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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Émail ombrant; Emanation; Emanieren; Emansor; Emanuel; Emanzipation

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Émail ombrant - Emanzipation.

kommt in drei Hauptformen vor: als Zellen- oder Kapselschmelz (Émail cloisonné), welches bereits den Ägyptern bekannt gewesen zu sein scheint, seit dem 6. Jahrh. hauptsächlich in Byzanz gepflegt wurde und bis auf unsre Tage in China und Japan im Gebrauch geblieben ist; als Gruben- oder Füllungsschmelz (Émail champlevé), welches sich an spätrömischen und keltischen Schmucksachen findet, am Rheine, namentlich in Köln, nachweislich schon im 11. Jahrh., in Frankreich (Limoges) in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. in Übung gekommen ist; als Limusiner oder Maleremail, welches in Limoges gegen Ende des 15. Jahrh. aufkam. Bei dem Zellenschmelz bilden aufgelötete Metalldrähte die Konturen, in die Zwischenräume werden die Emailfarben eingelassen; Hauptwerke: die Eiserne Krone in Monza (7. Jahrh.), das Antependium zu Sant' Ambrogio in Mailand von Volvinius (825), die Pala d'Oro in Venedig (10. Jahrh.), zahlreiche Reliquiarien, Buchdeckel etc.; in China und Japan vorzüglich Vasen aus Metall, Porzellan und Steingut. Bei dem Grubenschmelz wird die Zeichnung in die Metallfläche graviert (neuerdings auch gepreßt); in figuralen Bildern behielten häufig die Figuren die Metalloberfläche, während der umgebende Grund, die Ornamente etc. mit Emailfarben ausgefüllt wurden; Hauptwerke: ein Tragaltar von Eilbertus von Köln im Welfenschatz, das Reliquiar der heiligen drei Könige in Köln (12. Jahrh.), der Altaraufsatz von Meister Nikolaus von Verdun (1181) in Klosterneuburg. Bei der Limusiner E. bildet den Grund eine Lage schwarzen Emails, darauf wird weißes aufgetragen und in dieses Umrisse und Schatten graviert; später kolorierte man diese Malerei grau in grau noch mit durchsichtigen Schmelzfarben. Die Emailleure von Limoges: Penicaud, Limosin, Reymond, Courteys etc., lieferten Gefäße, aber auch Tafelmalereien, z. B. kleine Haus- und Reisealtäre; im 17. Jahrh. ging hieraus die von Jean Toutin erfundene, der Porzellanmalerei verwandte E. mit verglasbaren Farben auf weißem Schmelzgrund hervor, welche bis zu Anfang des 19. Jahrh. für Medaillons, Uhren etc. beliebt blieb. In Italien wurde im 14. Jahrh. das Opera di basso rilievo (Émail de bassetaille, Émail translucide sur relief) genannte Verfahren erfunden, in Gold gravierte Zeichnungen ganz mit durchsichtigem Email zu überziehen, ferner im 16. Jahrh. das mit eingeschmolzenen Goldornamenten übersäete sogen. venezianische Email. Auf Thon malten mit Emailfarben schon die Assyrer und Ägypter. Aus Persien und Arabien kam die Fabrikation schmaltierter Fliesen und Thongefäße nach Spanien, von dort über Majorca (daher "Majolika") nach Italien. Die Familien della Robbia in Florenz (15. Jahrh.), Hirschvogel in Nürnberg (15. und 16. Jahrh.) entwickelten diese Kunst in selbständiger Weise; in Frankreich brachte Bernard Palissy (gest. 1590) die Gefäße mit farbigen Reliefs auf. Proben von E. aus verschiedenen Epochen sind auf den Tafeln "Ornamente" II, Fig. 16, 17, 26, 27, III, Fig. 12, IV, 1, 2, 3, 5, und Tafel "Keramik", Fig. 4, 9, 12, abgebildet. - Auf Glas werden Emailfarben sowohl zur Bemalung von Gefäßen als von Tafelglas verwendet; die letztere Art bildet die eigentliche Glasmalerei. Vgl. J. ^[Jules] Labarte, Recherches sur la peinture en émail (Par. 1856); Derselbe, Histoire des arts industriels (2. Aufl., das. 1872-75, 3 Bde.); Bucher, Geschichte der technischen Künste, Bd. 1 (Stuttg. 1875); Hermann, Die Glas-, Porzellan- und E. (Wien 1882); Molinier, Dictionnaire des émailleurs (Par. 1884); Garnier, Histoire de la verrerie et de l'émaillerie (Tours 1886).

