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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eranthis; Erard; Eras; Erasistratos; Erasmus

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Eranthis - Erasmus.

Eranthis Salisb. (Winterling), Gattung aus der Familie der Ranunkulaceen, perennierende, niedrige Kräuter mit knolligem Wurzelstock, grundständigen, handförmig geteilten Blättern auf einfachem Schaft, einzeln stehenden Blüten mit laubartigem Involukrum und vielsamigen Kapseln. E. hiemalis Salisb. (Winterwolfskraut, Winterchristwurz), mit 5-15 cm hohem Schaft und einer gelben, glockenförmigen Blüte, wächst in schattigen Wäldern Süd- und Mitteleuropas und blüht im Februar und März. Die Wurzeln waren früher als Winternieswurzel offizinell und sollen gleiche Kräfte wie die der schwarzen Nieswurz besitzen.

Erard (spr. erár), Sébastien, berühmter franz. Klavierbauer, geb. 5. April 1752 zu Straßburg aus einer deutschen Familie (Erhard), Sohn eines Tischlers, trat 1768 als Arbeiter in die Werkstätte eines Pariser Klavierbauers, wuchs aber seinem Prinzipal bald über den Kopf, so daß er entlassen wurde; eine geschickte Arbeit für seinen neuen Arbeitgeber lenkte die Aufmerksamkeit auf den jungen Mann. Größeres Aufsehen erregte sein Clavecin mécanique, ein kompliziertes Instrument, auf dem unter anderm die Verkürzung der Saiten auf die Hälfte (Transposition in die höhere Oktave) vermittelst eines durch einen Pedaltritt regierten Stegs bewerkstelligt wurde. Mit 20 Jahren hatte er bereits ein ausgezeichnetes Renommee. Eine kunstsinnige Dame, die Herzogin von Villeroi, stellte ihm sogar in ihrem Schloß Räumlichkeiten zur Errichtung einer Werkstatt zur Verfügung, und E. fabrizierte dort 1777 sein erstes Pianoforte, das erste in Frankreich überhaupt gebaute (vgl. Silbermann). Um dieselbe Zeit kam sein Bruder Jean Baptiste nach Paris, und die beiden Brüder begründeten nun ein eignes Etablissement in der Rue de Bourbon. Ein durch den König in anerkennendster Weise zu gunsten Erards entschiedener Prozeß mit Konkurrenten, die ihn verklagten, weil er sich nicht in die Gilde der Fächermaler (dieser mußten zu jener Zeit die Instrumentmacher wegen der Zierarbeit, die sie an ihren Instrumenten anbrachten, angehören) hatte aufnehmen lassen, machte vollends Paris auf E. aufmerksam. Seine nächsten Thaten waren die Konstruktion des Piano organisé (Orgelklavier, Verbindung eines Pianoforte mit einem kleinen Positiv, zweiklavierig) und der Harfe à fourchette. Der Ausbruch der französischen Revolution veranlaßte E., nach London zu gehen, wo er eine Filiale errichtete, Patente nahm und seine neuen Instrumente zu großer Berühmtheit brachte. 1811 konstruierte er die Doppelpedalharfe (à double mouvement), welche mit einemmal allen Unzulänglichkeiten des Instruments ein Ende machte; der Erfolg war ein enormer, und E. verkaufte in einem Jahr für 25,000 Pfd. Sterl. Harfen. Allen seinen Erfindungen setzte er aber die Krone auf durch die 1823 gemachte Erfindung des double échappement (Repetitionsmechanik) für das Pianoforte. Sein letztes Werk war die sinnreiche Konstruktion der Expressivorgel für die Tuilerien. Er starb 5. Aug. 1831 auf seinem Landsitz bei Passy. Nach dem Tod Sébastien Erards ging das Etablissement auf seinen Neffen Pierre E. (geb. 1796, gest. 18. Aug. 1855) über. Dieser veröffentlichte: "The harp in its present improved state compared with the original pedal harp" (1821) und "Perfectionnements apportés dans le mécanisme du piano par les Érard depuis l'origine de cet instrument jusqu'à l'exposition de 1834" (1834). Sein Nachfolger wurde der Neffe seiner Witwe, Pierre Schäffer (gest. 13. Dez. 1878).

