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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Erdgrün - Erdkunde.

stimmten Gehölzen in Töpfen, die man beliebig von hier wegnehmen und warm stellen kann, oder zur Überwinterung von Alpenrosen (Rhododendron), die mit ihren festhaltenden Wurzelballen aus ihrer Gruppe herausgenommen und hier dicht neben- und zwischeneinander eingeschlagen und im Frühjahr wieder an den Ort ihrer Bestimmung gepflanzt werden, ohne daß ihre Fähigkeit zum Blühen irgendwie leidet.

Erdgrün, s. Scheelesches Grün.

Erdharze, Mineralien, welche im wesentlichen aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen, häufig aber auch Sauerstoff enthalten, nur in unkristallisiertem Zustand vorkommen, leicht schmelzen und mit rußender Flamme verbrennen. Hierher gehören Asphalt, Bergteer, Erdöl, Bernstein etc. Gelbes Erdharz, s. v. w. Bernstein und Retinit.

Erdhörnchen, s. Eichhörnchen.

Erdhügel, s. Gräber.

Erdig, Aggregatzustand der Mineralien, vgl. Mineralien (insbesondere den Abschnitt: Bruch).

Erdinduktionsapparat, s. Magnetelektrizität.

Erding, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, an der Sempt und der Linie Schwaben-E. der Bayrischen Staatsbahn, ist Sitz eines Bezirksamtes und Amtsgerichts, hat 3 Kirchen, ein Waisenhaus, Wollzeugweberei und (1880) 2862 kath. Einwohner. E. war schon 950 Hauptort eines Gaues und ward im Dreißigjährigen Krieg von Schweden und Franzosen arg verwüstet. Von E. bis Moosburg erstreckt sich auf der rechten Seite der Isar das meist noch unkultivierte Erdinger Moos, 45 km lang und 6-12 km breit.

Erdkastanie, s. Carum.

Erdkasten, s. Erdgrube.

Erdkegel, s. Papen.

Erdkeimer, s. Geoblasten.

Erdkobalt, brauner, gelber, Kobalterze, kommen derb, eingesprengt und als Überzug vor, sind leberbraun, strohgelb bis gelblichgrau, erdig und matt, Härte 1,0-2,5, spez. Gew. 2,0-2,67; sie bestehen aus einem Gemenge von wasserhaltigem arsensauren Eisenoxyd, Kobaltoxyd und Kalkerde, sind also wahrscheinlich Zersetzungsprodukte andrer Kobalterze. Sie finden sich auf einigen Lagerstätten des Speiskobalts mit andern Kobalterzen bei Kamsdorf und Saalfeld in Thüringen, Riechelsdorf in Hessen und Allemont. Vgl. Kobaltmanganerz (schwarzer E.) und Kobaltbeschlag; roter E., s. Kobaltblüte.

Erdkohle, s. Braunkohle, S. 356.

Erdkohlrabi, s. Raps.

Erdkrebs, s. v. w. Maulwurfsgrille.

Erdkrebs, Baumkrankheit an Kiefern, Fichten, Tannen, Lärchen, aber auch an Laubbäumen, wobei der Stamm an der Basis eine Anschwellung bekommt, an welcher die Rinde aufbricht, bei den Nadelbäumen gewöhnlich unter Harzerguß. Zwischen Rinde und Holz findet sich das weiße, später die Form brauner, harter Stränge (Rhizomorpha, s. d.) annehmende Mycelium eines Hutpilzes, Agaricus melleus L., der die Krankheit verursacht. An jenen Strängen entspringend, bricht er durch die Rinde der erkrankten Stämme hervor. Da die Stränge von erkrankten Wurzeln durch die Erde zu gesunden hinkriechen und in diese eindringen, wird die Krankheit ansteckend. Die befallenen Stöcke sind auszuroden.

Erdkrokodil, s. Skink.

Erdkruste, s. v. w. Erdrinde.

Erdkugel, künstliche, s. Globus.

