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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Elektrotonus - Elemente.

Elektrotonus, s. Nerven.

Elektrum (griech.), Bernstein; auch eine hellgelbe Goldsilberlegierung mit mehr als 20 Proz. Silber, welche sich in Kongsberg, Sibirien, Kolumbien findet; bei den Alten eine Legierung aus 80 Gold und 20 Silber, aus welcher Alexander Severus Münzen schlagen ließ; auch eine neusilberartige Legierung aus 8 Kupfer, 3,5 Zink und 4 Nickel, welche die bläuliche Farbe des hoch polierten Silbers besitzt und viel weniger als dieses anläuft.

Element (lat.), s. Elemente und Elementar. Oft s. v. w. galvanisches E., s. Galvanische Batterie.

Elementar (lat.), die Elemente, d. h. die Anfangsgründe des Wissens überhaupt oder einer bestimmten Wissenschaft, betreffend. Mit dem seiner Ableitung nach unsichern Wort eleménta (Einzahl eleméntum) übersetzten die Römer das griechische stoicheía (Einzahl stoicheíon), d. h. Buchstaben, Anfangsgründe, Grundbestandteile. E. heißt daher im Unterrichtswesen alles, was sich auf die Erlernung der Buchstaben oder der ersten Anfangsgründe des Wissens bezieht. Man spricht vom Elementarunterricht als dem ersten, grundlegenden Unterricht, von Elementarklassen, in denen jener Unterricht erteilt wird, von Elementarbüchern, die demselben zu Grunde gelegt werden. Im amtlichen Sprachgebrauch des preußischen Staats hießen auch die Volksschulen herkömmlich Elementarschulen, die an ihnen wirkenden Lehrer Elementarlehrer. Doch ist diese Bezeichnung jetzt fast verdrängt durch die entsprechenden deutschen Bezeichnungen. Dagegen ist noch in den gegenwärtig geltenden Anordnungen für das Gehaltswesen etc. an den höhern Unterrichtsanstalten der Amtstitel Elementarlehrer zum Unterschied von den wissenschaftlichen Lehrern für diejenigen seminarisch gebildeten Lehrer beibehalten, welche in den untern Klassen die Anfangsgründe der deutschen Sprache, des Rechnens etc. (Elementarfächer) zu lehren haben. Vgl. Elementarmethode und Elementarlehre.

Elementaranalyse, s. Analyse, S. 526.

Elementarassekuranz, die Versicherung gegen Verluste aus Elementarschäden (Feuer, Hagel, Explosion) im Gegensatz zur Lebens-, Unfall-, Kredit- etc. Versicherung.

Elementarbegriffe, in der kritischen Philosophie die Grund- und Stammbegriffe des Verstandes (s. Kategorie).

Elementargeister, nach dem mittelalterlichen Volksglauben die Geister, welche den "vier Elementen" vorstanden: Erdgeister oder Gnomen, Wassergeister oder Undinen, Luftgeister oder Sylphen und Feuergeister oder Salamander. Paracelsus hat eine eigne Abhandlung über sie geschrieben.

Elementarklasse, s. Elementar.

Elementarlehre, eigentlich Unterweisung in den Elementen oder Anfangsgründen einer Wissenschaft; dann im philosophischen Sprachgebrauch, namentlich bei Kant, die Darstellung der aus den Prinzipien einer Wissenschaft abgeleiteten Lehrsätze im Gegensatz zur Methodenlehre, welche die Regeln zur Behandlung und Anwendung der Lehrsätze gibt. So nennt z. B. Kant in der "Logik" die E. auch den dogmatischen, die Methodenlehre den technischen Teil und erklärt über den Unterschied beider (§ 96): "Wie die E. in der Logik die Elemente und Bedingungen der Vollkommenheit einer Erkenntnis zu ihrem Inhalt hat, so hat dagegen die allgemeine Methodenlehre, als der andre Teil der Logik, von der Form einer Wissenschaft überhaupt oder von der Art und Weise zu handeln, das Mannigfaltige der Erkenntnis zu einer Wissenschaft zu verknüpfen". Dem entsprechend handelt er in der "E." von den Begriffen, Urteilen und Schlüssen, in der "Methodenlehre" von der Definition und von der logischen Einteilung der Begriffe. Auch in der "Kritik der reinen Vernunft" kehrt die Unterscheidung der E. und der Methodenlehre wieder.