Eras, Wolfgang, Volkswirt, geb. 14. April 1843 zu Schönfeld bei Großenhain, studierte in Leipzig, Jena und Berlin, ward 1866 Chefredakteur der "Mittelrheinischen Zeitung" in Wiesbaden, später Generalsekretär des Rheinisch-Westfälischen Handels- und Gewerbvereins, dann Sekretär der Bielefelder Handelskammer und ist seit 1871 erster Sekretär der Handelskammer und Syndikus der Börsenkommission zu Breslau. Er schrieb: "Was steht in den preußischen Schulregulativen?" (Leipz. 1868); "Der Zwangsstaat und die deutschen Sozialisten" (das. 1868); "Vier Zeitfragen aus dem Gebiet der Volkswirtschaft und Gesetzgebung" (das. 1870); "Handelspolitische Aufgaben nach dem Krieg" (Berl. 1871); "Der Prozeß Bebel-Liebknecht und die offizielle Volkswirtschaft" (Bresl. 1875); "Aus der Praxis, volkswirtschaftliche Studien und Skizzen" (das. 1872); "Das Reichseisenbahnprojekt" (das. 1876); "Der Währungsstreit 1879-83" (Berl. 1883); "Die Oderregulierung" (Bresl. 1884); "Das Branntwein-Monopol" (Berl. 1886).

Erasistratos, Arzt in Alexandria um 300 v. Chr., geboren zu Julis auf Keos, Schüler des Chrysippos und Theophrastos, lebte am Hof des Seleukos Nikator, dann in Alexandria und starb in Ionien. Die von ihm gestiftete medizinische Schule ist unter dem Namen der Erasistrateer bekannt. Er nahm im Körper zwei Hauptgegensätze an, den Lebensgeist und das Blut, und suchte den Grund aller Krankheiten in dem Überfluß an Nahrungsstoff, dem er durch strenge Diät entgegenzuwirken suchte. Zum Behuf anatomischer Untersuchung soll er zum Tod verurteilte Verbrecher noch lebend geöffnet haben. Von seinen Schriften sind nur dürftige Fragmente erhalten. Vgl. Hieronymus, Erasistrati et Erasistrateorum historia (Jena 1790).

Erasmus, der Heilige, ein syrischer Bischof, der unter Kaiser Diokletian als Märtyrer gestorben sein soll. Das Volk zählt ihn unter die 14 Nothelfer und verehrt ihn als Patron gegen Bauchweh (er wird häufig abgebildet, wie ihm die Gedärme aus dem Leib gerissen werden) sowie in manchen Gegenden gegen Viehkrankheiten. Sein Tag ist der 2. Juni.

Erasmus, Desiderius, genannt E. von Rotterdam, berühmtester Humanist des 16. Jahrh., geboren wahrscheinlich 28. Okt. 1467 zu Rotterdam aus einer ungesetzlichen Verbindung, welche seine Mutter Margarete, Tochter eines Arztes in Sevenbergen, mit einem dem Klosterzwang sich entziehenden jungen Mann, Gerhard de Praet aus Gouda in Holland, eingegangen war, erhielt daher den Namen Gerhard Gerhards (nämlich Sohn; holländ. Geert Geerts), den er nach damaliger Sitte später in den lateinisch-griechischen Namen Desiderius E. (der "Ersehnte, Vielgeliebte") umwandelte. Zuerst zu Gouda unterrichtet, kam er, etwa 9 Jahre alt, in die Schule des Alexander Hegius zu Deventer, mußte dieselbe aber infolge einer Seuche, die ihm die Mutter fortraffte, nach 4 Jahren wieder verlassen. Als bald darauf auch der Vater starb, übergaben ihn seine Vormünder dem Brüderhaus zu Herzogenbusch, damit er sich für eine asketische Genossenschaft vorbereite. Doch nachdem er dort 3 Jahre freudlos zugebracht hatte, kehrte er nach Gouda zurück, und erst 1486 gelang es einem frühern Schulfreund aus Deventer, Cornelius Verdenus, ihn zum Eintritt in das Kloster Emmaus oder Stein bei Gouda zu bewegen. Aber das Leben daselbst behagte ihm nur so weit, als ihm Muße und Gelegenheit ward, sich mit den alten Klassikern und den Schriften des Laurentius Valla zu beschäftigen. Er folgte daher 1491 gern einer