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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Elektrizität

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Elektrisiermaschine - Elektrizität.

Draht abc hängen zwei Metallglocken, die eine bei c an einem Metalldraht, die andre bei a an einem Seidenfaden; letztere ist durch eine Kette nach dem Boden abgeleitet. Zwischen beiden in der Mitte hängt ein Metallkügelchen an einem Seidenfaden. Wird die erste Glocke vom Konduktor her elektrisch, so zieht sie das Kügelchen an, stößt das gleichnamig elektrisch gewordene ab nach der andern Glocke hin, wo es seine Elektrizität abgibt, wird jetzt von der ersten wieder angezogen u. bringt in dieser Weise, zwischen den Glocken hin- und herfahrend, dieselben zum Tönen. Leicht entzündliche Flüssigkeiten, z. B. Äther, Schwefelkohlenstoff, werden durch den Funken der E. entzündet, explosive Gasgemenge zum Explodieren gebracht. Um letzteres zu zeigen, kann man sich der elektrischen Pistole (Fig. 6) bedienen, eines mit einem Kork verschließbaren Blechgefäßes, in welches ein in ein Glasröhrchen tt' eingekitteter, an den Enden mit kleinen Kugeln b und b' versehener Metalldraht isoliert hineinragt. Ist das Gefäß mit einem Gemisch aus Luft und Wasserstoffgas oder Leuchtgas gefüllt, und setzt man den äußern Knopf b mit dem Konduktor in Verbindung, so springt ein Funke zwischen dem innern Knopf und der Gefäßwand über, das Gasgemenge explodiert, und der Kork wird mit lautem Knall herausgeschleudert. Man kann seinen eignen Körper elektrisch machen, wenn man sich auf den Isolierschemel, ein von Glasfüßen od. Flaschen (Fig. 7) getragenes Brett, oder auf eine Kautschukplatte stellt, oder Gummiüberschuhe anzieht und dabei den Konduktor berührt. Die Haare sträuben sich infolge der gegenseitigen Abstoßung empor und fallen zusammen, sobald aus dem Konduktor oder dem menschlichen Körper selbst ein Funke gezogen wird. Man kann in diesem Zustand Äther, welchen eine andre nicht isolierte Person in einem Löffel entgegenhält, durch einen aus der Fingerspitze springenden Funken entzünden.

Die Dampf- oder Hydro-Elektrisiermaschine von Armstrong gründet sich darauf, daß der aus dem Hahn eines Dampfkessels ausströmende Dampf elektrisch (gewöhnlich positiv), der Kessel, wenn isoliert, entgegengesetzt elektrisch ist. Diese Elektrizität entsteht durch Reibung der von dem Dampf mitgerissenen Wasserteilchen an den Wänden des Ausströmungsrohrs. Fig. 8 zeigt die Abbildung einer solchen Maschine, deren Kessel A 44 cm im Durchmesser hat und 96 cm lang ist. Die Feuerung befindet sich innerhalb des Kessels; f ist die Feuerthür, a ist ein Wasserstandsanzeiger, d ein Sicherheitsventil zur Regulierung der Spannkraft des Dampfes, g ist der Schornstein zum Abzug der Feuergase. Oben auf dem Kessel befindet sich ein Hut H angeschraubt (ähnlich dem Mannloch der großen Maschinenkessel), und darauf ist ein kurzes, mit einem Hahn t verschließbares Messingrohr angebracht, das in ein gußeisernes Rohr bc einmündet, aus welchem der Dampf in eine Reihe horizontaler Röhren F einströmt, in denen er sich reibt. Aus denselben und damit aus der ganzen Maschine austretend, strömt der Dampf gegen eine Reihe von Metallspitzen B, an welche er seine + E abtritt, die in den Erdboden abfließt, wogegen die - E auf dem durch Glasgefäße isolierten Dampfkessel zurückbleibt. Über die Influenz-E. s. Influenzmaschine.

^[Abb.: Fig. 6. Elektrische Pistole. Fig. 7. Isolierschemel. Fig. 8. Armstrongs Dampf-Elektrisiermaschine.]

Elektrizität. Wenn man eine Glasröhre oder eine Siegellackstange reibt, etwa am Rockärmel, so erlangen sie die Eigenschaft, leichte Körperchen, wie Papierschnitzel, Zigarrenasche u. dgl., anzuziehen. Da diese Eigenschaft schon in alter Zeit zuerst am Bernstein, welchen die Griechen Elektron nannten, beobachtet worden war, so nannte man den Zustand, in welchem sich die geriebenen Körper befinden, elektrisch und die Ursache desselben E. Außer den genannten zeigen auch noch andre Körper, z. B. Schwefel, Edelsteine, Seide, Harze (zu welchen auch Siegellack und Bernstein gehören), Kautschuk (Hartkautschuk, Kammmasse, Ebonit), Guttapercha, Kollodium etc., diese Eigenschaft; dagegen bemüht man sich vergebens, eine in der Hand gehaltene Eisen- oder Messingstange durch Reiben elektrisch zu machen. Befestigt man aber die Metallstange an einem Griffe von Glas oder Hartkautschuk, den man mit der Hand faßt, so wird sie durch Reiben gleichfalls elektrisch. Wir schließen daraus, daß, als wir die Metallstange unmittelbar in der Hand hielten, jenes Wirksame, das wir E. nennen, zwar ebenfalls erzeugt wurde, jedoch durch das Metall selbst und die berührende Hand sofort entwich, dagegen durch den Griff von Glas oder Hartkautschuk nicht fortgeleitet wurde. Während also Metall die E. fortpflanzt oder leitet, besitzen Glas und Kautschuk diese Fähigkeit nicht. Die besten Leiter der E. sind die Metalle; weniger gut leiten der menschliche Körper, Kohle, Wasser und viele an-^[folgende Seite]