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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Essen; Essence; Essener; Essential

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Essen - Essential.

Slawonien dem Königreich Ungarn einverleibt wurde, ward bei dem zum Dorf herabgesunkenen Mursia das feste Schloß Osjek erbaut. 1526 wurde E. von den Türken besetzt, die 1560 über den an 8 km langen Sumpf von mehr als 20,000 Christensklaven eine befestigte Brücke schlagen ließen, welche durch Niklas Zrinyi 1664 zerstört, aber von den Türken bald wiederhergestellt ward. Am 29. Sept. 1687 kam E. wieder unter die Herrschaft Österreichs, wurde 1712 zu einer Festung umgeschaffen und 1809 zur königlichen Freistadt erhoben. In E. fanden wiederholt Ausgrabungen von römischen Altertümern statt.

Essen, Stadt und Stadtkreis im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, 79 m ü. M., in fruchtbarer Gegend, Mittelpunkt des Ruhrkohlengebiets und Knotenpunkt der Linien Ruhrort-Dortmund-Holzwickede, Werden-E., E.-Bismarck-Herne, E.-Bochum-Herne, Hochfeld-Bochum-Langendreer und E.-Altenessen der Preußischen Staatsbahn, ist ein mächtig aufblühender Fabrikort mit 6 katholischen und 2 evang. Kirchen, einer Synagoge und einem neuen, in reichstem gotischen Stil erbauten Rathaus. Eine der katholischen Kirchen, das "Münster", mit reicher Schatzkammer und trefflichen Gemälden, 873 gestiftet, ist eine der kunsthistorisch merkwürdigsten Kirchenanlagen, deren interessantester Teil zwischen der Westseite des schlicht gotischen Langhauses und einem Vorhof liegt. Aus dem 10. Jahrh. stammend, hat es große Ähnlichkeit mit der Pfalzkapelle in Aachen, im Äußern ein Achteck zwischen zwei polygonen Ecktürmen, aber kein selbständiger, ganzer Kuppelbau, sondern nur ein von drei Seiten des Achtecks gebildeter Halbkuppelbau. Unter dem östlichen der beiden Chöre eine 1051 geweihte Krypte. An jenen westlichen Vorhof schließt sich westlich eine kleine, dem Täufer Johannes geweihte Taufkirche an. Bei der kürzlich vorgenommenen Restauration haben sich noch bedeutende Malereien aus dem 12. und 14. Jahrh. vorgefunden, darunter Darstellungen aus dem Leben der Heiligen Kosmas und Damian. Im Domschatz sind merkwürdig ein siebenarmiger Leuchter von 972 als Nachbildung des Salomonischen Leuchters im Tempel zu Jerusalem sowie vier Prachtkreuze mit Email und Edelsteinen und zahlreiche Monstranzen. Die Einwohnerzahl beträgt (1880) 56,944 (1885: 65,074), darunter 20,466 Evangelische, 35,368 Katholiken und 942 Juden. E. ist Mittelpunkt eines sehr bedeutenden Steinkohlenbergbaues. Im Stadtgebiet wurden 1884 durch 2640 Arbeiter 800,000 Ton. Kohlen gefördert, die einen Wert von 3,720,000 Mk. repräsentierten. Unter den Etablissements nimmt die Kruppsche Gußstahlfabrik die erste Stelle ein (s. Krupp). Außerdem hat E. zwei bedeutende Puddlings- und Walzwerke, Maschinen- und Dampfkesselfabrikation, Fabriken in Kunstwolle, Tabak, Zigarren, Stöcken, Essig und betreibt Färberei, Bierbrauerei etc. Der früher bedeutende Bergbau auf Eisenstein ist zurückgegangen. Die Reichsbankstelle nebst den davon ressortierenden Nebenstellen hatte 1884 einen Umsatz von 643 Mill. Mk., die Essener Kreditanstalt einen solchen von 600 Mill. Mk. E. hat ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine höhere Bürgerschule, eine Bergschule, eine Taubstummenschule und eine Idiotenanstalt. Es erscheinen 4 Zeitungen, darunter die "Rheinisch-Westfälische Zeitung". E. ist Sitz des Landratsamtes für den Landkreis E., eines Landgerichts (für die 8 Amtsgerichte zu Bochum, Borbeck, E., Gelsenkirchen, Hattingen, Steele, Wattenscheid und Werden) und zweier Eisenbahnbetriebsämter E. war ehemals der Sitz einer Benediktiner-Frauenabtei, welche 873 vom Bischof Alfred von Hildesheim als Nonnenkloster gestiftet und 1275 in eine reichsunmittelbare, gefürstete Frauenabtei umgewandelt wurde, die aber auch 20 Stiftsherren enthielt. Das Kapitel bestand aus 10 Prinzessinnen und Gräfinnen; die Äbtissin, welche meist einem regierenden Haus entnommen wurde, hatte als Reichsfürstin Sitz und Stimme auf der rheinischen Prälatenbank. Das Gebiet der Abtei umfaßte auf 110 qkm (2 QM.) die beiden Städte E. und Steele und mehrere Dörfer. Sie wählte 1275 den König Rudolf zum Schirmvogt; später erhielten die Grafen von der Mark, 1495 die Herzöge von Jülich-Kleve-Berg und 1609 die Kurfürsten von Brandenburg die Schirmvogtei. Infolge des Lüneviller Friedens 1801 wurde das Stift säkularisiert, kam 1803 an Preußen, ward 1807 mit dem Großherzogtum Berg vereinigt, 1814 aber als erbliche Besitzung an Preußen zurückgegeben. Vgl. Funcke, Geschichte des Fürstentums und der Stadt E. (Elberf. 1851); "Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift E." (Essen 1882 ff.).

