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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Es moll; Esmarch; Esmarkit; Esménard; Esmeralda; Esmeraldas; Esneh; Esoterisch

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Esmarch - Esoterisch.

Esmarch, 1) Heinrich Karl, schleswig. Patriot, geb. 4. Sept. 1792 zu Holtenau bei Kiel, trat 1813 in den Staatsdienst, fungierte seit 1830 als Rat im schleswigschen Obergericht und beteiligte sich seit 1844 als Mitglied der schleswigschen Ständeversammlung lebhaft an der Opposition gegen die dänischen Übergriffe. Bei der Erhebung von 1848 bewies er große Thätigkeit und suchte als Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung die Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund zu bewirken. 1852 seines Amtes entsetzt und von der Amnestie ausgeschlossen, fand er in Preußen als Rat beim Appellationsgericht zu Greifswald, 1857 in Frankfurt a. O. eine Anstellung; er starb 15. April 1863 daselbst. Außer zahlreichen Flugschriften im Interesse der schleswig-holsteinischen Angelegenheit veröffentlichte er mehrere treffliche Schriften über das schleswigsche Partikularrecht.

2) Friedrich, Mediziner, geb. 9. Jan. 1823 zu Tönning, studierte seit 1843 in Kiel und Göttingen, wurde 1846 Assistent Langenbecks am chirurgischen Hospital zu Kiel und machte die Feldzüge in Schleswig-Holstein von 1848 bis 1850 zuerst als Offizier, dann als Arzt mit. Nachdem er sich 1849 als Privatdozent in Kiel habilitiert, trat er 1851 eine wissenschaftliche Reise nach Prag, Wien, Paris und Brüssel an, ward 1854 Direktor der chirurgischen Klinik in Kiel und 1857 ordentlicher Professor. Im Krieg von 1864 erwarb er sich große Verdienste um die Lazarette auf dem Kriegsschauplatz; 1866 ward er nach Berlin in die Immediat-Lazarettkommission berufen und übernahm die Oberleitung der chirurgischen Thätigkeit in den Berliner Lazaretten. Im J. 1870 zum Generalarzt und konsultierenden Chirurgen der Armee ernannt, wirkte er zunächst in Kiel und Hamburg bei der Organisation der freiwilligen Hilfe und später in Berlin als konsultierender Chirurg bei dem großen Barackenlazarett auf dem Tempelhofer Feld. Nach dem Frieden kehrte er in seine Stellung in Kiel zurück. E. hat sich große Verdienste um die Kriegschirurgie und das Lazarettwesen erworben, auch ein Verfahren erfunden, um Gliedmaßen, an welchen eine Operation vorgenommen werden soll, künstlich blutleer zu machen, so daß die größten Operationen an denselben ohne Blutverlust ausgeführt werden können (in Volkmanns "Sammlung klinischer Vorträge", Leipz. 1873). In neuester Zeit war er für die Einführung von Samariterschulen in Deutschland thätig. Er ist in zweiter Ehe seit 1872 mit Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (geb. 1833) vermählt. E. schrieb: "Über Resektionen nach Schußwunden" (Kiel 1851); "Beiträge zur praktischen Chirurgie" (das. 1853-60); "Über chronische Gelenkentzündung" (2. Aufl., das. 1867); "Verbandplatz und Feldlazarett" (2. Aufl., Berl. 1871); "Über den Kampf der Humanität gegen die Schrecken des Kriegs" (Kiel 1869); "Der erste Verband auf dem Schlachtfeld" (2. Aufl., das. 1870; mehrfach übersetzt); "Über Vorbereitung von Reservelazaretten" (Berl. 1870); "Über Gelenkneurosen" (Kiel 1872); "Die Krankheiten des Mastdarms" (Erlang. 1873); "Die erste Hilfe bei Verletzungen" (Hannov. 1875); "Handbuch der kriegschirurgischen Technik" (3. Aufl., das. 1885-86, 2 Bde.); "Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen" (Leipz. 1882) und "Über elefantiastische Formen" (mit Kulenkampff, Hamb. 1885, mit Tafeln).

