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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Embarquieren - Embolie.

teilweise aufgegeben, wie denn z. B. im letzten deutsch-französischen Krieg durch Verordnung vom 18. Juli 1870 bestimmt ward, daß die französischen Handelsschiffe, wofern sie keine Kriegskonterbande führten, der Aufbringung und Wegnahme durch die Fahrzeuge der Bundeskriegsmarine nicht unterliegen sollten. Noch viel weniger kann aber alsdann die Beschlagnahme fremder Schiffe schon vor dem eigentlichen Ausbruch des Kriegs gebilligt werden. So wurde denn auch vor dem Ausbruch des orientalischen Kriegs den in englischen und französischen Häfen befindlichen russischen Schiffen eine Frist von sechs Wochen zum Auslaufen oder zur Heimkehr offen gelassen. Dagegen haben die Dänen im Krieg von 1864 das E. gegen preußische und österreichische Schiffe wieder zur Anwendung gebracht. Nach Seeassekuranzrecht ist übrigens der Versicherer für den durch etwaniges E. dem Versicherten zugefügten Schaden haftpflichtig, und das deutsche Handelsgesetzbuch (Art. 865) bestimmt, daß der Versicherte befugt sein soll, die Zahlung der vollen Versicherungssumme gegen Abtretung der in betreff des versicherten Gegenstandes ihm zustehenden Rechte zu verlangen, wenn das Schiff oder dessen Ladung unter E. gelegt ist (s. Abandon).

Embarquieren (franz., spr. angbarki-), einschiffen; sich in einen Handel einlassen; Embarquement, Einschiffung, Verladung von Waren.

Embarras (franz., spr. angbará), Verwirrung, Verlegenheit, worin man sich befindet, Ungelegenheit, die man einem verursacht; e. d'abondance, e. de richesse, durch Überfülle entstehende Verlegenheit oder Schwierigkeit der Auswahl; embarrassieren, versperren, hindern, in Verwirrung, Verlegenheit bringen; embarrassant, verwirrend.

Embaterien (griech.), Marschlieder, insbesondere die von Tyrtäos gedichteten anapästischen Gesänge, unter denen die Spartaner in die Schlacht zogen.

Embauchieren (franz., spr. angbosch-), listig anwerben, zum Überlaufen verleiten; Embaucheur, Falschwerber, Seelenverkäufer.

Embde, August von der, Maler, geb. 2. Dez. 1780 zu Kassel, besuchte seit seinem 19. Jahr die Akademien in Dresden, Düsseldorf und München, worauf er seinen bleibenden Aufenthalt in seiner Vaterstadt nahm. Hier schuf er eine Menge Bildnisse und porzellanartig gemalte Genrebilder, namentlich ländliche Szenen. Unter letztern fanden besonders sein hessisches Bauernmädchen mit Brief und Strauß, seine spielenden Kinder auf der Brandstätte des elterlichen Hauses (lithographiert von Santer), seine Mädchen am Brunnen (gestochen von Otto), sein Aschenbrödel in der Küche (lithographiert von Daniel und Fay) auf Kunstausstellungen Beifall. Er starb 10. Aug. 1862 in Kassel. - Seine beiden Töchter Emilie (geb. 10. Dez. 1816) und Karoline (geb. 31. Jan. 1812) widmeten sich ebenfalls der Porträt- und Genremalerei.

Embeguinieren (franz., spr. angbeki-), den Kopf mit einem Tuch umhüllen; einem etwas in den Kopf setzen.

Embelek, Stadt, s. Ambelakia.

Embellieren (franz., spr. angb-), verschönern; Embellissement, Verschönerung.

Emberiza, Ammer; Emberizinae, Ammern, Unterfamilie der Finken (Fringillidae); s. Ammer.

Embla ("Erle"), in der nord. Mythologie das erste Weib der Erde, Gattin des Ask (s. d.).

