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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erderschütterung; Erdfahl; Erdfall; Erdfarben; Erdferkel; Erdferne; Erdfeuer; Erdflöhe; Erdfunde; Erdgeister; Erdgrube

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Erderschütterung - Erdgrube.

er greift also zu den Erden, welche die Thätigkeit des Beißens und Schlingens verschaffen das Gefühl einer vermeintlichen Sättigung hervorrufen und den Organismus verlassen, ohne die Blutmischung zu alterieren. Das reinliche Aussehen und das sanfte Gefühl der Erde laden zu dem Genuß ein, den Aberglaube, Unwissenheit und Faulheit überdies zu tief eingewurzelter Gewohnheit gemacht haben. Auch in Skandinavien und Deutschland findet sich eßbare Erde. So strichen die Arbeiter in den Sandsteingruben des Kyffhäuserbergs auf ihr Brot statt der Butter einen feinen Thon (Steinbutter) und hielten ihn für sättigend und verdaulich. Auch einige Tiere fressen vor Hunger Thon oder zerreiblichen Speckstein, z. B. die Wölfe im nordöstlichen Europa, die Renntiere und Rehe in Sibirien; hier und da werden solche eßbare E. auch als Lockspeise und Witterung für die Tiere gebraucht.

Erderschütterung, s. Erdbeben.

Erdfahl, Farbe, Mischung von Grau und Braun, der trocknen Erde ähnlich.

Erdfall, eine trichterförmige Einsenkung der obern Erdschichten, eine Folge unterirdischer Erosionen, indem gewisse auflösliche Gesteinsmassen, wie Steinsalz, Gips oder Kalkstein, von Wasser ausgewaschen werden. Auf diese Weise entstehen zunächst Höhlen, deren Einsturz zu Erdfällen an der Oberfläche Veranlassung bietet. Dergleichen Bodensenkungen von einigen bis zu mehr als 100 m Weite und Tiefe finden sich im Muschelkalk und Zechstein, z. B. in Thüringen und Franken, im Jurakalk Schwabens, im Triaskalk der Alpen (Karstgebirge). Etwas Analoges sind die sogen. Pingen der Bergleute, welche durch das Zusammenstürzen alter Grubenbaue entstehen, wie bei Altenberg in Sachsen, bei Dannemora und Falun in Schweden.

Erdfarben, s. Farbstoffe und Mineralfarben.

Erdferkel, s. v. w. Erdschwein.

Erdferne, s. Apogäum.

Erdfeuer, brennende Kohlenwasserstoffexhalationen, wie sie, hohe mächtige Flammen bildend, häufig vorkommen (großartig z. B. bei Baku, außerdem an vielen Stellen in den Apenninen, wo sie die Landleute zum Kalkbrennen benutzen). Sie verdanken ihren Ursprung der Zersetzung organischer Stoffe. Wo dergleichen E. vorkommen, findet sich in der Regel auch Petroleum, und die Gase entwickeln sich in gleicher Weise aus den Quellen und Brunnen, in welchen man Petroleum gewinnt.

