.

Elasmotherium, Säugetier der Diluvialzeit, von welchem spärliche Reste in Ungarn, Sizilien, am Rhein und in Rußland gefunden wurden. Ein 1878 aus der Wolga gezogener Schädel ist 86 cm lang, mit Einschluß des Unterkiefers 56 cm hoch und 43 cm breit. Er besitzt auf dem Stirnteil eine halbkugelförmige Knochenerhebung von mehr als 1 m Umfang, welche, über 13 cm hervortretend, einen Teil der Stirnhöhlung bildet und wahrscheinlich ein Horn trug, welches die Länge des gesamten Schädels übertraf. Die Vorderansicht des Schädels hat eine allgemeine Ähnlichkeit mit dem eines Pferdes oder Wiederkäuers; der hintere Teil des Schädels zeigt hingegen eine Verwandtschaft mit den ausgestorbenen Gattungen des Rhinozeros, die durch die knöcherne Scheidewand der Nase, welche sonst bei keinem Säugetier sich findet, noch stärker hervorgehoben wird. Ganz abweichend sind dagegen die Zähne gebildet; sie bestehen aus gewundenen Falten von Zahnschmelzplatten, die sich über die ganze Länge des Zahns erstrecken, und bieten auf ihrer Oberfläche einen wunderlich gefältelten Anblick dar. Das E. stand hiernach zwischen Rhinozeros und Pferd, übertraf aber an Größe alle Verwandten, sowohl die lebenden als auch die ausgestorbenen. Seine Körperlänge mag 4-5 m betragen haben. Es war einst über den größten Teil Europas verbreitet und wird sich wahrscheinlich auch in Asien nachweisen lassen, wo es mit jenen andern großen Dickhäutern lebte, deren Überreste im sibirischen Eise so vortrefflich erhalten sind. Es war nach aller Wahrscheinlichkeit ein Zeitgenosse der Steinzeitmenschen, denn seine Reste finden sich in denselben Ablagerungen, in denen die behauenen Feuersteine, Knochen und andre Spuren des vorgeschichtlichen Menschen nachgewiesen wurden.

Elastiks, geköperte und gewalkte Rock- und Hosenstoffe aus Streichgarn, welche sich durch große Dehnbarkeit auszeichnen. E. heißen auch die schmalen Kautschukgewebe, welche in Kette und Einschlag, meist aber nur in der Kette Kautschukfäden enthalten und zu Strumpfbändern, Hosenträgern, als Zwickel in den Schäften von Halbstiefeln etc. benutzt werden.

Elastin, die Grundsubstanz des tierischen elastischen Gewebes, welches in gewissen Bändern, in Muskelscheiden, im Nackenband, in der Schwimmblase einiger Fische etc. auftritt, bildet nach der Reinigung durch Wasser, Alkohol, Äther, Säuren und Alkalien eine spröde, gelbliche, deutlich faserige Masse, welche in Wasser aufquillt und dadurch vollständig elastisch wird, aber selbst bei anhaltendem Kochen sich niemals in Leim verwandelt und sich dadurch wesentlich von den leimgebenden Substanzen unterscheidet.

Elastisch-flüssige Körper, s. v. w. Gase.

Elastizität (neulat., v. griech. elaunein, "antreiben, in Bewegung setzen", abzuleiten; Schnellkraft, Federkraft), das Bestreben der festen Körper, nach erlittener Änderung ihrer Gestalt die ursprüngliche Form wieder anzunehmen. Vermöge dieses Bestrebens kehren sie, sobald die Kraft, welche die Formänderung hervorgebracht hat, zu wirken aufhört, wieder vollkommen in ihre frühere Gestalt zurück, vorausgesetzt, daß die Formänderung eine gewisse Grenze, die Elastizitätsgrenze, nicht überschritten hatte.