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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Erdpistazie - Erdschwein.

aber meist, wie die Pinge einer alten Berggrube, eingesunken erscheinen. Sie finden sich im Grobkalk von St.-Denis bei Paris, in der Kreide von Frankreich und England, insbesondere auch indem sogen. Kreidetuff von Maastricht im Limburgischen, wo sie nicht selten den unterirdischen Steinbruchbau gefährden. Ihre Bildung dürfte auf versinkende Tagewasser, welche die Kalkgesteine auflösen, zurückzuführen sein. Schutt, Sand und Thon werden dann in die schlammartige Höhle eingespült.

Erdpistazie, s. Arachis.

Erdpyramiden, schlanke Säulen und spitze Pyramiden aus lehmig-sandigem Material, welche an ihrer Spitze ein festeres, größeres Gesteinsfragment tragen, das bei nach abwärts fortschreitender Erosion als Schirm für den feinern Schutt, in welchem es ursprünglich begraben lag, gedient hat. Am bekanntesten sind die E. von Bozen (Südtirol), wo sie waldähnlich und bis 30 m hoch nebeneinander gestellt sind, sowie die von Colorado (s. Abbildung). Im kleinen läßt sich die Erscheinung nach jedem Platzregen an den Wänden derjenigen Hohlwege beobachten, welche in ein feines und lockeres, mit größern und festern Brocken untermengtes Erdreich einschneiden.

^[Abb.: Erdpyramiden in Colorado.]

Erdrauch, Pflanzengattung, s. Fumaria.

Erdrauchpflanzen, s. Fumariaceen.

Erdraupe, s. Eulen (Schmetterlinge).

Erdre (spr. erdr'), Fluß im franz. Departement Niederloire, entspringt in den Bergen von Maine, vereinigt sich unterhalb Nort mit dem Kanal von Nantes nach Brest, bildet weiterhin zwei Seen und mündet unter dem Namen Rivière de Barbin bei Nantes in die Loire. Seine Länge beträgt 105 km. Von Nort bis zur Mündung ist er schiffbar und wird besonders zum Transport von Getreide und Brennholz benutzt.

Erdrinde (Erdkruste), die Oberfläche der Erde bis zu ihrem angeblich feuerflüssigen Kern hinab.

Erdrose, s. Geum.

Erdrosselung (Strangulatio), gewaltsame Todesart, welche durch festes Anlegen eines einschnürenden Werkzeugs um den Hals bewirkt wird, indem jenes die Luftröhre zusammendrückt und das Atmen dadurch unmöglich macht. Zum Zweck des Selbstmordes wird die E. nur selten vorgenommen und führt dann nur ganz ausnahmsweise wirklich zu ihrem Ziel, weil die Einschnürung des Halses in der Regel sofort nachläßt, sobald der Selbstmörder bei herannahendem Verlust des Bewußtseins die Hände vom Strangulationswerkzeug zurückzieht. Im allgemeinen ist daher bei konstatierter E. zu vermuten, daß sie durch eine zweite Person zum Zweck des Mordes bewerkstelligt wurde. Der Erdrosselte stirbt den Erstickungstod, genau so wie ein Erhängter, durch Unterbrechung der Atmung. Es werden daher auch an und in der Leiche des Erdrosselten die gleichen Veränderungen angetroffen wie beim Erhängungstod (s. Erhängen). Am Hals wird sich unter Umständen eine Strangrinne zeigen, die jedoch auch fehlen kann. Sie wird nämlich dann vorhanden sein, wenn ein verhältnismäßig harter Körper (z. B. ein Hanfstrick) sehr fest um den Hals zusammengeschnürt wurde und mindestens einige Stunden lang nach erfolgtem Tod noch am Hals des Erdrosselten verblieb. Fehlen wird die Strangrinne, wenn das Strangulationswerkzeug sofort nach bewirktem Tod vom Hals wieder entfernt wurde, oder wenn ein weicher Gegenstand (seidenes Tuch, Flanellbinde) als Strangulationswerkzeug diente. In der Regel wird beim Erhängten die Strangrinne höher, nämlich in der Gegend des Zungenbeins, liegen, während sie beim Erdrosselten tiefer, etwa in der Mitte des Halses, angetroffen zu werden pflegt. Doch ist in der Beurteilung aller dieser Umstände die äußerste Umsicht und Zurückhaltung geboten, wenn man nicht in die verhängnisvollsten Irrtümer verfallen will. Übrigens werden am Leichnam der Erdrosselten in der Regel Spuren eines dem gewaltsamen Tod voraufgegangenen Kampfes oder die Spuren der am Hals eingedrückten Fingernägel des Mörders aufzufinden sein, wodurch die E. als solche erkannt und eine andre Todesart, namentlich die durch Erhängen, ausgeschlossen werden kann. Trifft man einen Erdrosselten, der noch nicht völlig erkaltet ist, so sind sofort Wiederbelebungsversuche einzuleiten. Vgl. Erhängen.

Erdscharre (Minenkratze), eine kurzstielige Hacke mit breitem, schaufelartigem Blatt zum Gebrauch beim Minenbau.

Erdschatten, s. Mondfinsternis.

Erdscheibe, Pflanzengattung, s. Cyclamen.

Erdschellack, s. Akaroidharz.

Erdschisch, Berg, s. Ardschisch 2).

Erdschlipfe (Bergschlipfe, Blaiken), s. Bergsturz.

Erdschwein (Erdferkel, Ameisenscharrer, Orycterŏpus (Geoffr.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Zahnlücker (Edentata) und der Familie der Erdschweine (Orycteropidae), plumpe Tiere mit dickem Körper, dünnem Hals, langem, schmächtigem Kopf, kegelförmiger Schnauze, kleinem Maul, walzenförmigen Zähnen von faseriger Struktur, langer, platter Zunge, langen Ohren, mittellangem Schwanz, kurzen, verhältnismäßig dünnen Beinen, an den Vorderfüßen mit 4, an den Hinterfüßen mit 5 sehr starken, großen, hufartigen Krallen. Das kapische E. (Orycteropus capensis Geoffr., s. Tafel "Zahnlücker"), 1 m lang, mit 85 cm langem Schwanz, ist ziemlich spärlich mit steifen, borstenartigen Haaren