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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erdöl

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Erdöl (Vorkommen, Gewinnung).

sem auf Wasser schwimmend und kann leicht zu Tage gefördert werden. Im Pandschab tritt E. an mehreren Stellen zu Tage; auch findet sich E. in Assam. Persien ist reich an Petroleumquellen, ebenso die Großen Sundainseln. Das wichtigste Gebiet nach Nordamerika ist aber unstreitig der Kaukasus. Die kaukasisch-kaspische Naphthazone beginnt östlich vom Kaspischen Meer und setzt sich fort über die Insel Tschaloken und die kleinen Inseln in der Nähe der Halbinsel Apscheron in das Gebiet von Baku und zieht von da längs des Kaukasus über Tiflis, Ter und Noworossijsk auf die Tamanhalbinsel und bis in die Krim. Man unterscheidet vier Regionen und zwar je eine zu beiden Enden der Kaukasuskette und je eine im N. und S. derselben. Die Erdölquellen finden sich hier in vollkommen vulkanischer Gegend, die auch an Mineralquellen sehr reich ist. Reiche Ausbeute liefern das Becken von Temruck oder von Kertsch am Kubanfluß und das nördliche Becken, welches das Terekthal und die Provinz Daghestan umfaßt. Die beiden wichtigsten Becken liegen aber im Kurathal um Tiflis herum und auf der Halbinsel Apscheron um Baku. In Tiflis steigen brennbare Gase in unaufhörlichen Strömen aus dem Erdboden hervor. Das E. findet sich meist in der tertiären Formation, und die mittlere Tiefe der Brunnen beträgt kaum mehr als 60 m, während man in Amerika 250, selbst 310 m hinabgeht. Am ergiebigsten sind die Brunnen in Baku, wo einzelne natürliche Quellen einen See von 2 km Länge gebildet haben. In Australien besitzen Neusüdwales sowie auch Queensland und Tasmania ausgedehnte Lager von Brandschiefer, aus dem in Neusüdwales E. gewonnen wird, und in Neuseeland hat man auf der Nordinsel Bohrungen auf E. gemacht, deren Resultate indes unbedeutend waren. Afrika scheint ebenfalls reich an E. zu sein, doch kommt dies Produkt gegenwärtig wenig zur Geltung.

