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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: England

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England (Viehzucht).

methode hat in vielen Punkten Ähnlichkeit mit der von den alten Römern befolgten. In Wales herrscht Viehzucht vor.

Unter den verschiedenen Wirtschaftsmethoden sind die Koppelwirtschaft (Gras auf zwei, fünf oder mehr Jahre, dann Weizen und Gemüse), die Dreifelderwirtschaft (grüne Frucht oder Brache zwischen je zwei Körnersaaten) und Fruchtwechselwirtschaft am gebräuchlichsten. Die einzelnen Felder werden häufig durch Hecken mit zahlreichen Bäumen getrennt, was zwar der Gegend ein liebliches Aussehen gibt, aber dem Ackerbau nicht gerade förderlich ist. Ochsen werden nur im westlichen E. vor den Pflug gespannt. Maschinen, einschließlich Dampfpflüge, sind jetzt allgemein eingeführt, und an ihrer Vervollkommnung wird fortwährend gearbeitet. Unter allen Getreidearten ist der Weizen die wichtigste. Er wird namentlich in den südöstlichen Grafschaften angebaut und liefert einen Ertrag von 58 hl pro Hektar. Gerste wird in Wales und dem nordöstlichen E. teilweise noch als Brotfrucht verwandt. Hafer kommt mehr im N. als im S. vor. Roggen ist selten. Auch Kartoffeln werden nur in beschränktem Maß angebaut und gedeihen am besten in Cheshire und Lancashire, wo 4-5 Ton. pro Hektar erzielt werden. Unter den übrigen Feldfrüchten sind die weißen und schwedischen Rüben (Turnips) sowie im allgemeinen die als Viehfutter gebauten Pflanzen (Klee, Esparsette) die wichtigsten. Runkelrüben werden fast nur in Suffolk gebaut, wo (in Lavenham) eine Rübenzuckerfabrik besteht. Erbsen und Bohnen gehören zu den gewöhnlichsten Feldfrüchten. Obstbau ist im W. und SW. am ausgedehntesten, beschränkt sich aber meistens auf Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen, da die feinern Obstsorten einer größern Sommerhitze bedürfen, als ihnen in der Regel in E. zu teil wird, während der milde Winter es erlaubt, viele Bäume des Südens im Freien zu ziehen, welche auf dem Festland unter gleicher Breite in Häusern überwintert werden müssen. Vorzügliches Obst jeder Art und vorzüglichster Qualität liefern indes die zahlreichen Treibhäuser. Weintrauben reifen in der Breite Londons auch im Freien. Unter den Handelspflanzen nimmt Hopfen den vornehmsten Rang ein. Man baut ihn namentlich in Kent, Surrey, Sussex, Herefordshire und Hampshire. Von andern Kulturpflanzen erwähnen wir den Flachs, den Raps (namentlich in Yorkshire und Lincolnshire für Ölbereitung, im S. als Futter für Schafe), Safflor (bei Saffron Walden in Essex), Koriander, Kümmel und Kardendisteln (in Essex), Krapp und Waid (in Surrey und Kent), Senf (bei Wisbeach), Fenchel (in Derbyshire) etc.

Über die Verteilung des Bodens von E. und Wales nach Kulturarten gibt folgende Tabelle Aufschluß:

Kulturarten Tausende von Hektaren 1872 1885 Prozente 1872 1885

Korn und Hülsenfrüchte 3293 2841 21,85 18,85

Rüben, Gemüse, Kartoffeln etc. 1180 3208 7,83 21,29

Flachs 6 1 0,04 0,01

Hopfen 25 29 0,17 0,19

Klee und Gras 1292 1243 8,57 8,25

Brachland 251 217 1,67 1,44

Wiesen 4663 6079 30,94 40,34

Wald 588 635 3,90 4,21

Heide, Unland etc. 3772 817 25,03 5,42

Zusammen: 15070 15070 100 100

Diese Zusammenstellung zeigt recht deutlich, wie sehr die Viehzucht auf Kosten des Landbaues zugenommen hat; sie beweist aber auch, daß große Strecken Heidelandes der Landwirtschaft gewonnen sind.

