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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Embolisch - Embrun.

des großen Kreislaufs stammenden Emboli gelangen durch die Hohladern und durch die rechte Herzhälfte in die Lungenarterienäste, wo sie, vorzugsweise in den untern Lungenlappen, angehalten und durch den Druck des nachrückenden Bluts eingekeilt werden, sobald der Durchmesser des Embolus sich demjenigen des dadurch verstopften Gefäßlumens nähert. Die aus der linken Herzhälfte und den großen Körperarterien stammenden Emboli können nur in den Arterien des großen Kreislaufs angehalten werden. Besonders sind es die Milz- und Nierenarterie, die Schlagadern gewisser Gehirnprovinzen, seltener diejenigen des Auges, des Darms, der Leber oder der Extremitäten, welche auf dem Weg der E. verstopft werden, obgleich kein einziger Körperteil absolut sicher davor ist. Der Embolus verstopft das Gefäß, in welches er eingekeilt worden ist, mehr oder weniger vollständig, hemmt den Blutstrom in demselben oder hebt ihn vielmehr gewöhnlich ganz auf und vergrößert sich noch dadurch, daß neue Blut- und Faserstoffschichten sich auf demselben ablagern. In der Regel ist die Verstopfung des Gefäßes durch den Embolus eine dauernde, indessen kann letzterer auch später zerfallen und das bisher verstopfte Gefäß für den Blutstrom wieder durchgängig werden. Nächst den Blutgerinnseln, an welche man bei embolischer Verschleppung durch den Blutstrom immer zunächst zu denken hat, kommen Pfropfen mannigfacher Art vor. Es können z. B. bösartige Neubildungen, Krebse, Sarkome, Knorpelgeschwülste etc., welche in das Innere einer Vene hereingewachsen sind, bei geringster Bewegung, beim Stuhlgang, ja beim Aufrichten im Bett, losgerissen und bruchstückweise mit dem Blutstrom in entfernte Organe weggeführt werden, wo dann der Geschwulstembolus zu einer selbständigen metastatischen Geschwulst heranwachsen kann. Auch einzelne Zellen solcher Neubildungen können als Pfropfen weggeführt werden und auf diesem Weg die metastatische Verbreitung von Geschwülsten über den ganzen Körper vermitteln. Atmosphärische Luft, welche bei Gelegenheit einer Verwundung zufällig in die Venen übergetreten ist, flüssiges Fett aus gebrochenen Knochen, tierische Parasiten, welche zufällig in die Blutgefäße geraten sind (z. B. Echinokokken, Trichinen etc.), niederste Spaltpilze, welche sich (wie nicht selten) an den Herzklappen angesiedelt haben, alle diese Körper können gelegentlich die Rolle eines Embolus übernehmen. Die Folgen der E. sind sehr mannigfacher Art, sie hängen ab: 1) von der Größe des Pfropfens; 2) von der mechanischen und chemischen Besonderheit desselben oder, wie Virchow sich ausdrückt, von der Gutartigkeit oder der Bösartigkeit des Embolus; 3) von der Gefäßeinrichtung und der Lebenswichtigkeit des betroffenen Organs. - Fährt ein großer Pfropfen in die Lungenarterie oder in eine große Arterie des Gehirns, so kann augenblicklich der Tod, wie man sagt durch Schlagfluß, eintreten; eine Milz, ein Schenkel, ein Auge kann unter diesen Verhältnissen sofort gelähmt werden; da aber selbst bei ganz großen Pfropfen dieser Effekt nicht tödlich ist, so hängt in diesen Fällen ebenso wie bei kleinern Pfropfen, welche nur Teile eines Organs außer Zirkulation setzen, der Ausgang von der Beschaffenheit des Embolus ab. Bei gutartigen, d. h. im wesentlichen bei Pfropfen, welche nicht mit vermehrungsfähigen Bakterienkeimen verunreinigt sind, führt die E. zunächst zur Blutleere, dann zur Bildung "hämorrhagischer Infarkte", es erfolgt eine allmähliche blutige Infiltration der im Bereich der embolisierten Arterien gelegenen Organabschnitte; die mit Blut durchtränkten Teile sterben darauf gewöhnlich ab, schrumpfen langsam ein und hinterlassen zuletzt eine kleine Narbe. Wenn die Quelle des Embolus in der Nähe einer verjauchenden Wunde oder eines sonstigen Fäulnisherdes lag, so wird der Embolus in der Regel selbst faulige Eigenschaften annehmen. In diesem Fall ruft er an dem Ort, wohin er verschleppt worden ist, wiederum eine heftige Entzündung mit Eiterbildung und Übergang des Entzündungsherdes in Fäulnis oder fauligen Brand hervor. Auf dem angegebenen Umstand beruht die Bildung der metastatischen Abscesse bei der Pyämie oder der Eiter- und Jauchevergiftung des Bluts. Vgl. Virchow, Gesammelte Abhandlungen (Frankf. a. M. 1857); Cohnheim, Untersuchungen über die embolischen Prozesse (Berl. 1872). Vgl. auch Thrombose.