^[Abb.: Wappen von Essen.]

Essen, Hans Henrik, Graf von, schwed. Reichsmarschall, geb. 1755 zu Kaflås in Westgotland aus einer alten livländischen Familie, ward 1783 König Gustavs III. Begleiter auf dessen Reisen durch Italien, Frankreich und Deutschland und 1788 auf dem Feldzug in Finnland, nach welchem er für die von ihm bewerkstelligte Entsetzung des von den Norwegern bedrohten Gotenburg zum Obersten und Kommandanten der reitenden königlichen Garde ernannt wurde. Von dem Mordanschlag auf Gustav III. unterrichtet, suchte er ihn vergeblich von dem unglücklichen Maskenball zurückzuhalten. 1795 begleitete er den Herzog von Södermanland nach Petersburg, wurde nach seiner Rückkehr Oberstatthalter von Stockholm und lebte dann seit 1797 auf seinen Gütern in Upland. Von Gustav IV. Adolf 1800 zum Oberbefehlshaber in Pommern und Rügen ernannt, verteidigte er 1807 dritthalb Monate lang Stralsund und schloß endlich einen ehrenvollen Waffenstillstand mit dem französischen Marschall Mortier. Als der König die Anführung des Heers selbst übernahm, ging E. abermals auf seine Güter. Von Karl XIII. 1809 zum Staatsrat und Grafen erhoben, schloß er 6. Jan. 1810 zu Paris den Frieden mit Frankreich, durch welchen Schweden wieder in den Besitz von Pommern kam. Als Kommandant des zweiten gegen Norwegen bestimmten Armeekorps 1814 wurde er zum Feldmarschall ernannt. Nach der Vereinigung beider Reiche wurde er Reichsstatthalter in Norwegen und Kanzler der Universität zu Christiania, 1816 Wirklicher Reichsmarschall und 1817 Generalgouverneur in Schonen. Er starb 28. Juli 1824.

Essence (franz., spr. ãngs), Essenz (s. d.); E. d'Orient, E. de perles, s. v. w. Perlenessenz; E. de Mirbane, s. v. w. Nitrobenzol.

Essener, s. v. w. Essäer.

Essential (essentiell, lat.), wesentlich, unumgänglich notwendig. Essentialia (Essentialien), wesentliche Dinge, wesentliche Bestandteile; essentialia ne-^[folgende Seite]