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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erdbohrer

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Erdbohrer.

cher in die Erde eindringt; 2) das Kopfstück mit Bewegungsvorrichtung, d. h. denjenigen Teil, von welchem der Bohrer gehandhabt wird, und 3) das Gestänge, ein zwischen Bohr- und Kopfstück eingeschaltetes stangen-, röhren- oder seilförmiges Verbindungsglied, welches entsprechend der sich allmählich vergrößernden Tiefe (Teufe) des Bohrloches verlängert werden kann.

Die mit den Erdbohrern auszuführende Operation, welche Bohren (Erdbohren, Tiefbohren) genannt wird, zerfällt in zwei verschiedene Manipulationen, in das eigentliche Bohren im engern Sinn, d. h. das Loslösen des Erdreichs oder Gesteins in dem Umfang des zu bohrenden Loches, und in das Löffeln, d. h. das Heraufholen der losgelösten Massen (Bohrschmant), welche bei weichem Erdreich (bergmännisch als mildes Gebirge, milde Gebirgsmassen bezeichnet) von einem einzigen Werkzeug zugleich ausgeführt werden können, jedoch bei Felsboden (festes Gebirge, feste Gebirgsmassen) stets jede für sich ein besonderes Werkzeug beanspruchen.

Die Bohrwerkzeuge lassen sich unterscheiden in Bohrer für drehendes und solche für stoßendes Bohren. Beim drehenden Bohren wird der Bohrer unter Einwirkung eines abwärts gerichteten Druckes um seine Längsachse gedreht und schraubt oder schneidet sich dabei ins Gebirge ein. Angewandt wird diese Bohrmethode bei allen Gebirgsarten, vom weichen Lehm u. stark wasserhaltigen Schwimmsand (schwimmendes Gebirge) bis zum härtesten Granit und Quarz; doch sind die Bohrwerkzeuge nach der Festigkeit des Gesteins wesentlich verschieden, indem diejenigen für mildes Gestein (Letten, Sand, Gerölle) nach Art von Messern schneidend, diejenigen für festes Gestein mehr nach Art der Sägen oder Fräsen wirken. Die Haupttypen der Drehbohrer für mildes Gestein sind: 1) Der Löffelbohrer (Schneckenbohrer, die Schappe), ein aufgeschlitzter Cylinder oder schlanker Kegelstumpf von Eisenblech, welcher am untern Ende mit einem kurzen Stück Schraubenfläche (Schnecke) zum Eindringen in die Massen versehen ist. Er findet bei milden, konsistenten Massen, welche ein leichtes Eindringen gestatten, Verwendung und hält das in seiner Höhlung eingeschlossene Bohrmaterial ziemlich fest, so daß er häufig zugleich als Löffelapparat dienen kann. 2) Die Erdschraube, eine um einen dünnen konischen Kern gewundene, von der Spitze nach oben hin sich verbreiternde scharfgängige Schraube (oder Teile derselben), welche sich nach Art der gewöhnlichen Holzbohrer und der Holzschrauben ins Erdreich hineinschraubt und dasselbe beim Aufziehen zwischen den Schraubengängen festhält. Sie eignet sich gleichfalls für leicht durchdringbare Massen. 3) Setzen die Massen dem Eindringen der Bohrer größern Widerstand entgegen, so bedient man sich der Spiralbohrer (Schlangenbohrer, Schraubenbohrer), welche aus mehrfach gewundenem Bandeisen oder Bandstahl bestehen und unten in zwei Schneiden auslaufen, deren Spitzen meist seitlich etwas über den Umfang der Schraube hinausragen. Beim Drehen des Bohrers dringen diese Schneiden in Spirallinien ins Erdreich ein, welches nach der Auflockerung zwischen die Schraubenwindungen gelangt und beim Aufholen des Bohrers darin haften bleibt. 4) Für wenig konsistente Massen, Schwimmsand etc., benutzt man den Ventilbohrer, einen Blechcylinder, der unten durch ein nach innen aufschlagendes Ventil geschlossen ist. Der beim Niedergang des Bohrers von unten eintretende Sand wird beim Aufholen durch das Ventil am Herausfallen verhindert. Der Ventilbohrer ist außerdem unter dem Namen Bohrlöffel (Schlammlöffel, Schmantlöffel) das gewöhnliche Werkzeug zum Aufholen des bei allen Bohrmethoden gewonnenen Bohrschlammes (Bohrmehl, Schmant). 5) Zum Durchbohren von Schwimmsand gebraucht man bei großen Bohrlöchern und Sandschächten den Sackbohrer (s. d.) und die Sandpumpe (s. d.). Alle diese Bohrer sind nur in den dem festen Gestein der Erdrinde auflagernden, mehr oder weniger lockern Schichten und daher auch nur auf verhältnismäßig geringe Tiefen verwendbar. Unter denselben Umständen wird auch häufig die Methode des Bohrens durch Wasserspülung (Spritzbohrverfahren) verwendet und zwar zweckmäßig nur bei Vorhandensein von feinteiligem Moor und Sand, dem auch kleinere Steine beigemischt sein dürfen. Hierbei bedient man sich eines Futterrohrs mit einem innere, konzentrischen, unten nicht ganz so tief reichenden, oben aber vortretenden Druckrohr, in welches mittels einer Druckpumpe ein Wasserstrom hineingetrieben wird. Der unten austretende Strahl wühlt den Erdboden auf und reißt ihn bis auf die gröbsten Teile durch den ringförmigen Zwischenraum zwischen beiden Röhren mit sich hinauf. Das dadurch erfolgende Einsinken des Futterrohrs wird durch Erschütterungen mittels seitlich dagegen geführter Hammerschläge, durch von obenher gegebene leichte Schläge mit einem Rammbär oder durch Hin- und Herdrehen des Rohrs um seine Längsachse bedeutend befördert. Ein ganz ähnliches Verfahren hat neuerdings (z. B. beim Bau der Spreebrücke der Berliner Stadtbahn bei Moabit, des Justizpalastes in Braunschweig etc.) auch zum Eintreiben von Pfählen (das sogen. Einspritzen) vorteilhafte Verwendung gefunden. Hierbei wird das Druckrohr in einer Nute des Pfahls untergebracht und von einer Aufwärtsförderung des Erdreichs ganz abgesehen. Der Wasserstrom weicht hier nur den Erdboden rings um den Pfahl derartig auf, daß er unter einer angemessenen Belastung einsinken kann.

Für festes Gestein und für größere Tiefen werden an Drehbohrern verwendet: 1) der Kronenbohrer, ein mit sägezahnartigen Vorsprüngen versehener Stahlring, viel häufiger jedoch anstatt dessen 2) der Diamantbohrer (Fig. 1), bei welchem die bald abgenutzten und umständlich zu schärfenden Sägezähne durch Diamanten (sogen. schwarze oder brasilische Diamanten) ersetzt sind. Von diesen sind 6-8 oder noch mehr auf der Stirnfläche eines ungehärteten Stahlringes (Bohrkrone) eingelassen und verstemmt und zwar derart versetzt und der Ring teilweise nach außen, teilweise nach innen ein wenig überragend, daß von ihnen bei der Drehung des Bohrers ein ringförmiges Loch ins Gestein gewissermaßen hineingesägt wird, in dessen Mitte ein massiver Kern stehen bleibt (zuweilen wird auch mit einem vollen Diamantbohrer ohne Kern gebohrt). Der Kern wird,

^[Abb.: Diamantbohrer.]