Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: England

638

England (Bergbau und Hüttenwesen).

nur an den Küsten von Cornwall und Devon. Kabeljaue, Lenge und Rotaugen (hakes) werden meist an der Ostküste gefangen. Die besten Austern findet man an den Küsten von Essex und Kent (Whitstable), in Pool Harbour, an der Südküste von Wales und an der Merseymündung. Hummern sind am zahlreichsten an der Küste von Yorkshire.

Von Forstwirtschaft kann in E. kaum die Rede sein, selbst in den ausgedehnten, 25,800 Hektar großen Kronforsten nicht, in welchen fast nur Eichen wachsen. E. liefert indes mehr Nutzholz, als man bei der geringen Ausdehnung seiner Wälder denken sollte, da zahlreiche Bäume auf Feldern und Wiesen zerstreut stehen. Hochwild wird nur in den Parken gehegt, Kaninchen werden vielfach gezüchtet, und Vogelwild (durch Gesetze geschützt) ist über das ganze Land verbreitet; namentlich aber bilden die Moore oder Heiden im N. beliebte Jagdreviere.

Unter den Vereinen, welche sich um die Hebung der Landwirtschaft verdient gemacht haben, steht die 1838 gegründete Royal Agricultural Society obenan. Sie veranstaltet jährlich eine große Ausstellung. Neben ihr bestehen fast in jeder Grafschaft landwirtschaftliche Vereine, und der Smithfield Cattle Club erteilt Preise für das beste Schlachtvieh. Von Privaten angelegte Musterwirtschaften ersetzen teilweise die mangelnden Ackerbauschulen.

Bergbau und Hüttenwesen, Erden etc.

Bergbau und Hüttenwesen sind für E. von hervorragender Bedeutung. Im J. 1881 arbeiteten in den Bergwerken 441,272, in Steinbrüchen 43,770, in Thongruben etc. 8390 Menschen, und 1884 wurden 168,942,559 Ton. Erze, Steinkohlen, Salze, Erden etc. im Wert von 47,487,217 Pfd. Sterl. zu Tage gefördert, ungerechnet Schiefer und Bausteine im Wert von 8,707,609 Pfd. Sterl., wobei zu bemerken ist, daß die Erhebungen keineswegs erschöpfend waren. Für das Jahr 1884 waren die Hauptprodukte (für E. und Wales):

Tonnen Wert in Pfd. Sterl.

Steinkohlen 139448660 38504885

Eisenerze 24471623 6190999

Zinkerze 25516 73950

Bleierze 49695 363870

Kupfererze 42021 111614

Zinnerze 15117 669254

Andre Erze 122133 84648

Salz 2308498 666234

Thon 2222011 609830

Verschiedenes 237285 211933

Zusammen: 168942559 47487217

Die Mineralschätze Englands liegen fast sämtlich im W. einer von der Insel Portland über Rugby nach Hartlepool gezogenen Linie. Der Reichtum an Steinkohlen ist für E. wichtiger als für viele andre Länder, denn bei seiner dichten Bevölkerung würden die Wälder auch bei der besten Bewirtschaftung nicht im stande sein, das nötige Brennholz zu liefern, und die vorteilhafte Ausbeutung der Eisenerze und der Betrieb einer großartigen Industrie werden nur durch Steinkohlen möglich gemacht. Die ergiebigsten Kohlenfelder sind jene von Durham und Northumberland (1160 qkm), Yorkshire und Derbyshire (1980 qkm), Lancashire (570 qkm), Südwales (2330 qkm) und Südstaffordshire (248 qkm). Außerdem werden im nördlichen Staffordshire, in Cumberland, Nordwales (Denbigh und Flint), Leicestershire, Somersetshire, Shropshire (Coalbrookdale), Monmouthshire (Forest of Dean) und Warwickshire Kohlen gewonnen. Anthracit findet sich namentlich im Kohlenfeld von Südwales. Braunkohle (Lignit) kommt nur in Devonshire und an der Küste von Dorsetshire vor. Newcastle betrieb bereits im 13. Jahrh. einigen Handel mit Steinkohlen; doch dauerte es lange, bis sich das neue Brennmaterial in allen Teilen des Landes einbürgerte. In jüngster Zeit ist der Verbrauch ungemein gestiegen. Im J. 1845 wurden kaum über 30 Mill. Ton. gefördert, 1860: 69 Mill., 1872: 94 Mill. und 1884: 139½ Mill. T. Hull nimmt an, daß die Kohlenlager Englands bis zu einer Tiefe von 1300 m etwa 59,000 Mill. T. bergen, und sie würden daher bei der jetzigen Ausbeute in 400-500 Jahren erschöpft sein.