Erdkunde (Erdbeschreibung, Geographie) beschäftigt sich als eine selbständige Wissenschaft mit der Erforschung der Erde, vorzugsweise der Erdoberfläche, nach ihrer stofflichen Zusammensetzung (Land, Wasser, Luft, Organismen), Form und Formänderung unter der Einwirkung der in ihr und über ihr wirkenden und untereinander in Konnex stehenden Kräfte. Eine allgemein angenommene kurze Begriffsbestimmung der E. läßt sich übrigens heute noch nicht geben, da unter den Geographen selbst die Ansichten über Begriff und Ziel der E. noch auseinander gehen. Diese Unfertigkeit der Anschauungen hat sogar Gelehrte, die außerhalb der Geographie stehen, zu dem übereilten Urteil geführt, die E. sei überhaupt keine selbständige Wissenschaft. Es ist indes nicht schwer, nachzuweisen, daß die E. den Anforderungen an eine selbständige Wissenschaft insofern durchaus entspricht, als sie sowohl ein eignes ihr allein zukommendes Forschungsobjekt besitzt, als auch nach einer eignen Forschungsmethode arbeitet. Dieser Nachweis soll zunächst im folgenden kurz geführt werden.

Außer vielleicht für die Mathematik, sind für keine andre Wissenschaft scharfe Umgrenzungslinien aufzustellen; jede Wissenschaft hat mehr oder weniger ausgebreitete Grenzgebiete, die von verwandten Wissenschaften ihr streitig gemacht werden. Am meisten gilt dies von der Geographie, und gerade deren mannigfache Berührung mit den beschreibenden Naturwissenschaften, der Astronomie, der Physik, der Geschichte, der Nationalökonomie, sogar der Sprachwissenschaft, hat zu dem verkehrten Urteil geführt, sie entbehre überhaupt eines ihr ausschließlich zukommenden Forschungsobjekts. In der That aber besitzt sie ein solches in der Erdoberfläche. Keine einzige unter den andern Wissenschaften macht auf dieses Objekt Anspruch; die Geologie oder die Nationalökonomie empfangen die Kenntnis der Erdoberfläche, so wie sie dieselbe brauchen, erst aus den Händen der Geographie. Der Geograph faßt nun die Erdoberfläche nicht rein mathematisch als bloße Begrenzungsfläche der festen Erdkugel (Lithosphäre), sondern er sieht in ihr etwas Stoffliches, insofern er die zweifache Umhüllung der Erde ihr zurechnet, nämlich erstens die flüssige Erdhülle (Hydrosphäre), welche in Gestalt der Meere, Seen und Flüsse der Lithosphäre eingesenkt ist, und zweitens die gasförmige Erdhülle oder Atmosphäre, welche die Hydrosphäre überall und die von der letztern unbedeckt gelassenen Teile der Lithosphäre überlagert. Auf die Erforschung dieser beiden Hüllen erhebt keine andre Wissenschaft Anspruch, sie bilden, neben der festen Erdrinde, den integrierenden Forschungsstoff der E. So ergibt sich von selbst eine Zergliederung des nur der Geographie zukommenden Stoffes nach den drei Planetenteilen: 1) Meteorologie, als Lehre von der Atmosphäre; 2) Hydrographie, die Hydrosphäre behandelnd, wovon die Ozeanographie (Meereskunde) ein Hauptteil ist; 3) die Festlandskunde, welche sich auf die trockne Erdoberfläche oder Lithosphäre bezieht. Erstere beide geographische Disziplinen setzen eine erhebliche Kenntnis der Gesetze der Physik voraus, wie man sie geradezu kurzweg, aber einseitig, als Anwendung der Lehren der Physik auf die Zustände und Vorgänge in der Atmosphäre, bez. Hydrosphäre definiert hat. Die letztere bietet innige Berührungspunkte mit der Geologie, insofern als das Verständnis der Entstehung gewisser Erdoberflächenformen erst nach Kenntnis des innern Baues gewonnen wird. Davon später mehr. Eine weitere Ergänzung findet der Arbeitsstoff der E. darin, daß die Erdoberfläche die Rindenschicht eines Gestirns ist, dessen Zugehörigkeit zum Planetensystem jene der Einwirkung gewisser astro-^[folgende Seite]