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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Elektrische Eisenbahn

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Elektrische Eisenbahn.

genden elektrischen Lokomotivmaschine sind, derart, daß die Schleiffedern der einen Wagenseite, bez. der einen Schiene mit dem einen und die der andern Wagenseite mit dem andern Ende des Umwindungsdrahts der sekundären Betriebsmaschine in stets leitender Verbindung stehen. Durch diesen Umwindungsdraht wird also die leitende Verbindung zwischen beiden Schienen hergestellt, und es wird dadurch bewirkt, daß die Maschine beim Durchgang eines elektrischen Stroms sich in Umdrehung versetzt. Diese Drehung wird durch stählerne Transmissionsschnüre auf die Wagenräder übertragen; der Wagen wird mithin so lange in Bewegung gesetzt, wie der Stromkreis geschlossen ist. Die Einleitung und Unterbrechung des elektrischen Stroms geschieht durch Drehung einer Kurbel, die sich auf jedem Wagenperron zur Hand des Wagenführers befindet. Vermittelst einer Umsteuerung, durch welche der Strom entweder im positiven oder negativen Sinn durch die Umwindungsdrähte geführt wird, kann der Wagen nach Belieben entweder vorwärts oder rückwärts bewegt werden. Versuche auf der Lichterfelder Bahn haben dargethan, daß die Fortbewegung mehrerer Wagen in beliebigen Abständen voneinander durch eine und dieselbe Elektrizitätsquelle auf den elektrischen Eisenbahnanlagen keinen Schwierigkeiten unterliegt.

Ende 1881 wurde in der Nähe Berlins eine zweite e. E. zwischen Charlottenburg und dem Spandauer Bock unter Benutzung der Pferdebahngeleise dem Betrieb übergeben, welche in der Stromzuführung wesentliche Verschiedenheiten von der Lichterfelder Bahn aufwies. Die Stromzuleitung erfolgte ursprünglich, wie sich aus der schematischen Darstellung in Fig. 2 und 3 ergibt, nicht durch die Schienen, sondern durch Herstellung einer doppelten Drahtseilleitung auf Isolatoren besonderer Form an Telegraphenstangen. Auf der Drahtseilleitung lief ein kleiner Kontaktwagen, der durch ein mit doppelten Leitungsdrähten versehenes Leitungsseil, welches zugleich den kleinen Kontaktwagen mit sich zog, die Verbindung mit den beiden Drahtenden der dynamoelektrischen Maschine herstellte. Aus dieser Einrichtung ergaben sich jedoch Schwierigkeiten, indem bei Biegungen der Straße der Kontaktwagen nicht mit genügender Sicherheit die Leitungsseile berührte. Man brachte daher, nach dem Vorgang von Siemens Frères in Paris, an Stelle der Drähte geschlitzte, von Isolatoren getragene und mittels Tragseilen an den Stangen aufgehängte Röhren von 25 mm lichter Weite an, in welchen Kontaktschiffchen von der in Fig. 4 dargestellten Konstruktion durch das Leitungsseil gleitend fortgeführt wurden. Das Schiffchen besteht aus vier federnden Kontaktknöpfen S1, S2, S3, S4,^[S_{1}, S_{2}, S_{3}, S_{4},] welche auf einem Kupferdrahtseil befestigt und von denen S1^[S_{1}] und S4^[S_{4}] an eine Stahlschiene T festgenietet sind; von Z und M aus führt das Leitungsseil zum Wagen. Diese Einrichtung entspricht derjenigen, welche von der Firma Siemens Frères auf der Pariser Elektrizitätsausstellung für die von ihr erbaute e. E. zwischen dem Industriepalast und dem Concordiaplatz gewählt worden war, und die sich dort bewährt hatte. Die Bahn Charlottenburg-Spandauer Bock ist übrigens nur als Versuchsanlage benutzt worden, um das Verhalten der Konstruktionsteile auch unter ungünstigen Witterungsverhältnissen, namentlich bei Schnee und Eis, zu erproben. Nachdem die erzielten Ergebnisse auch hier zur Zufriedenheit ausgefallen waren, wurde der elektrische Betrieb der genannten Strecke 1883 eingestellt und das dort erprobte System beim Bau der im April 1884 vollendeten, 6,6 km langen elektrischen Eisenbahn zwischen Frankfurt a. M. und Offenbach zur Anwendung gebracht.

Grubenbahnen mit elektrischem Betrieb sind von Siemens u. Halske in den königlich sächsischen Bergwerken zu Zaukerode und der Hohenzollerngrube bei Beuthen hergestellt worden. Die elektrische Grubenbahn in Zaukerode ist 700 m lang und befindet sich in einer Tiefe von 260 m unter der Erdoberfläche. Wegen der geringen Breite der zu befahrenden Gänge mußte die elektrische Lokomotive in verhältnismäßig kleinen Abmessungen gehalten werden; trotzdem befördert dieselbe eine Last von 8000 kg mit einer Geschwindigkeit von 12 km in der Stunde. Zur Erzeugung des Stroms dient eine außerhalb der Grube aufgestellte und mittels einer kleinen Cylinderdampfmaschine betriebene dynamoelektrische Maschine. Der Strom wird durch ein Kabel den oberhalb des Ganges befestigten, aus T-Eisen gebildeten Leitungsschienen zugeführt und gelangt durch Vermittelung kleiner, auf diesen Schienen gleitender Kontaktschlitten, die

^[Abb.: Fig. 2 u. 3., Wagen der elektrischen Eisenbahn bei Charlottenburg. Fig. 4. Kontaktvorrichtung.]