Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Esclavage; Esclavo, el; Escobar y Mendoza; Escoiquiz; Escompte; Escoriál; Escorials; Escosūra

844

Esclavage - Escosura.

E. sind die nahen Steinkohlenlager anzusehen, die, mit Schächten bis zu 390 m Tiefe, eine vorzügliche Backkohle enthalten und in unmittelbarer Nähe der Stadt in den Gruben Centrum und Ichenberg (2 Mill. metr. Ztr. Kohlen jährlich) abgebaut werden. Die Steinkohlenwerke sind insofern merkwürdig, als hier 44 Flöze (die kleinern von 10-20 cm Dicke ungerechnet) in einer Mulde liegen. E. besteht aus der eigentlichen Stadt, mehreren Dörfern und vielen Fabrikanlagen mit besondern Namen.

Esclavage (franz., spr. -wahsch), Sklaverei; bis auf die Brust niederhängende Kette, als Damenschmuck.

Esclavo, el, span. Maler, s. Pareja.

Escobar y Mendoza, Antonio, gelehrter Jesuit, geb. 1589 zu Valladolid, gest. 1669; hat sich besonders als Moralist und Kasuist einen Namen gemacht. Seine Hauptwerke (40 Foliobände), worunter ein "Liber theologiae moralis" (1646), sind oft aufgelegt und übersetzt worden. Nach ihm heißt eskobardieren s. v. w. schlau auslegen, deuten, sich feiner Lügen bedienen.

Escoiquiz (spr. -kīs), Don Juan, span. Staatsmann, geb. 1762 aus einer altadligen Familie in Navarra, ward Kanonikus zu Saragossa und Lehrer des Prinzen von Asturien, des nachmaligen Königs Ferdinand VII. Infolge seiner Opposition gegen den Friedensfürsten Godoy nach Toledo verwiesen, blieb er auch von hier aus in fortwährender Verbindung mit dem Prinzen von Asturien und veranlaßte denselben zur Empörung gegen seinen Vater. Als der Prinz 1808 als Ferdinand VII. den Thron bestieg, wurde E. Staatsrat. Er riet zu der Reise nach Bayonne, die den König in die Hände Napoleons brachte, begleitete Ferdinand selbst dahin und, als derselbe wider E.' Willen der Krone entsagt hatte, auch nach Valençay, ward aber bald darauf nach Bourges verwiesen. Im Dezember 1813 leitete er zu Valençay die Verhandlungen zwischen Napoleon und Ferdinand VII., in deren Folge letzterer nach Madrid zurückkehren durfte. Hier in Ungnade gefallen, ward E. nach einem festen Schloß in Murcia in Haft gebracht, noch einmal zurückgerufen, aber von neuem nach Andalusien verbannt und starb 19. Nov. 1820. Seine "Idea sencilla etc." (1808), eine Darlegung der Gründe, welche Ferdinand VII. bewogen, sich nach Bayonne zu begeben, wurde in alle Sprachen übersetzt, in das Französische von Fr. Bruand (Par. 1816). Er ist Verfasser eines epischen Gedichts: "Die Eroberung Mexikos" (Madr. 1801), und übersetzte Youngs "Nachtgedanken", Miltons "Verlornes Paradies" u. a. ins Spanische.

Escompte (franz.), s. Eskompte.

