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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erdmännchen; Erdmannsdorf; Erdmannsdörffer

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Erdmännchen - Erdmannsdörffer.

dem teils von ihm allein, teils im Verein mit Schweigger-Seidel und Marchand geleiteten "Journal für praktische Chemie" (das. 1834 ff.). Er schrieb auch: "Lehrbuch der Chemie" (Leipz. 1828, 4. Aufl. 1851); "Grundriß der Warenkunde" (das. 1833; 11. Aufl. von König, 1885) und "Über das Studium der Chemie" (das. 1861).

2) Johann Eduard, Philosoph, geb. 13. Juni 1805 zu Wolmar in Livland, studierte zu Dorpat und Berlin, wo ihn namentlich Hegel fesselte, Theologie, ward 1829 Geistlicher in seiner Vaterstadt, wandte sich aber schon 1832 nach Berlin, wo er sich nach Vollendung seines Werkes "Versuch einer wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der neuern Philosophie" (Leipz. 1834-51, 3 Bde.) 1834 bei der philosophischen Fakultät habilitierte, wurde 1836 als außerordentlicher Professor der Philosophie nach Halle berufen und hier 1839 zum ordentlichen Professor der Philosophie ernannt. Seinen Schriften: "Natur und Schöpfung" (Leipz. 1840) und "Leib und Seele" (Halle 1837, 2. Aufl. 1849) folgten: "Grundriß der Psychologie" (Leipz. 1840, 5. Aufl. 1873); "Grundriß der Logik und Metaphysik" (das. 1841, 4. Aufl. 1864); ferner "Vermischte Aufsätze" (das. 1847) und "Über einige der vorgeschlagenen Universitätsreformen" (das. 1848); "Vorlesungen über den Staat" (Halle 1851); "Psychologische Briefe" (Leipz. 1851, 6. Aufl. 1882), worin er die Psychologie mit Glück zu belehrender Unterhaltung darzustellen suchte; "Glaube und Wissenschaft" (Halle 1856); "Vorlesungen über akademisches Leben und Studium" (Leipz. 1858) und der "Grundriß der Geschichte der Philosophie" (Berl. 1865-67, 2 Bde.; 3. Aufl. 1877), worin er das Mittelalter sehr ausführlich und, obgleich selbst der "letzte Mohikaner" der Hegelschen Schule, deren Selbstauflösungsprozeß sehr unparteiisch darstellt. Seine oft sehr geistreichen, größtenteils in Berlin und Halle vor einem größern Kreis gehaltenen Vorträge sind unter dem Titel: "Ernste Spiele" (Berl. 1855, 3. Aufl. 1875) gesammelt erschienen.

3) Ludwig, Maler, geb. 1820 zu Bödecke (Regierungsbezirk Minden), studierte auf der Akademie in Düsseldorf und widmete sich der Genremalerei. Von seinen meist humoristischen und gemütvollen Bildern sind hervorzuheben: der Schuster lehrt seinen Vogel pfeifen, der Blumenfreund und die Ziegen im Garten, der Morgen nach dem Maskenball.

4) Christian Friedrich David, protest. Theolog, geb. 28. Juli 1821 zu Güstebiese in der Neumark, studierte 1843-47 zu Berlin, habilitierte sich 1853 in der theologischen Fakultät daselbst, wurde 1856 ordentlicher Professor der Theologie in Königsberg und 1864 Generalsuperintendent und zugleich Honorarprofessor zu Breslau. Unter seinen Schriften sind zu nennen: "Lieben und Leiden der ersten Christen" (Berl. 1854); "Die Reformation und ihre Märtyrer in Italien" (das. 1855); "Der Brief des Jakobus" (das. 1881); "Luther und die Hohenzollern" (Bresl. 1883).

5) Otto, Maler, geb. 1834 zu Leipzig, studierte auf der dortigen Akademie und später in Dresden und München und ließ sich 1858 in Düsseldorf nieder. Er malt mit besonderer Vorliebe Genrebilder aus der Rokokozeit, die durch gefällige Motive, feinen Humor, pikante Auffassung und ein klares, freundliches Kolorit anziehend sind. Als die hervorragendsten derselben sind zu nennen: die glückliche Werbung, das Blindekuhspiel, die Erwartung, der Empfang des Bräutigams, das Liebesorakel, die geheime Botschaft, die unterbrochene Klavierstunde, die Brautschau, der Verlobungsring, der Gelegenheitsdieb.