Emblem (griech.), eigentlich eingelegte Arbeit, daher bei den Alten Name von Werken der bildenden Kunst und zwar der Toreutik, die an silbernen, goldenen und ehernen Gefäßen angebracht und in späterer Zeit öfters abnehmbar waren. Die Embleme, bei den Römern auch Crustae genannt, waren gewöhnlich aus edlen Metallen gefertigt; daher ist E. auch s. v. w. Zierat überhaupt; ferner Sinnbild, Symbol, z. B. einer Gottheit, wie die Eule der Minerva, oder auch eines abstrakten Gedankens, wie der Ölzweig das E. des Friedens, der Lorbeer das des Ruhmes ist. Daher emblematisch, sinnbildlich; emblematisieren, durch Sinnbild darstellen.

Emblica Gärtn. (Amlabaum), Gattung aus der Familie der Euphorbiaceen mit der einzigen Art E. officinalis Gärtn. (Phyllanthus E. L.), einem 6-9 m hohen Baum in Ostindien, Kochinchina und China, mit schmalen, spitzigen Blättern und gehäuften, weißlichgelben, achselständigen Blüten, dessen Früchte, von der Größe einer kleinen Stachelbeere, sehr sauer sind, frisch und eingemacht gegessen werden und getrocknet, doch auch mit Zucker eingemacht unter dem Namen graue Myrobalanen nach Europa als Leckerei kommen, früher auch in den Apotheken gebräuchlich waren. Das Holz ist hart und wertvoll, die Rinde dient zum Gerben und Färben; in Travankor legt man Zweige des Baums ins Wasser, um dies zu reinigen und ihm einen angenehmen Geschmack zu erteilen.

Emboitieren (franz., spr. angboat-), einschachteln; Emboitement, Einschachtelung, auch von verschlungenem Satzbau, wo ein Satz in dem andern steckt, gebraucht.

Embolie (griech., v. embolos, "Keil, Pflock"), die Verschleppung fester Körper innerhalb der Gefäßröhren durch die Kraft des Blutstroms aus der einen Gefäßprovinz in eine andre, mehr oder minder entferne Gefäßprovinz des Körpers. Dieser merkwürdige Vorgang wurde in den Jahren 1845-47 von Virchow entdeckt und auch sogleich in seiner ganzen Tragweite für die gesamte Pathologie richtig erkannt. Virchow hat zunächst durch Versuche an Tieren festgestellt, daß in der That feste Körper der verschiedensten Art und von dem verschiedensten spezifischen Gewicht vom Blutstrom innerhalb der Blutgefäße verschleppt werden können. Kleine Kügelchen aus Holundermark, aus Wachs und Kautschuk, ferner Blut- und Faserstoffgerinnsel aus den Gefäßen getöteter Tiere und menschlicher Leichen werden ebenso sicher und leicht vom Blutstrom forttransportiert wie Quecksilberkügelchen und andre spezifisch schwere Körper. Der verschleppte Körper wird als Embolus, der Vorgang selbst als E. bezeichnet. Das größte praktische Interesse verdienen diejenigen Emboli, welche aus Blutgerinnsel (Thromben) bestehen. Man hat hier zwei wesentliche Verschiedenheiten zu unterscheiden, je nachdem die Quelle der E., d. h. die Stelle, an welcher das Gerinnsel in die Blutbahn eintritt, dem Venen- oder dem Arteriensystem angehört. Im ersten Fall bilden sich die Thromben 1) in der Nähe entzündeter Gewebsteile, z. B. eingeklemmter Brüche, an durchgelegenen Stellen, in der Umgebung von Wunden, in den Beckenorganen nach der Entbindung etc. oder 2) unter erschwertem Kreislauf des Bluts in erweiterten Venen (Krampfadern) oder bei herabgekommenen siechen Personen (marantische Thrombose). Im zweiten Fall geben fast immer Klappenfehler der linken Herzhälfte, selten Erkrankungen der Arterien selbst den Ausgangspunkt der Gerinnselbildung ab. Der Ort, wohin die Emboli durch den Blutstrom verbracht werden, ist von vornherein durch die anatomische Einrichtung des Gefäßsystems und die konstante Richtung des Blutstrums vorgezeichnet. Die aus den Venen