3) Karl, Sohn von E. 1), namhafter Rechtslehrer, geb. 3. Dez. 1824 zu Sonderburg, focht 1848-51 in der schleswig-holsteinischen Armee mit und habilitierte sich sodann als Dozent zu Göttingen. 1855 wurde er als ordentlicher Professor des römischen Rechts nach Krakau, 1857 in gleicher Eigenschaft nach Prag berufen. Seine Hauptwerke sind: "Römische Rechtsgeschichte" (Götting. 1856; 2. Aufl., Kassel 1877-80) und "Grundsätze des Pandektenrechts" (Wien 1859-60). Auch hat er anonym oder pseudonym (Karl von Alsen) einige poetische Arbeiten veröffentlicht, wie: "Der Sieg von Bornhöved" (Kiel 1847); "Der Hort der Dichtung" (Leipz. 1853); "Aus alten und neuen Tagen" (Berl. 1861); "Knud Laward" (Hamb. 1865).

Esmarkit, s. Datolith.

Esménard (spr. -nár), Joseph Alphonse, franz. Dichter, geb. 1770 zu Pelissane in der Provence, wanderte nach dem 10. Aug. 1792 aus, machte weite Reisen, kehrte 1797 zurück, mußte aber bis 1799 aufs neue Frankreich meiden. Dann machte er Reisen nach San Domingo und Martinique mit, ward unter dem Kaiserreich Zensor und Chef der Abteilung für Buchhandel und Zeitungen auf dem Generalpolizeibüreau und 1810 Mitglied des Instituts; starb 25. Juni 1811 auf der Rückkehr von Italien, wohin er vom Kaiser wegen eines Rußland verletzenden Aufsatzes verbannt worden war. Seinen Ruf verdankt er dem beschreibenden Gedicht "La Navigation" (1805, 2 Bde.; verkürzte Ausg. 1806), das hübsche Schilderungen aus seinen Reisen in eleganten und korrekten Versen enthält, aber auch vielfach an Eintönigkeit leidet. Seine Oper "Trajan" (1807) ward wegen der Anspielungen auf Napoleon sehr beifällig aufgenommen; weltbekannt wurde die von ihm und Jouy verfaßte Oper "Fernand Cortez" durch Spontinis Komposition (1809). Seine in der "Couronne poétique de Napoléon" (1807) veröffentlichten kleinen Gedichte lassen sich oft zu unwürdiger Schmeichelei herab.

Esmeralda (span.), Smaragd; eine Art Kontertanz von lebhafter Bewegung, wie Ekossäse.

Esmeraldas, Provinz von Ecuador in Südamerika, am Stillen Ozean, mit heißem, feuchtem, an der Küste ungesundem Klima und fast noch ganz mit Urwald bedeckt. Die Provinz hat ein Areal von 13,550 qkm (246,1 QM.) mit etwa 10,000 Einw., von denen viele Neger. Tabak, Kakao sind Hauptprodukte. Gold kommt vor, und Sassaparille, Kautschuk und Balsam werden in den Wäldern gesammelt. Die Hauptstadt gleichen Namens liegt 16 km oberhalb der Mündung des Flusses E. und ist für Schiffe von 5 m Tiefgang zugänglich.

Es moll, s. Es.

Esneh (Sne), Hauptort der gleichnamigen Mudirieh in Oberägypten (861,6 qkm Kulturfläche mit 1882: 237,961 Einw.), am linken Ufer des Nils, zwischen Keneh und Assuân, mit früher 30,000, jetzt kaum 10,000 Einw., hat eine katholische Mission und durch die Dar Fur- und Senaar-Karawanen erheblichen Handel, besonders mit Dromedaren, welche die in der benachbarten Wüste nach dem Roten Meer zu wohnenden Ababdeh züchten, sowie Fabrikation von blauen Baumwollenstoffen, Shawls und Töpferwaren. Dabei Ruinen des alten Latopolis; erhalten sind noch ein schöner, von 24 herrlichen Säulen getragener Portikus vom großen Tempel des Kneph und ein Teil des Kais.

Esoterisch (griech.), "innerlich", im Gegensatz zu exoterisch; dann s. v. w. geheim. Die Ausdrücke e. und exoterisch gingen aus den Mysterien der Alten in die Philosophenschulen über. Wie man dort geheime Lehren für die Eingeweihten hatte, so sollen mehrere alte Philosophen (Pythagoras, Platon, Aristoteles u. a.) gewisse Lehren nur ihren vertrautern Schülern mitgeteilt, den übrigen vorenthalten haben.