Elementarlehrer, Volksschullehrer oder Lehrer für die Unterklassen einer höhern Lehranstalt, der den Unterricht in den sogen. Elementarfächern, d. h. Lesen, Schreiben, Rechnen etc., oft auch zugleich als technischer Lehrer den Gesang- und Zeichenunterricht erteilt. Da diese Lehrer die Befähigung für den Unterricht an Volksschulen besitzen müssen, die der Regel nach in den Lehrerseminaren erworben wird, bezeichnet man als E. allgemein auch die seminarisch vorgebildeten Lehrer (Illitteraten) zum Unterschied von den akademisch gebildeten oder wissenschaftlichen Lehrern (Litteraten). Vgl. Elementar.

Elementarmethode (elementarische Methode), derjenige Lehrgang, welcher von den ersten Grundlagen der menschlichen Erkenntnis ausgeht; nach Pestalozzi dasjenige Lehrverfahren, welches in der Zerlegung zusammengesetzter Begriffe und Sätze, in der Veranschaulichung abstrakter Begriffe, in der Unterstützung des eignen Beobachtens und Nachdenkens der Schüler den Schwerpunkt der Lehrthätigkeit sieht. Für die Pflege einer gesunden E. in der Volksschule und im Jugendunterricht überhaupt ist unter den Nachfolgern Pestalozzis namentlich Diesterweg mit Erfolg eingetreten. Die wichtigste Forderung einer solchen ist, daß der Lehrer stets von Anschauungen ausgeht, die der Schüler entweder aus der Erfahrung bereits mitbringt, oder die er unter Leitung des Lehrers sammelt, und daß er im lückenlosen, naturgemäßen Fortschritt aus diesen Anschauungen Begriffe und Urteile entwickelt, daher die E. auch als elementarisch entwickelnde oder Methode der Anschauung (méthode intuitive) bezeichnet wird. Um die psychologische Begründung der E. nach ihrer Notwendigkeit und Eigentümlichkeit haben sich Herbart und seine Schüler das größte Verdienst erworben. S. Pädagogik.

Elementarorgane, in der Botanik s. v. w. Zellen.

Elementarschule, eigentlich Schule für den Elementarunterricht, gewöhnlich aber als gleichbedeutend mit Volksschule (s. d.) gebraucht. Im skandinavischen Norden nennt man die Gymnasien und Realschulen im Gegensatz zu den Universitäten Elementarschulen.

Elementarunterricht, s. Elementar.

Elementarwerk, s. Basedow.

Elemente, die Ur- oder Grundstoffe, aus welchen die zusammengesetzten Körper bestehen, und in welche sie zerlegt werden können, die aber selbst einer weitern Zerlegung nicht mehr fähig sind. Schon die alten Naturphilosophen von der ionischen Schule haben sich vielfach mit der Frage nach den Urstoffen beschäftigt und bald ein, bald mehrere E. als die letzten Bestandteile aller Dinge angenommen. Von größtem Einfluß auf die Naturanschauung vieler Jahrhunderte war die Lehre des Aristoteles von seinen vier Elementen: Wasser, Feuer, Luft und Erde, welche durch Zweijochung der Grundeigenschaften auf dem völlig prädikatlosen Urstoff entstehen (s. Chemie) und sich im populären Sprachgebrauch bis in die neueste Zeit erhalten haben. Die Chemiker aber haben besonders im Zeitalter der Alchimie vielfach sich bemüht, die Aristotelische Lehre auszubilden, und es bezeichnete einen tiefgreifenden Umschwung, als man endlich alle Spekulationen aufgab und als E. solche Körper auffaßte, welche durch keins der bekannten