6) Moritz, Maler, geb. 15. April 1845 zu Arneburg bei Stendal, besuchte die Berliner Kunstakademie und wurde Schüler des Marine- und Landschaftsmalers H. Eschke. Er unternahm alsdann Studienreisen nach Thüringen, dem Harz, Schleswig, Holland, Schweden und hielt sich ein Jahr in Italien auf. Seine Landschaften zeichnen sich durch poetische, etwas schwermütige Auffassung und durch tiefe, kräftige Färbung aus. Die hervorragendsten derselben sind: Heide am Regenstein im Harz, das Morsumkliff auf der Insel Sylt, Mondnacht im Gallmarsfjord, die Grüne Grotte auf Capri, die Villa Hadriana in Tivoli, die Aqua Claudia des Campo santo in Neapel, die römische Campagna, biblische Landschaft mit den Frauen am Grab Christi.

Erdmännchen, s. Mandragora.

Erdmannsdorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Hirschberg, in reizender Gegend an der Lomnitz, nahe der Station Zillerthal der Linie Hirschberg-Schmiedeberg der Preußischen Staatsbahn, hat ein Schloß mit herrlichem Park, eine schöne, nach Schinkels Plan erbaute Kirche, ein Johanniterkrankenhaus, eine große Flachsspinnerei nebst Bleicherei, Leinweberei und (1880) 952 meist evang. Einwohner. Das Schloß gehörte ehedem dem Feldmarschall Gneisenau, dessen Erben es 1833 an den König von Preußen, Friedrich Wilhelm III., verkauften, vererbte sich dann auf dessen Witwe, die Fürstin von Liegnitz, und wurde 1840 von König Friedrich Wilhelm IV. als Krongut angekauft. In der Nähe die Kolonie Zillerthal (s. d.).

Erdmannsdorf, Friedrich Wilhelm, Freiherr von, Architekt, geb. 1736 zu Dresden, besuchte als Begleiter des Fürsten von Dessau Frankreich, England und Italien und studierte namentlich die französischen Ruinen aus der ersten Kaiserzeit zu Nîmes, Aix, St.-Remy, Arles etc. Er gelangte dadurch zu einem vornehmlich auf die sogen. Maison carrée in Nîmes basierten klassischen Stil und gehört deshalb, wie seine Berliner gleichstrebenden Kunstgenossen Langhans, Gilly, Gentz etc., zu den Vorläufern der neuern, auf die klassischen Muster sich stützenden Baukunst. Seine Hauptwerke sind das Schloß zu Wörlitz und das Langhaus zu Luisium; auch leitete er die Schöpfung der schönen Anlagen um Dessau und stattete mehrere Zimmer des königlichen Schlosses in Berlin nach seinen Entwürfen aus. E. starb 9. März 1795 in Dessau. Seine Biographie schrieb Rode (Dess. 1801). E. stiftete eine Chalkographische Gesellschaft in Dessau, die auch seine zahlreichen architektonischen Studien 1797 veröffentlichte.

Erdmannsdörffer, 1) Bernhard, Historiker, geb. 24. Jan. 1833 zu Altenburg, studierte seit 1852 in Jena und Berlin Philologie und Geschichte, lebte nach seiner Doktorpromotion ("De prytaniis atticis") als Privatlehrer, zuletzt in einer deutschen Familie in Venedig, wo er im Archiv und in der Markusbibliothek historischen Studien oblag, namentlich über die Beziehungen der Republik zu Deutschland. 1857 nach Deutschland zurückgekehrt, habilitierte er sich 1858 mit einer Schrift: "De commercio, quod inter Venetos et Germaniae civitates aevo medio intercessit" (Leipz. 1858), als Dozent der Geschichte in Jena, reiste im November 1859 bis August 1860 im Auftrag der Historischen Kommission zu München wieder nach Italien zu archivalischen Forschungen für die Sammlung der Reichstagsakten und siedelte 1861 von Jena nach Berlin über, um an den von Droysen, M. Duncker und v. Mörner geleiteten Arbeiten zur Geschichte des Großen Kurfürsten mitzuwirken. Auf