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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Enantiologie - Encina.

Enantiologie (griech.), Gegenrede, Widerspruch.

Enantiōsis (griech.), Gegensatz, Widerspruch.

Enantiotropie (griech.), s. Enantiodromie.

Enarea (Enarya, Inarya), Landschaft im S. von Abessinien, an Kaffa grenzend, mit dem Hauptort Saka. Sie umfaßt die Reiche von Limmu, Guma, Gomma und Dschimma Raka. E. ist ein Gebirgsland, dessen Berghügel bis 2500 m ansteigen, und wird bewohnt von den Sidama oder Södama, einem teils christlichen, teils noch heidnischen Gallastamm von heller Bronzefarbe und schlanker, gut gebildeter Gestalt, dessen Mädchen in den Harems der Amhariner, Türken und Araber sehr geschätzt sind. Erforscht wurde E. zuerst 1516 von dem portugiesischen Missionär Antonio Fernandez, in neuerer Zeit (1843 und 1845) von den Brüdern d'Abbadie und (1880 und 1881) von Cecchi und Chiarini. S. Karte "Ägypten".

Enaresee (Inari, sinn. Enareträsk), Landsee im Großfürstentum Finnland, im nördlichsten Teil des Gouvernements Uleåborg, 1421 qkm (25,8 QM.) groß, enthält unzählige meist kahle und felsige Inseln und Klippen und wird von einer Menge zum Teil ansehnlicher Zuflüsse gespeist, während sein eignes Wasser durch den Padsjoki in das Nördliche Eismeer abfließt. Zehn Monate im Jahr ist er mit Eis bedeckt. An dem südwestlichen Ufer des Sees liegt das Kirchspiel Enare, einer der Hauptorte der Kemi-Lappmark, von 600 Fischerlappen bewohnt.

Enargīe (griech.), Augenscheinlichkeit, Evidenz; enargisch, augenfällig, evident.

Enargīt, Mineral aus der Ordnung der Sulfosalze, kristallisiert rhombisch in gewöhnlich säulenförmigen Kristallen, häufiger derb in grobkörnigen oder stängeligen Aggregaten, ist eisenschwarz, halbmetallisch glänzend, Härte 3, spez. Gew. 4,36-4,47, besteht aus Schwefelkupfer und Schwefelarsen 3Cu2S+As2S5 ^[3Cu_{2}S+As_{2}S_{5}] mit 48,6 Kupfer und 18,28 Proz. Arsen; doch ist stets etwas Kupfer durch Zink und Eisen, etwas Arsen durch Antimon ersetzt. E. findet sich bei Brixlegg in Tirol, bei Parad in Ungarn, in Südcarolina, Kalifornien, Chile, Mexiko, in großer Menge in Peru und Argentinien.

Enarratīon (lat.), Erzählung.

Enarthrose (griech.), s. Gelenk.

En attendant (franz., spr. an-attangdang), in Erwartung, einstweilen.

Enault (spr. enoh), Louis, franz. Schriftsteller, geb. 1824 zu Isigny (Calvados), studierte in Paris die Rechte, durchwanderte dann in unermüdlicher Reiselust beinahe sämtliche Länder Europas, auch den Orient, und legte seine Beobachtungen in zahlreichen Reiseschilderungen nieder. Wir nennen davon: "Promenade en Belgique" (1852); "La Terre Samte" (1854); "Constantinople et la Turquie" (1855); "Voyage en Laponie et en Norvège" (1857); "La Méditerranée, ses îles et ses bords" (1862) und "L'Amérique centrale et méridionale" (1866). Daneben schrieb er eine Reihe vielgelesener Romane, die meist in den von ihm besuchten Gegenden spielen: "La vierge du Liban" (1858); "Alba, Nadèje" (1859); "Hermine" (1860); "Un amour en Laponie" (1861); "Pêle-mêle" (Novellen, 1862); "Olga" (1864); "Un drame intime" (1866); "Le roman dane veuve" (1867); "Frantz Muller, Axel, le rouet d'or" (Novellen, 1868); "Le secret de la confession" (1870); "La vie à deux" (1874) u. a. Mit Vanderheym gab er heraus: "Les diamants de la couronne" (1884). E. bethätigte sich auch als Übersetzer (z. B. von Goethes "Werther", 1855) und gehört zu den beliebtern Vertretern der Pariser Kunstkritik. - Nicht zu verwechseln mit ihm ist sein Vetter Etienne E., geb. 1818, ebenfalls Verfasser verschiedener Romane und Novellen: "La vallée des pervenches" (1847); "Le portefeuille du diable" (1859, 3 Bde.); "Le lac des cygnes" (1864); "Le roman d'une Altesse" (1866); "Histoire d'une conscience" (1876); "Mademoiselle de Champrosay" (1877); "Les jeunes filles de Paris" (1880) etc.

