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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Embryogenie; Embryoktonie; Embryologie; Embryonalhüllen; Embryonisch; Embryosack

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Embryogenie - Embryosack.

an aufwärts durch alle Klassen des Gewächsreichs ist ein solcher zu finden; es sind aber die Teile der Pflanzen, an denen er erzeugt wird, und die Bildungen, welche die aus ihm hervorgehende Generation darstellt, je nach Klassen verschieden (vgl. die Artikel: Moose, Farnkräuter, Equisetaceen, Lykopodiaceen, Selaginellen, Rhizokarpeen, Phanerogamen und Geschlechtsorgane der Pflanzen). Bei den Phanerogamen nimmt der E. meist eine zusammengesetzte Organisation an: er stellt die Anlage der zukünftigen Pflanze in ihren Hauptteilen dar; in dieser Form bildet er den Keim oder Keimling, der in allen reifen und normal gebildeten Samen vorhanden ist (vgl. Same). Die Bildung des Embryos bei den Blütenpflanzen beginnt nach geschehener Befruchtung mit der Umkleidung des Eies im Embryosack (s. d.) durch eine Zellstoffhaut. Die so gebildete Zelle verwächst mit der Haut des Embryosackes, verlängert sich und erfährt Querteilungen, durch welche ein Zellfaden, der sogen. Vorkeim, gebildet wird. Die oberste, kugelig abgerundete Zelle desselben wird zur Mutterzelle des Embryos, sie teilt sich zunächst durch meridional und äquatorial gerichtete Wände in vier Quadranten oder acht Oktanten, die dann durch weitere, bei den verschiedenen Embryonen vielfach variierende Teilungen meist in äußere Schalen- oder Hautzellen und innere Binnenzellen sich differenzieren. Unter lebhafter Zellvermehrung vergrößert sich der aus der Urzelle des Keims hervorgegangene Gewebekörper allmählich. Bei den Monokotylen wächst sein Scheitelteil direkt zu dem terminal stehenden ersten Blatt oder Kotyledon aus, an dessen Seite der Stammscheitel angelegt wird. Am E. der Dikotylen dagegen treten gleichzeitig zwei umfangreiche Höcker als Anlage der spätern Kotyledonen auf, zwischen denen die Vegetationsspitze des Stengels erscheint. Am hintern, dem Vorkeim zugekehrten Ende des Embryos liegt zwischen diesem und dem Vorkeim ursprünglich eine einzige Zelle, die Hypophyse, die durch weitere Teilungen das Gewebe der Wurzelspitze und die erste Schicht der Wurzelhaube erzeugt. Der ausgewachsene E. mancher Blütenpflanzen besitzt außer der Wurzelanlage und den Kotyledonen nur einen nackten Stammvegetationspunkt; öfters erzeugt letzterer einige Blattgebilde (die Plumula), wie bei der Bohne. Bei Schmarotzerpflanzen und auch bei den Orchideen bleibt jedoch der E. ein rundliches, wenigzelliges Körperchen, das keine Gliederung in Stamm, Blatt und Wurzel erkennen läßt.

Embryogenie (griech.), Entstehung und Entwickelung des Embryos.

Embryoktonie (griech.), Tötung der Leibesfrucht.

Embryologie (griech.), die Lehre von der Entwickelung des Embryos, s. Entwickelungsgeschichte.

