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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Erzmarschall - Escayrac de Lauture.

aus erzführenden Gesteinen oder Lagerstätten in diluviale oder alluviale Schichten übergegangen sind und daraus vielfach gewonnen werden; aber auch Diamant und andre Edelsteine werden aus sekundären Ablagerungen ausgewaschen. Die Gold- und Platinagewinnung am Ural, die Goldproduktion Kaliforniens, Australiens und Afrikas, die Zinnproduktion auf den ostindischen Inseln Bangka, Billiton und auf Malakka beruhen wesentlich auf der Ausbeutung von Seifenlagern. Vgl. v. Cotta, Die Lehre von den E. (2. Aufl., Freiberg 1859; der zweite Teil besonders als "Die E. Europas", 1861); Derselbe, Gangstudien (mit H. Müller u. a., das. 1847-61, 3 Bde.); Grimm, Lagerstätten der nutzbaren Mineralien (Prag 1869); v. Dechen, Nutzbare Mineralien und Gebirgsarten im Deutschen Reich (Berl. 1873); v. Groddeck; Die Lehre von den Lagerstätten der Erze (Leipz. 1879); Sandberger, Untersuchungen über Erzgänge (Wiesb. 1882-85, 2 Tle.).

Erzmarschall, s. Erzämter.

Erzmetalle, s. Metalle.

Erzmittel, zwischen andern Gangarten oder Mitteln liegende Erze im engern Sinn.

Erzpanneramt, s. Erzämter.

Erzpfalz, früher Name der Rheinpfalz, weil sie die vornehmste Pfalz war und in späterer Zeit die Kurwürde auf ihr ruhte; daher führten die Kurfürsten von der Pfalz den Titel Erzpfalzgraf.

Erzpriester (Archipresbyter) ist der Name der an den Taufkirchen angestellten Priester, die in ihrer Dekanei die Aufsicht über die Pfarrer an den kleinern Kirchen sowie über die Verwaltung der zu denselben gehörigen Güter führen und die Dekanatsversammlungen leiten. Im Unterschied von den Dekanen der bischöflichen Kirche heißen die E. auch decani rurales oder Landdechanten. Noch heutigestags sind sie in der katholischen Kirche vielfach die Vermittler zwischen dem Bischof und seinem Diözesanklerus (doch ist der Titel E. auch zur bloßen Auszeichnung einzelner Geistlichen geworden, die an einer Bischofskirche fungieren).

Erzschatzmeister, s. Erzämter.

Erzschenk, s. Erzämter.

Erzstöcke, s. Erzlagerstätten.

Erzstufe, ein besonders schönes Stück eines Erzes, wie es sich für Sammlungen eignet.

Erzteufe, diejenige Teufe eines Gebirges, welche vorzugsweise reiche Erzausbeute liefert.

Erztruchseß, s. Erzämter.

Erzvater, s. Patriarch.

E. S., Meister, ein oberdeutscher Kupferstecher, welcher in den 60er Jahren des 15. Jahrh. thätig war und sich in Zeichnung und Formenbehandlung an die Schule der van Eyck anschloß. Die Bedeutung seiner auf zahlreichen Kupferstichen vorhandenen Initialen E. S. hat man bisher noch nicht ermitteln können. S. auch Kupferstecherkunst.

Es (ital. Mi bemolle, franz. Mi bémol, engl. E flat), das durch ♭ erniedrigte E. Der Es dur-Akkord = es g b; der Es moll-Akkord = es ges b. Über die Es dur-Tonart (ital. Mi^{b} maggiore etc.), 3 ♭ vorgezeichnet, und die Es moll-Tonart (ital. Mi^{b} minore etc.), 6 ♭ vorgezeichnet, s. Tonart.

