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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Elektromotoren - Elektrostatik.

Elektrizitätsquelle, das andre Quadrantenpaar aber mit der Erde, so wird die Aluminiumplatte abgelenkt und begibt sich über dasjenige Quadrantenpaar, dessen Elektrizität mit der ihrigen ungleichnamig ist. Über das Säulenelektrometer s. Zambonische Säule.

Elektromotoren (griech., Elektrizitätserreger), die Körper, welche bei gegenseitiger Berührung Elektrizität erregen; auch alle Vorrichtungen, durch welche ein elektrischer Strom erregt wird, nämlich galvanische Elemente und Batterien, Thermosäulen, magnetelektrische und dynamoelektrische Maschinen. E. nennt man bisweilen auch die elektrischen Bewegungsmaschinen (analog Gasmotor etc.).

Elektromotorische Kraft, die Ursache der Trennung beider Elektrizitäten bei Berührung ungleichartiger Stoffe (s. Galvanismus und Galvanische Batterie).

Elektron (griech.), s. v. w. Elektrum.

Elektro-optische Erscheinungen zeigen sich beim Durchgang polarisierten Lichts durch elektrisierte Körper. 1875 entdeckte Kerr, daß durchsichtige, nichtleitende (sogen. "diëlektrische") Körper, zwischen entgegengesetzt elektrisch geladene Pole gebracht, doppelbrechend werden. Dieselbe Eigenschaft erhält das Glas bekanntlich auch durch Zusammendrücken oder durch Ausdehnen; im erstern Fall wirkt es wie ein negativ einachsiger, im letztern wie ein positiv einachsiger Kristall. Die Vergleichung mit einer gepreßten Glasplatte lehrt nun, daß das der elektrischen Einwirkung ausgesetzte Glas sich verhält, als wäre es in der Richtung der Verbindungslinie der Pole zusammengedrückt worden. Harz dagegen verhält sich so, als hätte es längs dieser Richtung eine Ausdehnung erfahren. Nichtleitende Flüssigkeiten, z. B. Schwefelkohlenstoff, Benzol, fette Öle etc., werden ebenfalls unter dem Einfluß der Elektrizität doppelbrechend, doch kann man in dieser Beziehung positive und negative Flüssigkeiten unterscheiden; erstere, z. B. Schwefelkohlenstoff, Kumol, Paraffinöl, Benzol etc., wirken wie Glas, das parallel zur Verbindungslinie der Pole gestreckt wird; letztere, z. B. Rapsöl, Robbenthran, Leberthran etc., wirken wie Glas, das in der Richtung der Verbindungslinie der Pole zusammengedrückt wird.

Elektrophor (griech.), Vorrichtung zur Erregung von Elektrizität durch die verteilende Wirkung (Influenz) eines geriebenen Nichtleiters. Eine Scheibe von Harz oder Hartkautschuk, der Kuchen (s. Figur), ist in eine metallene Form nn gegossen oder in einen metallenen Teller gelegt. Der Kuchen wird durch Reiben mit Katzenpelz oder Fuchsschwanz negativ elektrisch gemacht. Diese negative Elektrizität wirkt verteilend auf die beiden Elektrizitäten der Unterlage; die negative (-) wird abgestoßen und entweicht in den Boden, die positive (+) wird nach der untern Kuchenfläche hingezogen. Diese positive Elektrizität der Unterlage, welche von der negativen der Kuchenoberfläche festgehalten oder gebunden wird, wirkt auf diese bindend zurück und verhindert sie, auf einen leitenden Körper, den man mit ihr in Berührung bringt, überzugehen. Denn setzt man den Deckel oder Schild (p), eine mit isolierendem Griff m (aus Glas oder Hartkautschuk) versehene Metallplatte, auf den Kuchen und hebt ihn, ohne ihn zu berühren, isoliert wieder empor, so erweist er sich, am Elektroskop geprüft, als unelektrisch. Hat man ihn aber, während er auf dem Kuchen lag, mit dem Finger berührt, so zeigt er sich nach dem Aufheben stark mit positiver Elektrizität geladen, so daß auf einen genäherten Leiter ein Funke überspringt. Die negative Elektrizität der Kuchenoberfläche wirkt nämlich verteilend auf die beiden im Deckel miteinander verbundenen Elektrizitäten; die positive (+) wird angezogen und auf der Unterseite des Deckels festgehalten, die negative (-) abgestoßen; hebt man den Deckel auf, ohne ihn berührt zu haben, so vereinigen sich diese beiden gleichen Elektrizitätsmengen wieder, und der Deckel ist unelektrisch. Berührt man ihn aber vor dem Aufheben mit dem Finger, so entweicht die abgestoßene negative Elektrizität in die Erde, die positive aber bleibt gebunden zurück. Hebt man jetzt, nachdem man den Finger entfernt hat, den Deckel isoliert empor, so verbreitet sich diese positive Elektrizität, der bindenden Einwirkung des Kuchens entzogen, frei über die ganze Oberfläche des Deckels. Da bei diesem Verfahren dem Kuchen keine Elektrizität entzogen wurde, so kann man dasselbe beliebig oft mit dem gleichen Erfolg wiederholen und z. B., indem man den elektrischen Deckel jedesmal mit dem Knopf einer Leidener Flasche (s. d.) in Berührung bringt, diese bis zu ziemlicher Stärke laden. Dabei wird aber die Elektrizität nicht etwa aus nichts gewonnen, sondern man hat, indem man beim Aufheben des positiv elektrischen Deckels die zwischen ihm und dem negativ elektrischen Kuchen stattfindende Anziehung überwindet, eine Arbeit zu leisten, deren Ergebnis als elektrische Ladung in dem Deckel gleichsam aufgespeichert ist.

^[Abb.: Elektrophor.]

Elektropunktur, s. Akupunktur.

Elektroskop (griech.), s. Elektrizität (S. 531) und Elektrometer.

Elektrostatik (griech.), die Lehre vom Gleichgewicht der Elektrizität. Die Elektrizität kann nämlich auf isolierten Leitern frei, auf nicht isolierten im gebundenen Zustand in Ruhe sein, indem sich die wirkenden abstoßenden und anziehenden Kräfte das Gleichgewicht halten. Die Erscheinungen dieses Gleichgewichts sowohl als die seiner plötzlichen Störung bei der Entladung sind Gegenstand der E. Die wichtigsten hierher gehörigen Thatsachen finden sich in den Artikeln Elektrizität, Elektrisiermaschine, Influenzmaschine, Elektrometer, Elektrophor, Kondensator, Leidener Flasche u. a. besprochen. Da diese Erscheinungen in besonders hervorragender Weise von der durch Reibung erzeugten Elektrizität wegen der hohen Spannung, deren dieselbe fähig ist, dargeboten werden, könnte man die E. auch geradezu als die Lehre von der Reibungselektrizität bezeichnen. Der E. gegenübersteht der Galvanismus, die Lehre von der bewegten Elektrizität oder von den elektrischen Strömen, deren Hauptthatsachen in den Artikeln Galvanismus, Galvanische Batterie, Elektrodynamik, Induktion u. a. behandelt werden. Obgleich man die im galvanischen Strom fließende Elektrizität wohl auch als "dynamische" der "statischen" oder Reibungselektrizität gegenüberstellt, so braucht man doch den Ausdruck "Elektrodynamik" keineswegs im Gegensatz zu E., wie man dem Wortsinn nach erwarten sollte, sondern bezeichnet damit nur den besondern Teil der Lehre von der bewegten Elektrizität,