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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eosin; Eostre; Eötvös; Eozoische Formationsgruppe; Eozōon

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Eosin - Eozoon.

Verschwendung den berühmten Merianschen Verlag ruiniert hatte, trat er in kursächsische Dienste und starb 1729 als Generalleutnant in Dresden.

Eosin, Farbstoff, s. Fluorescein.

Eostre, Göttin, s. Ostara.

Eötvös (spr. öttwösch), Joseph, Baron, ungar. Schriftsteller und Staatsmann, geb. 13. Sept. 1813 zu Ofen, machte 1825-31 in Pest philosophische und juristische Studien, ward 1834 Vizenotar des Weißenburger Komitats, 1835 Konzipist bei der ungarischen Hofkanzlei und 1837 Distriktsassessor zu Eperies, widmete sich aber bald darauf ausschließlich der Litteratur. Seit 1830 schon veröffentlichte er mehreres Poetische, namentlich die Lustspiele: "Kritikusok" und "Hazasulok" und die Tragödie "Boszú", die von einer ungewöhnlichen Begabung zeugten. Nachdem er auf ausgedehnten Reisen den höhern Kulturzustand Mittel- und Westeuropas kennen gelernt hatte, schloß er sich nach seiner Heimkehr der jungmagyarischen Reformpartei an, welche sich eine durchgreifende Umgestaltung der ungarischen Verhältnisse zum Ziel gesteckt hatte. In den Reihen dieser Partei kämpfte er für Beschränkung der Munizipalgewalten und ihrer veralteten Gerechtsame, für die Kräftigung der Zentralgewalt, für die Verbesserung der Zivil- und Kriminalgesetzgebung, für Gleichstellung der Nationalitäten und Konfessionen. In dieser Richtung waren namentlich sein Buch über "Gefängnisreform" (Pest 1838), die für Kossuth in seinem Kampf gegen Széchényi veröffentlichte Schrift "Kelet népe és a Pesti hirlap" (das. 1841), seine unter dem Titel: "Reform" (Leipz. 1846) veröffentlichten Artikel im "Pesti Hirlap" und seine Kulturromane: "Die Kartäuser" (Pest 1838-41), "Falusi jegyzö", "Der Dorfnotar" (das. 1844-46, 3 Bde.), worin das ungarische Komitatsleben der Gegenwart geschildert ist, und "Ungarn 1514" (das. 1847-48, 3 Bde.; deutsch, das. 1850), worin er den Dosaschen Bauernaufstand von 1514 mit meisterhafter Treue und Lebensfrische schildert, von folgenreicher Wirkung. Nachdem die Märzrevolution 1848 seine Partei ans Ruder gebracht hatte, trat E. als Kultus- und Unterrichtsminister in das neue ungarische Kabinett (Batthyány), sah sich aber durch die Ultramontanen in der Durchführung seiner Pläne zur Hebung des Unterrichtswesens mannigfach gehemmt und nahm bei Ausbruch der Septemberrevolution seine Entlassung. Er begab sich nach München, wo er in Zurückgezogenheit litterarischen Studien lebte und die Ausarbeitung seines bedeutendsten Werkes "Der Einfluß der herrschenden Ideen des 19. Jahrhunderts auf den Staat" (ungar., Pest u. Wien 1851-54, 2 Bde.; deutsch, Wien u. Leipz. 1851-54, 2 Bde.), begann. E. suchte darin insbesondere die Notwendigkeit einer allseitigen Beschränkung, namentlich in Bezug auf die Forderungen der Freiheit, Gleichheit und Nationalität, darzuthun und sprach sich in demselben ausgleichenden und versöhnenden Sinn auch in einer kleinern Schrift: "Die Gleichberechtigung der Nationalitäten" (2. Aufl., Wien 1851), aus. Indessen fand er mit diesen seinen Ansichten bei seinen Landsleuten (er war 1851 nach Ungarn zurückgekehrt) nicht sofort den gewünschten Anklang, und die wiederholten Abweisungen, welche die von ihm geführte Partei mit ihren Ausgleichungsvorschlagen in Wien erfuhr, machten ihm seinen Standpunkt den unversöhnlichen Autonomisten gegenüber immer schwieriger. Während dieser Zeit veröffentlichte er seine Schrift "Die Garantien der Macht und Einheit Österreichs" (1.-4. Aufl., Leipz. 1859), worin er für die Pflege des ständischen Elements und Wiederherstellung der Provinzialverfassungen in den österreichischen Staaten auftrat. Als es später Franz Deák endlich gelang, den Ausgleich zwischen Ungarn und der kaiserlichen Regierung zu stande zu bringen, schloß sich ihm E. freudig an, wirkte auf dem wieder zusammengetretenen ungarischen Landtag mit allem Eifer für die Durchführung desselben und trat nach deren Vollendung im Februar 1867 zum zweitenmal als Kultus- und Unterrichtsminister unter Andrássy in das ungarische Kabinett. Fortan war sein eifrigstes Bemühen der Hebung des Schulwesens gewidmet, die er durch die energischten und glücklichsten Maßregeln, wie Einführung des Schulzwanges, Erklärung der Volksschule zur Gemeindeanstalt, Verbannung des Konfessionalismus, Gründung von Lehrerbildungsanstalten, pädagogischen Vereinen, Bibliotheken etc., zu bewerkstelligen wußte. Auch die Mittelschulen und die Pester Universität gedachte er in den Kreis seiner Reformen zu ziehen, als ein plötzlicher Tod 3. Febr. 1871 seinem segensreichen Wirken ein Ziel setzte. Das von ihm entworfene Religionsgesetz, das allen Staatsbürgern das Recht freier Religionsübung gewährleistet, trat erst nach seinem Tod in Kraft. E. war seit 1856 zweiter, seit 1866 erster Präsident der von ihm neuorganisierten ungarischen Akademie und bis an seinen Tod ein treuer Anhänger und Förderer der Wissenschaft. Als Redner besaß er eine glänzende Begabung, die ihn in der parlamentarischen Debatte ebenso bewundert wie gefürchtet machte. Seine Romane erschienen mehrfach deutsch, zuletzt Wien 1872-78, 6 Bde. Sein Denkmal wurde 25. Mai 1879 in Budapest enthüllt.