Émail ombrant, Émail de Rubelles (spr. emalj ongbrang, rübell), Geschirr mit Verzierungen, welche aus ungleich tief eingedrückten und mit halbdurchsichtiger Glasurmasse ausgefüllten Dessins bestehen.

Emanation (lat.), Ausfluß, insbesondere die stufenweise herabsteigende Ausströmung oder Entwickelung aller Dinge aus dem höchsten Wesen. Diese Ansicht vom Universum, wonach es ein notwendiger Ausfluß aus der göttlichen Fülle ist, das Emanationssystem (Emanatismus), stammt aus dem Orient, ist in die neuplatonische Philosophie übergegangen und wurde innerhalb des Christentums von den gnostischen Sekten ausgebildet (vgl. Aion). Der Ursprung des Bösen wird im Emanationssystem durch die Annahme erklärt, daß die Dinge notwendigerweise umso schlechter geworden seien, je mehr sie sich bei dem Ausströmen aus ihrem Urquell von diesem entfernt hätten. Auch die kabbalistische Philosophie hat sich das Emanationssystem angeeignet. - In Newtons Theorie vom Licht (s. d.) ist E. das Ausströmen der Lichtmaterie von den leuchtenden Körpern.

Emanieren (lat.), ausfließen, ausgehen; herrühren; ergehenlassen (z. B. Verordnungen).

Emansor (lat.), ein über die Urlaubszeit hinaus Ausbleibender.

Emanuel (hebr. Immanuel, s. v. w. Gott mit uns), König von Portugal, der Große oder der Glückliche genannt, geb. 31. Mai 1469, hieß vor seiner Thronbesteigung Herzog von Beja und bestieg nach seines Vetters und Schwagers. Johann II. Tod 1495 den portugiesischen Thron. Seine Regierung war eine glückliche und glänzende. Vielseitig begabt und gebildet, entfaltete E. eine große Thätigkeit. Sein Hof war eine Schule feiner Bildung und ritterlicher Sitte, ein Mittelpunkt für Kunst und Wissenschaft. Das Verhältnis Portugals zu Spanien gestaltete sich freundlich, indem E. die Infantin Isabella, die Tochter Ferdinands des Katholischen, nach deren Tod ihre Schwester Maria und in dritter Ehe deren Nichte Eleonore, Schwester Karls V., heiratete. Diese Verbindung mit Spanien veranlaßte aber auch in Portugal blutige Verfolgungen der Juden und Mauren, wie denn besonders in der Osterzeit 1506 (freilich gegen den Willen des Königs) Tausende hingeschlachtet wurden. Im Innern sorgte E. für gute Gesetze durch ein neues Gesetzbuch, für gute Rechtspflege wie für die Hebung der materiellen Interessen. Den größten Glanz verliehen aber seiner Regierung die Entdeckungsfahrten und Ländererwerbungen im Osten. Unter seiner Regierung umschiffte Vasco de Gama Afrika und entdeckte Cabral Brasilien. Durch Amerigo Vespucci ließ E. Brasilien näher untersuchen und die portugiesische Herrschaft daselbst befestigen und erweitern (1501-1504), und durch Vasco de Gama (1502), Pereira, Almeida und besonders durch den Helden Albuquerque wurden die neuen Erwerbungen in Ostindien nicht nur behauptet, sondern auch bis zu den molukkischen Inseln ausgedehnt, wodurch Portugal die bedeutendste Seemacht und Lissabon der erste Handelsplatz in Europa wurde. Emanuels Kriege gegen die Mauren in Afrika blieben ohne bedeutende Erfolge. E. starb 13. Dez. 1521. Seine Witwe heiratete später König Franz I. von Frankreich.

Emanzipation (lat.), die Entlassung eines Hauskindes aus der väterlichen Gewalt. Im ältern römischen Recht war hierzu bei Söhnen ein dreimaliger, bei Töchtern ein einmaliger Scheinverkauf (mancipatio) erforderlich und dann erst die förmliche Freilassung (manumissio) des Hauskindes zulässig, welch letzteres dadurch aus dem Kreis der durch dieselbe