Europa besitzt zwar an vielen Orten Erdölquellen, doch ist zunächst nur das Vorkommen in Galizien von größerer Bedeutung. Hier zieht sich das Erdölgebiet in einer Breite von 2-3 Meilen am Nordabhang des Gebirges hin, zwischen dem neocänen Karpathensandstein und den Tertiärschichten. Eine der wichtigsten Lokalitäten ist Boryslaw bei Drohobycz, wo sich E. und Ozokerit in bituminösen und salzigen miocänen Thonen u. Mergeln finden, die von Gerölle und Lehmschichten bedeckt sind. Niveau und Ergiebigkeit der E. führenden Schichten wechseln sehr; indes scheint Ozokerit sich tiefer als 20 Klafter nicht mehr zu finden, während E. noch in jeder beliebigen Tiefe angetroffen wird. An Ozokerit liefert ein Schacht durchschnittlich 2-4, jedoch zuweilen auch 30 Ztr. pro Tag, an Öl 1-3 Ztr. Auch Rußland (Polen und Petschoragebiet) sowie Rumänien haben bedeutende Erdölquellen. Für Deutschland hat das Vorkommen von E. im nordwestlichen Teil des Landes besonderes Interesse. Die äußersten Spuren desselben laufen von Vorwohle bei Kreiensen bis Heide in Holstein, also in einer Länge von 35 Meilen bei einer Breite von 12-15 Meilen. Auf diesem Gebiet werden folgende Fundorte genannt: Verden, Wietze westlich von Celle, Steinförde, Hünigsen im Amt Burgdorf, Edemissen im Amt Meinersen, Dollbergen und Abbensen, Ödessen, mehrere Orte in der Nähe von Braunschweig, die braunschweigische Enklave Ölsburg, Sehnde zwischen Lehrte und Hildesheim, Limmer und Harenberg, Oberg im Amt Hildesheim und Heide in Holstein. Am meisten Aufsehen erregte die Gegend von Ödessen (Ölheim), wo eine Aktiengesellschaft 1880 die Bohrarbeiten begann und aus einem der Bohrlöcher in 150 Tagen 1000 Barrels à 3,25 Ztr. gewann. Mohr erbohrte 21. Juli 1880 eine Quelle, welche 30 Ztr. E. in einer Stunde lieferte. Als die Quelle bei einer Tiefe von 192 Fuß nur etwa 150 Barrels ergeben hatte, ließ sie sichtlich in ihren Erträgen nach, wurde deshalb 36 Fuß tiefer gebohrt und lieferte nun die angegebene Ölmenge. Bis zum Abend des 25. Juli floß die Quelle ununterbrochen, während man aus Mangel an Fässern etwa 30 Stunden lang die Thätigkeit der Pumpen einstellen mußte. Binnen 72½ Stunden ergab das Bohrloch 783 Barrels oder 2600 Ztr. Petroleum mit einem spezifischen Gewicht von 0,892 und einer Temperatur von 10,25°. Auch auf dem benachbarten Bohrwerk der oben genannten Aktiengesellschaft hatte man währenddem gute Erfolge, indem man täglich etwa 50 Barrels gewann. Das Mohrsche Bohrloch lieferte neben dem E. Salzwasser, im ganzen ca. 90,000 Lit. in 24 Stunden, von welchen etwa 66 Proz. E. waren. Beim Abteufen des Bohrlochs erschien bis 10 m Tiefe ein feiner Sand mit Findlingen von rotem Granit und Flintsteinen, dann ein 7 m mächtiger blaugrauer Diluvialthon und ein 3 m mächtiger blauer Thon mit Kalksteinschicht. Von 20 bis 35 m folgte Mergelthon, von 35 bis 40 m festes Gebirge mit Quarzeinlagerungen, dann bis 48 m harter Sandsteinfels mit Schwefelkies, der die ersten Ölspuren zeigte. Größere Ölmengen führte bis 54 m ein sandiger Thon. Bis hierher stimmen die Ergebnisse in allen Bohrlöchern, dann aber weichen sie ab. Man erreicht nun porösen Sandstein, schwarzen und braunen Sand, endlich eine Kiesschicht, die eigentliche Mutterschicht für das E., welches hier am reichlichsten auftritt. Damit ist auch erwiesen, daß im hannöverschen Gebiet die Verhältnisse ganz ähnlich liegen wie in Nordamerika. Im Deutschen Reich findet sich E. außerdem noch im Elsaß (Umgegend von Sulz unterm Wald) sowie in Bayern. In Frankreich ist der wichtigste Fundort Gabian im Departement Hérault, in Italien die Umgegend von Reggio, Modena und Bologna; auch findet sich E. in der Schweiz, Griechenland, Spanien, England, Schottland.

Gewinnung und Entstehung.

Man gewinnt das E. durch Brunnen oder Bohrlöcher. In Nordamerika teuft man einen 1,5-2 m weiten Schacht bis auf den anstehenden Fels ab und setzt in diesem das 8-10 cm weite Bohrloch an. Oft erreicht man schon bei 10, meist bei 20-70 m Tiefe das Öl. Die enorme Triebkraft, mit welcher das Öl anfänglich bisweilen emporgeschleudert wird (bis 20 m), verliert sich allmählich, und man fördert es dann durch eingesetzte Röhren mit Pumpen. Das Wasser, welches viele Bohrlöcher neben dem E. liefern, ist bald süß, bald salzig. Manche Bohrlöcher gaben täglich nur 1800-3600, andre zehnmal soviel, selbst 40,000 und 91,000 Lit. Einfacher ist die Gewinnung durch Brunnen, in denen sich das E., wie bei Rangun, sammelt; auch in Nordamerika ist diese Methode in einigen Distrikten anwendbar, und in Kanada ist der poröse Kalkstein zuweilen so stark mit E. imprägniert, daß man ihn ohne weiteres destillieren kann.

Das amerikanische rohe E. ist dunkel gefärbt, meist braun, vom spez. Gew. 0,75-0,925; es riecht von beigemengten Schwefel-, Arsen- und Phosphorverbindungen durchdringend widrig. Besonders das kanadische riecht sehr stark, ist rotbraun, schwerer (0,832-0,858) als das pennsylvanische (0,805-0,816), welches heller, dünnflüssiger, grünlich, ins Olivenbraune ziehend erscheint. Das Rangunöl ist bei auffallendem Licht gelbgrün, bei durchfallendem braun und butter-^[folgende Seite]