Eozoische Formationsgruppe, s. v. w. archäische Formationsgruppe; unter der Voraussetzung, daß das Eozoon wirklich der Rest eines Organismus ist, im Gegensatz zu der sonst üblichen Bezeichnung azoische Formationsgruppe gewählt.

Eozōon, angeblich eine fossile Tiergattung aus der Gruppe der Wurzelfüßer und zwar aus der gekammerten Abteilung derselben. Die kleinen Kammern, durch Kalkwände getrennt, aber durch feine Poren verbunden, sind in spiralen Linien angeordnet, ihre Hohlräume sind von Serpentin erfüllt, daher man durch Wegätzen des Kalkes einen "Steinkern", aus zahlreichen Kügelchen mit ihren feinen Verbindungen bestehend, isolieren kann. Die Größe des Ganzen kann bis über 30 Kubikdezimeter betragen, ist also für solche Foraminiferen riesenhaft; dabei wird die Anordnung der Kammern nach außen unregelmäßiger. Die Entdeckung des E. in Gesteinen der Gneisformation von Kanada durch Logan 1859 machte großes Aufsehen. Dawson und Carpenter beschrieben dasselbe 1865; nannten es E. canadense und erklärten es für das älteste Tier der Erde (E. griech. s. v. w. Geschöpf des Tagens, d. h. des Weltanfangs). In Europa sprachen sich Gümbel, v. Hochstetter, Frič in Prag und Pysurewski für die animale Natur des E. aus, und erstere drei wiesen es an mehreren Punkten des böhmisch-bayrischen Gneisgebiets, letzterer in Finnland nach. King, Rowney, Zirkel u. a. bestreiten wohl mit Recht die organische Natur des E. und namentlich Möbius hat in einem umfassenden Werk ("Der Bau des E. canadense", Kassel 1878) alles zusammengestellt, was die Ansicht wahrscheinlich macht, daß es sich nur um eine Struktur (eozonale Struktur) handelt, welche überall auftreten kann, wo Serpentinkörnchen in Kalken eingelagert sind. In der T. hat ist die Erscheinung nicht auf Gesteine der Gneisformation beschränkt, sondern auch im Silur von Irland, im Zechstein von