En avant (franz., spr. an-awāng), vorwärts!

En bloc (franz., spr. ang block), in Bausch und Bogen; in der parlamentarischen Sprache zur Bezeichnung der Annahme oder der Verwerfung von Gesetzen im ganzen, ohne Verbesserungen und ohne Zusätze, gebraucht.

En cabochon (franz., spr. -schóng, muschelig, mugelig) geschnitten heißt ein Edelstein, welcher eine flache und eine gegenüberliegende mehr oder weniger gewölbte Fläche oder zwei gewölbte Flächen besitzt. Bisweilen bringt man dabei auch eine oder mehrere Reihen von Facetten an. Am häufigsten werden Türkise und Opale auf diese Weise behandelt.

Encadrement (franz., spr. angkadr'māng), s. v. w. Einrahmung, Einfassung; vgl. Enkadrieren.

Enceinte (franz., spr. augssängt, "Umwallung, Umgürtung"), eine zusammenhängende, einen bestimmten Raum umgebende Kette von Festungswerken; Hauptenceinte, der Hauptwall, im Gegensatz zu vorliegenden Einzelwerken; Stadtenceinte, die Stadtbefestigung im Gegensatz zu detachierten Forts. Vgl. Festung.

Encephalītis (griech.), die eigentliche Gehirnentzündung; Encephalocele, Gehirnbruch; Encephaloid, Markschwamm; Encephalomalacie, Gehirnerweichung.

Enchainieren (franz., spr. angschän-), verketten, verknüpfen; Enchainement, Verkettung.

Enchantieren (franz., spr. angschangt-), bezaubern, entzücken; Enchantement, Bezauberung; Enchanteur, Zauberer; Enchanteresse, Zauberin.

Enchâssieren (franz., spr. angschāss-), einfassen, z. B. Edelsteine; Enchâssure (spr. -ssühr), Fassung von Edelsteinen, Perlen.

En chef (franz., spr. ang scheff), als Anführer, als Haupt; General en chef, s. v. w. kommandierender General, derjenige General, welcher die oberste Leitung eines Heeres hat.

Encheirēsis (griech., "Handhabung"), Behandlung. Handgriff bei Operationen.

Enchère (franz., spr. angschähr), höheres oder Übergebot für Waren, Aufstreich; encherieren, den Preis steigern, einen überbieten.

Enchiridĭon (Encheiridion, griech.), Handbuch, handliches Lehrbuch einer Wissenschaft.

Enchondrōm (griech.), s. Knorpelgeschwulst.

Encina (Enzina), Juan del, der Vater des spanischen Dramas, geboren um 1469 zu oder bei Salamanca, studierte hier, wurde dann Sekretär bei Don Fadrique de Toledo, erstem Herzog von Alba, begab sich später nach Rom und zeichnete sich hier als Dichter und Musiker so aus, daß er zum päpstlichen Kapellmeister ernannt und mit dem Priorat von Leon belehnt wurde. Im J. 1519 machte er eine Reise nach Jerusalem, lebte später wieder in seinem Vaterland und starb 1534 in Salamanca. Eine Sammlung seiner poetischen Werke gab er heraus unter dem Titel: "Cancionero" (Salamanca 1496 u. öfter; am vollständigsten, das. 1509), eingeleitet durch eine prosaische Abhandlung: "Arte de poesía castellana" oder "Arte de trobar", einen der ersten Versuche einer spanischen Poetik. Die lyrischen Gedichte sind geistlichen und