Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Escher von der Linth; Escherny; Eschershausen; Eschke

842

Escherny - Eschke.

versammlung, im besondern an der Gründung des eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, und bekleidete seit 1854 die Stellung eines Vizepräsidenten des für dasselbe errichteten eidgenössischen Schulrats. Auch für die Hebung des schweizerischen Kredit- und Verkehrswesens war er thätig, die Nordostbahn wurde von ihm gegründet; vor allem aber ist seiner unermüdlichen Wirksamkeit das Zustandekommen des Gotthardunternehmens zuzuschreiben, an dessen Spitze er 1871 als erster Direktor trat. Gegen den dominierenden Einfluß, den E. trotz seines schon 1855 erfolgten Austritts aus dem Regierungsrat in seinem Heimatskanton ausübte, richtete sich die demokratische Bewegung in Zürich 1867-69. Die finanziellen Schwierigkeiten, in welche das Gotthardunternehmen wegen der zu niedrigen Kostenberechnungen geriet, vereint mit der Krisis der Nordostbahn, an welcher E. noch immer als Präsident des Verwaltungsrats beteiligt war, erregten gegen ihn einen Sturm der öffentlichen Meinung, vor welchem er sich 1878 von der Direktion der Gotthardbahn zurückzog. Dennoch wählte ihn Zürich nach wie vor in den Nationalrat. Er starb 6. Dez. 1882. Gegenwärtig wird ihm in Zürich ein Denkmal errichtet.

Escherny, François Louis, Graf d', franz. Schriftsteller, geb. 24. Nov. 1733 zu Neuenburg aus einer angesehenen Familie, begann, nachdem er seine Jugend halb in übertriebener Frömmigkeit verträumt, halb in sinnlichen Genüssen verschwärmt hatte, im 24. Lebensjahr sich den Wissenschaften zu widmen und gab sich nun abwechselnd bald den angestrengtesten Arbeiten, bald den Zerstreuungen des Lebens auf Reisen und an den Höfen zu Wien, Potsdam, Warschau und Petersburg hin, wo er allenthalben ein gern gesehener Gast war. Während eines Aufenthalts zu Motiers-Travers im Jura 1764 lernte er Rousseau kennen und schloß mit demselben eine innige und dauernde Freundschaft. Die Grundsätze der Revolution nahm er mit Enthusiasmus in sich auf, geriet aber trotzdem in Gefahr, vom rasenden Pöbel an die Laterne geknüpft zu werden, und rettete sich nur durch seine Geistesgegenwart. Im J. 1792 verließ er Paris und begab sich nach der Schweiz, kehrte aber 1795 dorthin zurück und starb 15. Juli 1815 daselbst. Seine erste Schrift: "Les lacunes de la philosophie" (Par. 1783), war eigentlich nur ein Bruchstück aus dem größern Werk, woran er 30 Jahre gearbeitet hat: "Le Moi humain, ou de l'égoisme et de la vertu" (das. 1791). Außerdem schrieb er: "Correspondance d'un habitant de Paris sur les événements de 1789, etc." (Par. 1791; neue Ausg. u. d. T.: "Tableau historique de la révolution", 1815, 2 Bde.); "De l'égalité, ou principes généraux sur les institutions civiles, politiques et religieuses" (das. 1796, 2 Bde.; neu aufgelegt u. d. T.: "Philosophie de la politique", das. 1798, 2 Bde.); "Mélanges de littérature, d'histoire, de morale et de philosophie" (das. 1809, 3 Bde.; neu aufgelegt u. d. T.: "Œuvres philosophiques, littéraires, historiques et morales", das. 1814, 3 Bde.) u. a. Sein "Éloge de Rousseau" wurde von Schelle ins Deutsche übersetzt (Leipz. 1799).

Eschershausen, Stadt im braunschweig. Kreis Holzminden, hat ein Amtsgericht, eine Pfarrkirche und (1885) 1443 evang. Einwohner.