Nächst den Kohlen bildet Eisen den wichtigsten Gegenstand des Bergbaues. Als Thoneisenstein findet es sich in Verbindung mit Kohlenlagern in Südwales und Staffordshire (dem ältesten Sitz der Eisenindustrie in E.), außerdem namentlich in Cleveland (Yorkshire), als Roteisenstein in Nord-Lancashire (Barrow in Furneß) und in Cumberland, als Brauneisenstein in Northampton, Bedford und Lincoln etc. Schon von den Römern wurde im Forest of Dean und anderswo Eisen gewonnen; aber erst in jüngster Zeit, seit Einführung des vom Grafen Dudley bereits 1619 erfundenen Verfahrens, Eisenerze mit Hilfe der Steinkohlen zu schmelzen, hat sich die Eisenproduktion Englands gehoben. Im J. 1740 wurden erst 17,000 T. Roheisen gewonnen, 1796 bereits 125,000 T., 1820: 400,000, 1860: 2,890,000, 1872: 4,700,000, 1882: 8,493,387, 1884: 6,823,727 T. Die bedeutendsten Eisenhütten liegen in Yorkshire, Cumberland, Durham, Lancashire und Südwales. Von 764 Hochöfen waren jedoch 1884 nur 378 in Thätigkeit. Zinn kommt nur in Cornwall und Devonshire vor und wurde schon durch die Phöniker von hier ausgeführt. Der Betrieb der Gruben wurde durch deutsche Bergleute, welche zur Zeit der Königin Elisabeth ins Land kamen, wesentlich verbessert. Der Ertrag war 1750: 2876 T., 1830: 4444, 1850: 10,462, 1872: 9560, 1884: 9574 T. Blei wird in Derbyshire seit den Zeiten der Römer gewonnen, im 13. Jahrh. wurde es auch in Wales und später an andern Orten entdeckt. Die ergiebigsten Bleigruben liegen im westlichen Durham, in Northumberland (Allendale), Yorkshire, Cumberland (Alston Moor), im High Peak Derbyshires, in Flintshire, Shropshire, Südwales (Cardigan und Montgomery). Die Bleierze sind häufig silberhaltig, und Erze mit gediegenem Silber kommen in Cornwall und Cheshire vor. Der Ertrag an Blei belief sich 1860 auf 58,000 T., 1872 auf 55,000, 1884 auf 39,700 T. Der Wert des gewonnenen Silbers ist bedeutenden Schwankungen unterworfen und belief sich 1884 auf 68,731 Pfd. Sterl. Kupfererze kommen hauptsächlich in Cornwall und Devon vor, dann in Anglesey, Carnarvon, Cardigan etc. Der Ertrag ist bedeutenden Schwankungen unterworfen gewesen; er erreichte 1860 mit 15,968 T. seinen Höhepunkt und hat seitdem langsam, aber stetig abgenommen (1884: 3342 T.). Die in Cornwall und Devonshire gewonnenen Erze werden wegen Kohlenmangels nach den Schmelzöfen von Südwales verschifft. Zinkerze werden namentlich in Cornwall, Denbigh, Cardigan, Cumberland und Flint gewonnen. Der Ertrag belief sich 1884 auf 9918 T. Zink. Im Vergleich mit den genannten sind alle andern Metalle von sehr untergeordneter Bedeutung. Gold ist zwar an verschiedenen Orten (Cornwall, Wales) aufgefunden worden, aber in zu geringen Quantitäten, um die Gewinnung desselben zu lohnen; indes wurde 1862, in dem ergiebigsten Jahr,