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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Endeavourstraße; Endecha; Endechrist; Endelave; Endemann; Endemīe; Endenich; Ender

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Endeavourstraße - Ender.

1878 zum Baurat ernannt, ist E. zugleich Vorsteher eines Meisterateliers an der Kunstakademie, Mitglied der Akademie für Bauwesen und Ehrenmitglied der Kunstakademien zu Wien und St. Petersburg. Mit der neuern Bauentwickelung Berlins, besonders in Bezug auf den Villen- und Palastbau, ist Endes Name eng verknüpft. In Gemeinschaft mit Wilhelm Böckmann erbaute er unter anderm das Rote Schloß, das Haus der Preußischen Bodenkreditgesellschaft, die Meininger Bank, die Tierhäuser im zoologischen Garten, die Häuser der Beuthstraße, die Loge Royal York, das Museum für Völkerkunde teils im Stil der italienischen, teils im Stil der deutschen Renaissance, stets mit Erfolg bestrebt, eine monumentale Wirkung zu erreichen. In der zweiten Konkurrenz um das deutsche Reichstagsgebäude erhielten E. und Böckmann einen dritten Preis.

Endeavourstraße (spr. endéww'r-), der südlichste Teil der Torresstraße, zwischen der Nordspitze Australiens und den Prince of Wales-Inseln, ist für große Schiffe unsicher, weshalb statt ihrer der Kanal der Prince of Wales-Inseln gewählt wird. Cook entdeckte die E. 1770 und benannte sie nach seinem Schiff.

Endecha (span., spr. -detscha), Klagelied, Totenklage, in der Regel aus vierzeiligen Stanzen bestehend.

Endechrist, s. Antichrist.

Endelave, dän. Eiland im Kattegat, zum jütländischen Amt Aarhus gehörig, 13 qkm, mit dem Kirchdorf E. und (1880) 650 Einw.

Endemann, Wilhelm, namhafter deutscher Rechtslehrer, geb. 24. April 1825 zu Marburg, studierte daselbst und in Heidelberg, trat 1846 in den kurhessischen Justizdienst, ward 1852 Unterstaatsanwalt in Rinteln, 1853 Justizamtsassessor in Fulda und 1856 Assessor bei dem dortigen Obergericht. Inzwischen hatte er sich durch verschiedene wertvolle rechtswissenschaftliche Abhandlungen bekannt gemacht, indem er namentlich für die Beseitigung der sogen. formellen Beweistheorie zu gunsten der materiellen, wonach die Prüfung des Beweisresultats im Zivilprozeß dem freien richterlichen Ermessen überlassen wird, mit Erfolg aufgetreten war. Eine Folge dieser litterarischen Thätigkeit war 1862 seine Berufung als ordentlicher Professor und Oberappellationsgerichtsrat nach Jena. 1867 als Reichstagsabgeordneter für Schwarzburg-Rudolstadt in die Bundeskommission für Ausarbeitung einer allgemeinen Zivilprozeßordnung gewählt, verlegte er bis Oktober 1870 seinen Wohnsitz nach Berlin, und im Herbst 1872 folgte er einer Einladung zur Teilnahme an dem internationalen statistischen Kongreß zu St. Petersburg. Auch gehörte E. während der Legislaturperiode von 1871 bis 1873 dem Reichstag als Abgeordneter für Eisenach an. 1876 wurde er als Professor an die Universität Bonn berufen, 1884 zum Geheimen Justizrat ernannt. Unter seinen zahlreichen und gediegenen Schriften sind hervorzuheben: "Die Beweislehre des Zivilprozesses" (Heidelb. 1860, 2 Abtlgn.); "Das deutsche Handelsrecht" (das. 1865, 3. Aufl. 1876); "Das deutsche Zivilprozeßrecht" (das. 1868); "Die Rechtshilfe im Norddeutschen Bund" (Berl. 1870); "Das Recht der Aktiengesellschaften" (Heidelb. 1873); "Studien in der romanisch-kanonistischen Wirtschafts- und Rechtslehre" (Berl. 1874-1883, 2 Bde.); "Der Markenschutz" (das. 1875); "Der deutsche Zivilprozeß" (das. 1878-79, 3 Bde.). 1881 begann er mit andern das groß angelegte "Handbuch des deutschen Handels-, See- und Wechselrechts".