Viehzucht.

Die Viehzucht Englands hat einen hohen Grad der Vervollkommnung erreicht. Man züchtet dieselben Tiere wie auf dem Kontinent. Unter den Pferden stehen die Rennpferde (race horses) obenan, welche in gerader Linie von Arabern, Persern und Berbern abstammen und vielfach zur Veredelung der andern Rassen benutzt werden. Der große Schlag von schwarzen Pferden, welche in Northamptonshire und Leicestershire gezüchtet werden, stammt ursprünglich aus Flandern; die Füchse von Cleveland werden besonders als Wagen- und Reitpferde geschätzt. Suffolk sowohl als Clydesdale in Schottland liefern kleine, aber ausdauernde Ackerpferde, Wales Ponies. Der während der letzten Jahre entstandenen Pferdenot ist durch Einfuhr zahlreicher normännischer Pferde (aus Frankreich) abgeholfen worden. Von Rindern unterscheidet man vier Hauptrassen. Die Rinder von Devonshire, mit Hörnern mittlerer Länge, sind rotbraun, haben kurzes, krauses Haar und dicke Haut. Sie liefern gutes Fleisch, eignen sich aber weniger zur Milchwirtschaft. Die Rinder von Hereford, Gloucestershire und Sussex stammen von ihnen ab. Die Kurzhörner (shorthorns) von Holderneß, Teeswater und Northumberland liefern vorzügliches Fleisch und reichliche Milch. Die Rinder von Lancashire, mit ungewöhnlich langen Hörnern, sollen ursprünglich aus Irland stammen. Die Rinder von Suffolk stammen von denjenigen Galloways ab, haben gar keine Hörner, sind meist schwarz oder gefleckt, liefern vorzügliches Fleisch und wenig, aber gute Milch. Die beste Butter kommt aus Cambridge, Suffolk, Yorkshire, Somerset, Gloucester, Devon und Oxford. Die großen, runden, 10-40 kg schweren Käse kommen aus Cheshire und Gloucester; Stilton, der beste Käse Englands, aus Leicester. Bei der Schafzucht wird weniger auf die Erzeugung von guter Wolle als von gutem Fleisch gesehen. Man unterscheidet langwollige Schafe, ohne Hörner, und kurzwollige Schafe. Erstere züchtet man namentlich in Teeswater, Lincoln und Leicester. Zu letztern gehören die Schafe der Downs im S. und die Heideschafe mit schwarzen, die Bergschafe mit schwarzbraunen Gesichtern im N. Die Schweine von Berkshire, Gloucester, Hereford und Rudgwick sind groß, die von Suffolk klein. Die besten Schinken liefern Yorkshire und Westmoreland, den besten Speck Wilts, Hants und Berks. Ziegen sind selten, dagegen Federvieh überall verbreitet. Berühmt sind die Hühner von Dorking, Sussex und Berks, die Gänse aus den Fens von Lincoln und die Truthähne aus Norfolk und Suffolk. Die Bienenzucht ist nur unbedeutend. Der Viehstand war:

1868 1872 1879 1885

Acker- u. Zuchtpferde - 1080814 1237098 1220497

Rindvieh 4372054 4504399 4772755 5421960

Schafe 23599284 20779048 21318982 19577437

Schweine 2168925 2585829 1963838 2252396

Mit Fischfang beschäftigten sich 1881: 29,696 Personen, und infolge der für den Schutz der Fischereien erlassenen Gesetze hat sich der Ertrag während der letzten Jahre bedeutend gehoben. Unter den Flußfischen nehmen die Forellen den ersten Rang ein. Yarmouth ist der wichtigste Hafen für den englischen Heringsfang; Makrelen kommen namentlich an den südlichen und südöstlichen Küsten vor; der Pilchard (ein delikater, der Sardelle ähnlicher Fisch) findet sich