Escoriál (el E., oft unrichtig Escurial), Ortschaft in der span. Provinz Madrid, 52 km nordwestlich von Madrid, an der Spanischen Nordbahn, am Südabhang des Guadarramagebirges, in unfruchtbarer Gegend, besteht aus zwei unbedeutenden Flecken, dem ältern C. de Abajo und dem neuern, höher gelegenen und gut gebauten E. de Arriba, zusammen mit (1878) 762 Einw. Neben letzterm liegt (1130 m hoch) das berühmte Hieronymitenkloster San Lorenzo, gewöhnlich el E. genannt, die Nekropolis der spanischen Könige, ein kolossaler Bau, welcher Palast, Kloster und Totengruft in sich vereinigt. König Philipp II. ließ denselben infolge eines in der Schlacht von St.-Quentin (10. Aug. 1557, am Tag des heil. Laurentius) gemachten Gelübdes durch die Baumeister Juan de Toledo und Juan de Herrera 1559-84 mit einem Kostenaufwand von 5,260,570 Dukaten erbauen. Im Hinblick auf die Legende des Märtyrers erhielt das Gebäude die Gestalt eines Rostes. Das ungeheure, 193 m lange, 174 m tiefe und 30 m hohe Gebäude hat nicht weniger als 1100 Fenster, ist ganz aus dunkelgrauem Granit hergestellt und macht einen einförmigen, kalten Eindruck. Der hervorragendste Teil des Bauwerks ist die Kirche, ein dorischer, tonnengewölbter Bau, der sich mit der Kuppel 95 m hoch erhebt, unter seinen zahlreichen Altargemälden einige schöne Kunstwerke (eine Grablegung Christi von Ribera, eine Kreuzabnahme von Albr. Dürer), ferner Deckengemälde von Luca Giordano, ein prachtvolles weißmarmornes Christusbild von Benvenuto Cellini und das Meisterwerk der Prozession einer Hostie von Coello (1690) enthält. Unterhalb der Kirche befindet sich das Panthéon, die Grabstätte der spanischen Könige, worin sich 26 Grabmäler von Königen und Königinnen, beginnend mit Karl V., befinden. Daneben liegt das Panthéon der Infanten und der kinderlos verstorbenen Königinnen. Hier ruht auch Don Juan d'Austria, der Sieger von Lepanto. Bemerkenswert ist noch die zum Kloster führende große Stiege mit Fresken von Giordano, ferner die prachtvolle, reichhaltige Bibliothek, die 130,000 Bände und über 4000 meist arabische Manuskripte enthält. Einen Katalog derselben lieferte Casiri in seiner "Bibliotheca arabico-hispanica" (Madr. 1760-1770, 2 Bde.). An der Südseite dehnt sich der große Park aus mit einem modernen Lustschloß, Casita del Principe. Gegenwärtig wohnen nur wenige Geistliche und Kustoden in den weiten Räumen. In einem Nachbargebäude (einem ehemaligen Nonnenkloster) ist eine Forstingenieurschule untergebracht. Im Ort E. befindet sich auch eine neuangelegte Schokoladefabrik. 1808 war das E. der Schauplatz der Verschwörung des Prinzen von Asturien (nachmaligen Königs Ferdinand VII.) gegen seinen Vater Karl IV. Vgl. Rotondo, Historia del monasterio de San Lorenzo (Madr. 1856-61).

Escorials, s. Schaf.

Escosūra, Don Patricio de la, span. Schriftsteller und Staatsmann, geb. 5. Nov. 1807 zu Madrid, siedelte mit seinem Vater, der im Heer des Generals Castaños diente, nach Lissabon und dann nach Valladolid über und war seit 1820 zu Madrid Schüler des berühmten Lista in der Dichtkunst und Mathematik. Mitglied des politischen Geheimbundes der Numantinos, mußte er 1824 flüchten, setzte zu Paris unter Lacroix seine mathematischen Studien fort, kehrte 1826 nach Madrid zurück, trat in das Artilleriekorps und wurde 1829 Offizier. Als solcher trat er mit den historischen Romanen: "El conde de Candespina" (Madr. 1832) und "Ni rey ni roque" (das. 1835) hervor. 1834, als karlistischer Gesinnung verdächtig, nach Olvera verbannt, jedoch im nächsten Jahr zurückgerufen, wurde er vom General Cordova zum Adjutanten und Sekretär ernannt. Um diese Zeit verfaßte er sein episches Gedicht "El bulto vestido de negro capuz". Als nach dem Aufstand von San Ildefonso Cordova sein Kommando niederlegte, trat auch E. aus dem Dienst und widmete sich nun der dramatischen Produktion. Er debütierte 1837 mit dem Stück "La corte de Buen-Retiro", dem "Bárbara Blomberg" u. a. folgten, und führte zu gleicher Zeit die Redaktion der Zeitschrift "El Eco de la razon y de la justicia". 1839 wurde er politischer Chef von Guadalajara, welche Stadt er im September 1840 an der Spitze der Ingenieurschüler mutig im Interesse der Regentin gegen Espartero verteidigte. Deshalb nach Frankreich zu flüchten genötigt, schrieb er in Paris fast allein den spanischen Text zu dem