Esa de Queiroz (spr. ke-iróhs), José Marie, portug. Schriftsteller, geb. 25. Nov. 1845 zu Povoa de Varzim, studierte Rechtswissenschaft in Coimbra, war eine Zeitlang als Redakteur einer Zeitung thätig, unternahm dann ausgedehnte Reisen (bis Ägypten und Syrien) und ging nach seiner Rückkehr als Konsul nach Havana, von wo er nach Jahresfrist in gleicher Eigenschaft nach Bristol übersiedelte. Als Schriftsteller hat sich E. besonders auf dem Gebiet des Romans hervorgethan und zwar im Geiste der naturalistischen Schule, die er in Portugal eingeführt hat. Wir heben von seinen Werken besonders die Sittenromane: "O crime do Padre Amaso" (1874, neue Bearbeitung 1880) und "O primo Basilio" (1877), nächstdem "O Mandarim" (1879) hervor. In Gemeinschaft mit Ramalho-Ortigão schrieb er: "O mysterio da estrada de Cintra"; auch war er an der satirischen Publikation "As Farpas" beteiligt. ^[Doppelartikel, vgl. den Artikel Quiroz, Meyers Band 13, Seite 522 (Geburtsjahr!).]

Esaias, s. Jesaias.

Esau (Esav, "der Haarige, Rauhe", oder Edom, "der Rote"), erstgeborner Sohn Isaaks und der Rebekka, Zwillingsbruder Jakobs, bekannt durch seine Streitigkeiten mit diesem. Die Rabbiner sehen in E. im Hinblick auf die Edomiter oder Idumäer einen Ausbund von List, Unredlichkeit, Unsittlichkeit. Die Mohammedaner nennen ihn auch Ais und schmücken seine Geschichte mit vielen Fabeln aus.

Esbjerg, Hafenplatz an der Westküste der dän. Halbinsel Jütland, Amt Ribe, mit (1880) 1529 Einw. Der Hafen wurde vom Staat mit großen Kosten in den Jahren 1868-74 angelegt, ist 4 m tief und der einzige von Bedeutung auf der ganzen Westküste Jütlands. E. ist Endpunkt der süd- und westjütländischen Eisenbahnlinien und namentlich Ausfuhrort für dänisches Vieh (1884: 27,537 Stück Rindvieh, 25,467 Schafe), meist nach England. Außerdem werden besonders Speck, Butter und Eier ausgeführt. Vom Ausland liefen 1884: 842 Schiffe von 64,504½ Ton. ein, 851 Schiffe von 65,449 T. aus. E. ist Sitz eines deutschen Konsulats.

Esbouquet, s. Eß-bouquet.

Escalier (franz., spr. -ljeh), Treppe; E. de dégagement, Geheimtreppe.

Escambia River, Fluß in Nordamerika, entspringt in Alabama und ergießt sich nach einem 225 km langen Lauf mit mehreren Armen in die seichte Pensacolabai. Er ist 150 km weit aufwärts schiffbar. Seine Ufer sind teils von Wäldern bedeckt, teils bestehen sie in niedrigem und fruchtbarem Lande, das sich trefflich zu Korn- und Reisbau eignet.

Escanaba, Dorf im nordamerikan. Staat Michigan, an der Mündung des E. in die Green Bay des Michigansees, mit Ausfuhr von Eisenerz und Holz und (1880) 3026 Einw.

Escandorguegebirge (spr. eskangdórgh-), s. Cevennen.

Escapade (franz.), Seitensatz oder Seitensprung eines Schulpferdes; mutwilliger, leichtsinniger Streich.

Escarpins (franz., spr. -päng), leichte Schuhe, besonders Tanzschuhe; en e., im Ballanzug, besonders in Schuhen, seidenen Strümpfen und kurzen Beinkleidern.

Escayrac de Lauture (spr. eskärack d'lotühr), Stanislas, Graf, franz. Reisender, geb. 6. Dez. 1830, besuchte 1847 Madagaskar, die Komoren und Sansibar, darauf Algerien und Ägypten sowie 1849 Kordofan und Takale, Berber und Suakin. 1850 nach Paris zurückgekehrt, schrieb er: "Notice sur le Kordofan" (1851); "Le Désert et le Soudan" (1853; deutsch, Leipz. 1865); "Mémoire sur le Ragle ou hallucination du désert" (1855); "Mémoires sur le Soudan" (1856) u. a. Im J. 1856 ernannte ihn der Vizekönig von Ägypten zum Führer einer großartigen Expedition zur Erforschung der Nilquellen, welche aber schon in Ägypten scheiterte. Darauf begleitete E. 1860 als Chef einer wissenschaftlichen Expedition die französischen Truppen nach China, wo er in Gefangenschaft geriet und schwere Mißhandlungen erdulden mußte. Er berichtete darüber in den "Mémoires sur la Chine" (Par.