Embryonalhüllen (Eihüllen), diejenigen Häute, welche den Embryo (s. d.) umgeben und beim Ausschlüpfen desselben gewöhnlich zerrissen werden. Man kennt sie bei vielen niedern Tieren (z. B. Insekten), ist jedoch über ihre Bedeutung für die Entwickelung des Embryos noch im unklaren. Sie finden sich ferner bei den Reptilien, Vögeln und Säugetieren (nicht aber bei Amphibien und Fischen) vor und sind namentlich bei letztern, speziell beim Menschen, von Wichtigkeit. Sie entstehen hier in folgender Weise. Das reife Ei der Säugetiere, etwa 0,2 mm groß, also mit bloßem Auge eben noch sichtbar, ist von einer dicken Hülle (Zona pellucida) umgeben, die jedoch schwindet, sobald es aus dem Eierstock in den Uterus (Gebärmutter) gelangt. In diesem setzt es sich an einer Stelle der Wandung fest und wird, beim Menschen wenigstens, sofort von der innersten Schicht dieser Wandung, der Schleimhaut, allseitig umwachsen, liegt also in einer Kapsel. Während des ersten Monats der Schwangerschaft läßt es sich aus derselben noch herausschälen, später verwächst es mit ihr (s. unten). Die Wände dieser Kapsel (die sogen. mütterlichen Eihüllen) werden, indem das Ei mit dem Embryo darin an Umfang zunimmt, immer mehr gedehnt und sind, wenn der Embryo gegen das Ende der Schwangerschaft den ganzen Uterus ausfüllt, sehr dünn. Das Ei selbst umkleidet sich, nachdem die Furchung abgelaufen ist, mit einer zelligen Haut, der Keimblase oder dem Blastoderm; aus diesem entsteht an einer Stelle der Embryo und zwar zunächst der Rückenteil desselben (s. Embryo). Dann erhebt sich am Schwanz- und Kopfende des Embryos je eine Falte; diese wachsen über den Embryo hin und verschmelzen miteinander, zugleich aber hebt sich die äußerste Schicht des Blastoderms vom Ei ab. Infolge hiervon sind nun zwei Hüllen (die sogen. embryonalen Eihüllen) vorhanden: eine äußere, das ganze Ei samt dem Embryo umgebende, die seröse Hülle (die äußerste Schicht der Keimblase), und eine innere, nur den Embryo umkleidende, das Amnion oder die Schafhaut. Letzteres liegt zunächst dem Embryo noch dicht an, füllt sich aber allmählich mit einer sowohl vom Embryo als auch von der Mutter gebildeten Flüssigkeit (Liquor amnii, Schafwasser, Fruchtwasser) und dehnt sich dadurch sehr aus. Die seröse Hülle, anfänglich glatt, treibt nach außen hin zottenartige Fortsätze. Inzwischen hat der rasch wachsende Embryo einen großen Teil des Eidotters bereits zu seiner Ausbildung verbraucht und hat aus seinem Darm heraus eine kleine Blase hervorgehen lassen, die Allantois (s. Tafel "Embryo"), deren Wandung gleich der Darmwand aus zwei Schichten, der innern drüsigen und der äußern muskulösen und gefäßhaltigen, besteht. Die Allantois (s. d.) erreicht bei weiterm Wachstum bald die seröse Hülle, breitet sich alsdann mit ihrer äußern Schicht längs derselben aus und wächst auch in die Zotten derselben hinein. Von nun an führt die seröse Hülle den Namen Chorion; ihre Zotten, in denen von der Allantois her zahlreiche Blutgefäße verbreitet sind, stoßen unmittelbar an die Wandung des Uterus an und verursachen in seiner Schleimhaut Grübchen. Ein Teil der Schleimhaut aber umwächst nun seinerseits die ihm zunächst befindlichen Chorionzotten mehr oder weniger fest und bildet in Gemeinschaft mit ihnen die Placenta oder den Mutterkuchen (s. d.). In spätern Embryonalstadien liegt das Amnion dem Chorion ziemlich dicht an und überzieht zugleich, wenn sich die Bauchwandung des Embryos bis auf den Nabel geschlossen hat, den von hier aus zur Placenta laufenden Nabelstrang (s. d.). Das Amnion der größern Säugetiere wird unter dem Namen Goldschlägerhäutchen zu technischen Zwecken benutzt. Das Fruchtwasser kann beim Menschen bis zu 2 kg betragen, enthält 1 Proz. oder mehr fester Stoffe und gleicht im allgemeinen verdünntem Blutserum.

Embryonisch, in der Art eines Embryos, noch unausgebildet, als Keim.

Embryosack, in der Botanik die Zelle der Samenknospe, innerhalb welcher bei den Blütenpflanzen das befruchtungsfähige Ei und aus diesem später der Embryo entsteht. Der E. geht aus einer Zelle im Gewebe der jungen Samenknospe (s. d.) hervor, welche unterhalb der Epidermis derselben am Schei-^[folgende Seite]