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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ephesische Buchstaben; Ephesos; Epheten; Epheu; Ephialtes; Ephiáltes

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Ephesische Buchstaben - Ephialtes.

zu Ephesos, an welchem nur Männer, unverheiratete Weiber und Sklavinnen Zutritt in den Tempel hatten.

Ephesische Buchstaben, im Altertum gewisse rätselhafte Formeln, welche am Bilde der ephesischen Artemis gestanden und, als Amulett getragen, die Wirkung von Zaubersprüchen haben sollten.

Ephesos, im Altertum eine der ionischen Zwölfstädte in Kleinasien und Mittelpunkt des vorderasiatischen Handels, lag in der überaus fruchtbaren Ebene des Kaystros, unweit dessen Mündung (s. Plan), hatte einen geräumigen Hafen und eine Citadelle auf dem Berg Pion und war besonders berühmt durch den zu den Wunderwerken der Welt gezählten, nordöstlich von der Stadt und dem Pion beim heutigen Dorf Ajasuuk gelegenen Tempel der ephesischen Artemis (Artemision), dessen Bau im 6. Jahrh. v. Chr. von dem kretischen Baumeister Chersiphron begonnen, aber erst um 540 durch Demetrios und Päonios von E. vollendet ward. Der Tempel war ein Dipteros von kolossalen Dimensionen; seine Länge betrug 133 m, die Breite 69 m; 128 Säulen ionischer Ordnung, jede 19 m hoch, stützten ihn; die einzelnen Architravbalken hatten eine Länge von über 9 m, so daß mit großer Vorsicht besondere Vorkehrungen getroffen werden mußten, um die gewaltigen Marmorblöcke an Ort und Stelle zu schaffen. Nachdem der Tempel 356 durch Herostratos in Brand gesteckt worden war, wurde er prächtiger als zuvor unter des Deinokrates Leitung wieder aufgebaut und verherrlichte noch Jahrhunderte hindurch die in seiner Umgebung gefeierten Spiele, bis ihn Nero seiner reichen Schätze beraubte und die Goten 262 n. Chr. von neuem niederbrannten. - Schon in uralter Zeit war E. ein heiliger Ort mit einem Tempel, und die im 11. Jahrh. v. Chr. hier einwandernden Ionier, durch welche die Stadt eigentlich erst entstand, fanden den Kultus der Artemis (d. h. einer asiatischen Naturgöttin) schon vor. Es war nie einseitig Seestadt, sondern hatte bedeutenden Landbesitz im Kaystrosthal und betrieb großartige Bankgeschäfte mit den indischen und andern kleinasiatischen Fürsten. Dazu kam ihr heiliger Charakter, der mit Hierodulie verbundene Dienst der Artemis, welcher in ganz Kleinasien in Ansehen stand und großen Völkerverkehr und reiche Bildung zur Folge hatte. Der Philosoph Heraklit, der Dichter Hipponax stammten aus E., das um 400 v. Chr. der Sitz der berühmten Malerschule des Zeuxis und Parrhasios war. Um 560 eroberte Krösos die bis dahin selbständige Stadt; um 545 kam sie unter persische Herrschaft, bis Alexanders d. Gr. Sieg am Granikos ihr die frühere Unabhängigkeit zurückgab. In den nach Alexanders Tod zwischen dessen Feldherren sich entspinnenden Kämpfen wurde E. erst von Lysimachos, der die Stadt verschönerte und befestigte, darauf von Antigonos erobert und blieb dann beim syrischen Reich bis zur Unterjochung Kleinasiens durch die Römer. Unter römischer Herrschaft war es die Hauptstadt eines der neun Gerichtssprengel (conventus Ephesinus) der Provinz Asien. In der Geschichte der Apostel, namentlich des Paulus, kommt E. öfters vor. Bei der Teilung des römischen Reichs (395 n. Chr.) dem östlichen Reich zugeteilt, geriet es schnell in Verfall. In E. wurde 431 das dritte ökumenische Konzil zur Beilegung der nestorianischen und 449 zur Beilegung der eutychianischen Streitigkeiten die sogen. Räubersynode abgehalten. 1391 fiel E. an das osmanische Reich. Der Metropolit von E. ist unter dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel stets der dritte Würdenträger. Seit 1863 leitete der Engländer Wood Ausgrabungen auf dem alten Stadtgebiet, welche innerhalb der eigentlichen Stadt zur Auffindung eines Stadiums, Theaters, Odeums, des Hafens, mehrerer Gymnasien und 1870 zu der des lange gesuchten Artemision führten. Mehrere charakteristische Bruchstücke der kolossalen Reliefsäulen (von 1,9 m Durchmesser) wurden 1873 nach dem Britischen Museum geschafft. Vgl. E. Curtius, Beiträge zur Geschichte und Topographie Kleinasiens (Berl. 1872); Derselbe, E. (Vortrag, das. 1874); Wood, Discoveries at Ephesus (Lond. 1877); Fergusson, The temple of Diana at Ephesus (das. 1883).

^[Abb.: Situationsplan von Ephesos.]

Epheten (griech., "Bevollmächtigte, Befehlshaber"), ein in Athen schon in ältester Zeit bestehendes, aus den vornehmsten Adelsgeschlechtern gewähltes Richterkollegium von 51 Mitgliedern, welche unter dem Vorsitz des Archon Basileus an fünf Stätten (Areiopagos, Palladion, Delphinion, Phreatto und Prytaneion) besonders über Mord, Totschlag, Giftmischerei und Brandstiftung zu Gericht saßen. Solons Reformen wiesen den größten Teil ihrer Gerichtsbarkeit dem neuorganisierten Areopag zu, weshalb die Dikasterien der E. an Ansehen sehr verloren. Vgl. Lange, Die E. und der Areopag vor Solon (Leipz. 1871); Philippi, Der Areopag u. die E. (Berl. 1874).

Epheu (althochd. ebah, ebowe, ephou, später ephew), Pflanzengattung, s. Hedera.

Ephialtes, s. Schlupfwespen.

Ephiáltes, 1) Grieche aus Malis, der den Persern unter König Xerxes (480 v. Chr.) einen Fußsteig über den Kallidromos zeigte, auf welchem sie den Griechen bei Thermopylä in den Rücken fielen. Deshalb von