Erdflöhe (Blattflöhe), kleine Käfer aus der Gruppe der Kryptopentameren und der Familie der Blattkäfer (Chrysomelinae), welche mit Hilfe verdickter Hinterschenkel weit springen, im Sonnenschein auch lebhaft fliegen, aber nur langsam kriechen. Sie leben meist in Menge zusammen, zerstören durch Abfressen der Keimblätter und zarten Erstlinge oft ganze Saaten, während stärkere Pflanzen ihren Angriffen leichter widerstehen. Sie fressen nicht vom Rand her, sondern durchlöchern die Blätter vollständig. Trockne, warme Jahre begünstigen ihre Entwickelung ungemein. Von den etwa 100 deutschen Arten sind manche nur auf eine Pflanze angewiesen, andre aber sind keine Kostverächter. Alles, was die schnelle Entwickelung der aufkeimenden Gewächse befördert, kann als Schutzmittel gegen E. dienen, die auch beschattetes und feuchtes Erbreich möglichst meiden; man entferne auch alles Laub, Kraut etc., unter welchem die Käfer zu überwintern pflegen. Als Gegenmittel dienen ferner wiederholtes Begießen mit Wermutabkochung, Bestreuen der nassen Pflanzen mit einer Mischung von 1 Guano, 1 Gips, 4 Holzasche, welche mit Wermutabkochung getränkt wurde, Bestreuen der Beete, auf denen die Samen eben keimen, mit trocknem, zerriebenem Hühner-, Tauben-, Pferdemist oder Steinkohlenasche, Verteilen von mit heißem Kohlenteer getränkten Hobelspänen zwischen dem Kohl, Wegfangen der Käfer mit dem Hamen sehr früh am Tag oder abends. Der Rapserdfloh (Psylliodes [Chrysomela] chrysocephala L., s. Tafel "Käfer"), 4 mm lang, ist elliptisch, ziemlich gewölbt, glänzend schwarzblau oder schwarzgrün, auf den Flügeldecken deutlich punktstreifig, am Kopf und an den Beinen rötlichgelbbraun, durchlöchert von Mitte Mai bis zum Spätherbst an verschiedenen Gewächsen die Blätter oder benagt die noch weichen Häute der Früchte und legt seine Eier in die Blattwinkel der Ölsaaten, Kohlarten und Levkojen. Die etwa 7 mm lange, schmutzigweiße, sechsbeinige, mit einzelnen Borstenhaaren besetzte, braunköpfige Larve frißt sich alsbald in den Stengel oder Wurzelstock, zerstört hier das Mark, so daß die Pflanzen umbrechen, und geht zur Verpuppung in die Erde, aus welcher nach vier Wochen der Käfer auskriecht. In einem Jahr folgen sich mehrere Generationen, und die letzte überwintert wahrscheinlich als Larve. Der gelbstreifige Erdfloh (Haltica nemorum L.), 2 mm lang, schwarz, grün schimmernd, mit blaßgelbem Längsstreifen auf jeder Flügeldecke, an der Fühlerwurzel und an den Beinen von den Schienen an gelblichbraun, legt seine Eier an die Blätter verschiedener Kohlarten. Die gelblichweißen, braunköpfigen, schwach borstenhaarigen Larven bohren sich in die Blätter ein und minieren gewundene Gänge, welche auf der Oberfläche weißlich hervortreten, während die Käfer die Blätter durchlöchern. Die reife Larve verpuppt sich in der Erde. Die ganze Entwickelung verläuft in 40 Tagen, und es folgen sich daher mehrere Generationen, von denen die letzte als Käfer überwintert. Der Kohlerdfloh (H. oleracea L.), 4 mm lang, elliptisch, stark gewölbt, olivengrün, blau schillernd, oberseits sehr fein und dicht punktiert, an den Fußgliedern und Fühlern schwärzlich, lebt an sehr verschiedenen Pflanzen, besonders an Kohlarten und Levkojen, und zerstört namentlich keimende Gemüsepflänzchen. Die graubraune, igelborstige, schwarzköpfige, 6 mm lange Larve frißt an verschiedenen Pflanzen (Epilobium, Oenothera, Clarkia etc.) und verpuppt sich flach unter der Erde. Die letzte Generation überwintert als Käfer. Der sehr ähnliche, 5 mm lange Eichenerdfloh (H. erucae Ol.) benagt nach der Überwinterung die sich entfaltenden Eichenknospen besonders jüngerer Pflanzen, das Weibchen legt seine Eier an Eichenblätter, welche von den Larven weiter skelettiert werden. Die Verpuppung erfolgt flach unter der Erde oder zwischen Rindenrissen. Wahrscheinlich entwickelt sich nur eine Generation.

Erdfunde (Ackerfunde), die ohne äußere Merkmale in die Erde versenkten Gegenstände aus prähistorischer Zeit, meistens Metallgegenstände, welche von den germanischen Völkern den Göttern geweiht wurden, um deren Gunst im jenseitigen Leben zu erwerben. Häufig wurden dergleichen geweihte Schätze in kleinen, isolierten Moortümpeln ("Moderlöchern") gefunden.

Erdgeister, s. v. w. Gnomen.

Erdgrube (Erdkasten), eine zur Überwinterung halbharter Gehölze etc. eingerichtete, mit Brettern eingefaßte Vertiefung an einer Stelle des Gartens, die nicht von Grund-, noch von Oberwasser leiden kann. Man deckt sie bei Beginn des Winters mit Brettern und diese noch, um den Temperaturwechsel zu hindern, mit Erde, Laub u. dgl. Am besten eignet sich eine solche E. zum Aufbewahren von zum Treiben be-^[folgende Seite]