Escher von der Linth, 1) Johann Konrad, einer der verdienstvollsten Schweizer der neuern Zeit, geb. 24. Aug. 1767 zu Zürich, war für den kaufmännischen Stand bestimmt, widmete sich aber 1787 in Göttingen wissenschaftlichen Studien, unternahm 1788 eine Reise nach Italien und trat hierauf wieder in das Geschäft seines Vaters, eines Kreppfabrikbesitzers. Im J. 1798 zum Mitglied der Züricher Landstände gewählt, trat er energisch den herrschenden Mißbräuchen entgegen. Nach der Gründung der Helvetischen Republik ward er Mitglied des Gesetzgebenden Rats und gab mit Usteri vom Februar 1798 bis zum März 1801 den "Schweizerischen Republikaner" heraus, eine Hauptquelle für die Schweizer Geschichte dieses Zeitraums. Das größte Verdienst erwarb er sich aber durch die Kanalisierung der Linth, welche die ganze Gegend zwischen Walen- und Zürichsee mit Versumpfung bedrohte. Nachdem er 1803 seine darauf bezüglichen Pläne vor die Tagsatzung gebracht, wurde er im folgenden Jahr mit der obersten Leitung der zu dem Werk nötigen Arbeiten beauftragt und unterzog sich seiner Aufgabe bis zu ihrer Vollendung (1822) mit rastlosem Eifer und der größten Uneigennützigkeit, während er auch auf die sittliche Bildung der Bewohner dieser Gegend durch Anlegung der Linthkolonie, einer Erziehungsanstalt für verlassene Kinder aus dem Kanton Glarus, segensreich wirkte. Auch das Flußbett der Glatt, die, aus dem Greifensee durch den Kanton Zürich in den Rhein fließend, oft austrat und beträchtlichen Schaden anrichtete, sowie das des Rheins bei Ragaz verbesserte er. Seit 1814 Mitglied des Züricher Staatsrats, starb er 9. März 1823. Die Regierungen von Zürich, Schwyz, Glarus und St. Gallen verliehen ihm und seinen Nachkommen den Ehrennamen von der Linth, und die Tagsatzung ließ ihm am Linthkanal ein Denkmal errichten. Mehrere Taschenbücher und Zeitschriften enthalten geognostische Aufsätze von ihm. Vgl. Hottinger, Hans Konrad E. (Zürich 1852).

2) Arnold, Geolog, Sohn des vorigen, geb. 8. Juni 1807 zu Zürich, studierte seit 1825 in Genf und Berlin, wo er namentlich bei L. v. Buch Aufnahme fand. Er bereiste einen großen Teil Deutschlands, besuchte 1830 fast alle geologisch wichtigen Punkte Italiens, ward 1834 Privatdozent an der Hochschule zu Zürich und begann 1836 großenteils mit Studer, auch mit Heer seine sehr vielseitigen und erfolgreichen Untersuchungen der Schweizer Alpen, insbesondere über deren Sekundärgebirge, aber auch über Gletscher etc. Sehr rege Beteiligung widmete er der geologischen Karte der Schweiz. Mit Martins (Montpellier) und Desor bereiste er Algerien, entdeckte im Atlas Jura- und Kreideschichten und ermittelte, daß die Sahara zum großen Teil erst in der posttertiären Zeit Wüste geworden, nachdem bis dahin eine Bedeckung durch das Meer stattgefunden, eine Thatsache, die zur Stütze der Theorie Eschers vom Einfluß der Saharawinde auf die Verminderung der Gletscher herbeigezogen wurde. Seit 1856 wirkte er als Professor der Geologie am Züricher Polytechnikum, zugleich aber widmete er seine Thätigkeit der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, der mineralogisch-geologischen Sammlung daselbst (später mit Mayer und Mösch) und vielen gemeinnützigen Bestrebungen. Er starb 12. Juli 1872. Von seinen Publikationen sind besonders wichtig: die Carte géologique de la Suisse und die geologische Übersichtskarte der Schweiz, beide mit Studer herausgegeben (Winterth. 1853, 2. Aufl. 1867). Vgl. Heer, Arnold E. (Zürich 1873).

Eschke, Hermann, Maler, geb. 6. Mai 1823 zu Berlin, kam 1840 in das Atelier des Professors W. Herbig und besuchte von 1841 bis 1845 die Akademie. Bis 1848 arbeitete er im Atelier des Marinemalers W. Krause und bildete sich 1849-50 in Paris bei Le Poittevin weiter in der Marinemalerei aus. Im J. 1850 bereiste er Südfrankreich und die Pyrenäen