Embolisch (emboliform), zapfenförmig.

Embolismus (griech.), Einschaltung, insbesondere eine Nachschrift zu einem Brief, sofern dieselbe einen vom Hauptinhalt abweichenden Gegenstand zur Sprache bringt; dann der Schalttag im Kalender; auch das Gebet, das in der Messe zwischen das Paternoster und die Brotbrechung eingeschoben ist.

Embolus (griech.), Keil, Pflock, Zapfen; der eiserne Schnabel der griechischen Kriegsschiffe; in der Liturgie Bezeichnung der siebenten Bitte, weil sie alle andern Bitten einschließt. S. Embolie.

Embonpoint (franz., spr. angbongpoäng), Wohlbeleibtheit.

Embothrites Ung., vorweltliche Pflanzengattung aus der Familie der Proteaceen (s. d.).

Embouchieren (franz., spr. angbüsch-), ein Blasinstrument in Bezug auf den Ansatz handhaben, dasselbe einblasen; ein Pferd mit einem passenden Gebiß versehen. Embouchement (spr. -büsch'mang), der Ansatz beim Spiel von Blasinstrumenten; Embouchure (spr. -buschühr), Mundstück von Blasinstrumenten; Mündung eines Flusses, Hohlwegs, Geschützes etc.

Emboursieren (franz., spr. angburss-), einsacken.

Embranchieren (franz., spr. angbrangsch-), verzweigen; Hölzer durch Zapfen aneinander fügen; Straßen ineinander münden lassen. Embranchement, Verzweigung; Verbindung von Balken und Sparren mittels Zapfen; auch Kreuzweg; Zweigbahn.

Embrassieren (franz., spr. angb-), umarmen, umfassen; in der Kriegskunst s. v. w. zwischen zwei Feuer bringen; Embrassade od. Embrassement, Umarmung.

Embrochieren (franz., spr. angbrosch-), aufspießen, mit dem Degen etc.

Embrun (spr. angbrong), Arrondissementshauptstadt und Kriegsplatz dritter Klasse im franz. Departement Oberalpen, auf einem steilen Felshügel, den die Durance bespült, und am Fuß des 2544 m hohen Mont St.-Guillaume, hat eine schöne Kathedrale aus dem 10.-13. Jahrh. (mit einer im Mittelalter sehr verehrten Statue der heiligen Jungfrau und hohem gotischen Turm), andre alte interessante Gebäude, ein Zentralgefängnis (ehemals Jesuitenkollegium) und (1881) 3283 Einw., welche Seiden- und Wollweberei betreiben. Die Stadt hat ein Collège und eine wissenschaftliche Gesellschaft (Académie Flosalpine). Die Umgegend, gebirgig und waldreich, hieß früher Embrunois. - E., im Altertum Ebrodunum genannt, hatte schon 374 einen Bischof, ward im 9. Jahrh. zum Erzbistum erhoben und stand seit 1020 unter eignen Grafen; geschichtlich ist es durch mehrere Konzile merkwürdig. 1583 eroberten die Protestanten die Stadt, 1692 die Savoyer, welche sie aber bald wieder räumten. 1802 ward das Bistum aufgehoben. Vgl. Sauret, Essai historique sur la ville d'E. (Gap 1860).