Endemīe (griech., endemische Krankheiten, von endemos, "einheimisch"), Name solcher Krankheiten, welche an einem bestimmten Ort häufig vorkommen, daselbst gleichsam heimisch (endemisch) sind. Sowohl akute als chronische Krankheiten können als E. auftreten. Es liegen ihnen stets lokale Besonderheiten zu Grunde, welche bald in der Beschaffenheit des Bodens, des Wassers und der Luft, bald auf örtlichen Einrichtungen und Lebensgewohnheiten beruhen, bald auch die Folge einer gewissen abnormen Beschaffenheit wichtiger Lebensmittel der Bevölkerung sind. Der Boden kann insofern Ursache einer E. sein, als er Träger einer bestimmten Krankheitsursache ist. So ist es an manchen Orten mit dem Unterleibstyphus, ferner bei den verschiedenen Formen der Sumpf- und Wechselfieber, der Cholera, Pest, dem gelben Fieber der Fall. Die letztern Krankheiten waren anfänglich in einem mehr oder minder beschränkten Gebiet endemisch, haben sich aber später über die Grenzen dieses Gebiets hinaus in ausgedehnten Seuchenzügen verbreitet. Höchst wahrscheinlich gehören auch der Kretinismus und die Kropfkrankheit zu denjenigen Affektionen, welche vermöge einer gewissen Bodenbeschaffenheit endemisch sind. Durch gesundheitswidrige Einrichtungen verschiedener Art sind der Unterleibstyphus, die Tuberkulose und Skrofulose, die Rhachitis zu endemischen Krankheiten fast aller größern Städte geworden. Abnorme Beschaffenheit der Maisnahrung soll Ursache des Pellagra in Oberitalien sein. Die Trichinenkrankheit und Kriebelkrankheit, welche ebenfalls als endemische Krankheiten aufgetreten sind, beruhen auch auf abnormer Beschaffenheit der Nahrungsmittel. Verunreinigungen des Trinkwassers veranlassen an vielen Orten, zumal bei solchen, welche nicht an den Genuß dieses Wassers gewöhnt sind, endemische Magen- und Darmkatarrhe, selbst den Unterleibstyphus. Vgl. Hirsch, Handbuch der historisch-geographischen Pathologie (2. Aufl., Erlang. 1881 ff.).

Endenich, Pfarrdorf im preuß. Regierungsbezirk Köln, Kreis Bonn, zur Bürgermeisterei Poppelsdorf gehörig, mit (1880) 2720 meist kath. Einwohnern und einer Privatirrenanstalt, in welcher 1856 der Komponist R. Schumann starb. Dabei der Kreuzberg mit einer weithin sichtbaren Wallfahrtskirche.

Ender, 1) Johann, Maler, geb. 4. Nov. 1793 zu Wien, bildete sich an der dortigen Akademie. Sein Gemälde: Tod Mark Aurels erwarb ihm den Akademiepreis. Damals stand Isabey mit seinen trefflichen Miniaturporträten in größter Beliebtheit, und E. ahmte dessen Manier erfolgreich nach. Graf Stephan Széchényi nahm 1818 den Künstler auf einer Reise nach Griechenland und Italien mit, welche demselben wie nicht minder sein späterer Aufenthalt in Italien als Pensionär der Akademie 1820 reiches Bildungsmaterial zuführte. 1826 nach Wien zurückgekehrt, entfaltete er im Fach der Porträtmalerei und des Kupferstichs eine vielseitige Thätigkeit. Sein bestes Werk ist das Kreuzigungsbild in der Tyrnakapelle des Stephansdoms in Wien (1850-52). Er starb 16. März 1854 in Wien.

2) Thomas, Maler, des vorigen Zwillingsbruder, war Zögling der Wiener Akademie, nahm sich später hauptsächlich Claude Lorrain und Ruisdael zum Vorbild. Auf einer Reise nach Brasilien 1817 sammelte er 900 Zeichnungen, brachte sodann fünf Jahre als kaiserlicher Pensionär in Rom zu und bereiste auch Griechenland und Palästina. Von 1836 bis 1851 war er Professor der Landschaftsmalerei an der Wiener Akademie. Enders Landschaften zeigen eine tüchtige Beherrschung der technischen Mittel, entbehren jedoch der Stimmung. Er starb 28. Sept. 1875 in Wien.