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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Estella; Estepa; Estepona; Ester; Estérel; Esterházy von Galantha

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Estella - Esterházy von Galantha.

dem erzbischöflichen Gericht annulliert. Dessen ungeachtet betrachtete der Herzog Lady Augusta als seine Gemahlin, und diese gebar 11. Aug. 1801 noch eine Tochter, Augusta Emma. Erst später trennten sich die Ehegatten; ihre beiden Kinder erhielten den Stammnamen d'E., die Mutter ward zur hannöverschen Gräfin erhoben, nahm 1806 den Titel d'Ameland an und genoß eine Jahresrente von 4000 Pfd. Sterl.; sie starb 5. März 1830 in Rom. Als dem Herzog von Sussex sich nach und nach Aussichten auf die Thronfolge eröffneten, nahm Augustus Frederick von E., der unterdes Oberst geworden war, die Rechte eines legitimen Kindes und somit die Würde eines Prinzen von Großbritannien und Hannover in Anspruch. Die Frage war von Wichtigkeit, denn die ältern Söhne Georgs III. waren kinderlos gestorben, der Herzog von Kent hatte nur eine Tochter (die jetzige Königin Viktoria von Großbritannien) und der Herzog von Cumberland, der als Ernst August den Thron von Hannover bestiegen hatte, nur einen Sohn, der kaum Nachkommen erwarten ließ. Nachdem einige englische Schriftsteller die Frage beleuchtet hatten, traten Klüber ("Abhandlungen für Geschichtskunde etc.", Bd. 2, Frankf. 1834) und Zachariä (Heidelb. 1834) für den Obersten von E., Schmid in Jena (Jena 1835) und Eichhorn (Berl. 1835) gegen ihn auf. Beim Tode des Herzogs von Sussex 1843 kam die Frage von neuem zur Sprache, doch wurde der Oberst auf Grund des königlichen Ehegesetzes mit seiner Klage abgewiesen. Er starb unverheiratet 28. Dez. 1848; seine Schwester vermählte sich 1845 mit Sir Thomas Wilde, späterm Lord Truro, der 1855 starb; sie selbst starb kinderlos 21. Mai 1866.

Estella (spr. -ellja), Bezirksstadt in der span. Provinz Navarra, im wein- und ölreichen Thal des Ega, ein von den Römern gegründeter Ort mit einem festen Kastell und (1878) 6749 Einw. Der Ort war seit 1871 Mittelpunkt der militärischen Stellung der Karlisten in Navarra und Hauptquartier des Don Karlos. Die republikanischen Truppen unter Concha versuchten die Positionen der Karlisten nach dem Entsatz von Bilbao zu erstürmen (Ende Juni 1874), wurden aber zurückgeworfen, wobei Concha fiel. Ein neuer Angriff nach Alfons' XII. Thronbesteigung während dessen Anwesenheit beim Heer Anfang 1875 mißlang ebenfalls; erst 16. Febr. 1876, nachdem die Regierungstruppen unter General Primo de Rivera die Stadt umzingelt und das Bombardement begonnen hatten, ergab sie sich auf Gnade und Ungnade.

Estepa, Bezirksstadt in der span. Provinz Sevilla, in bergiger, olivenreicher Gegend, mit schöner Kirche (ehemals Moschee) und (1878) 8190 Einw.; war zur Maurenzeit eine wichtige Festung.

Estepona, Hafen- und Bezirksstadt in der span. Provinz Malaga, am Fuß der Sierra Bermeja, mit (1878) 9994 Einw., welche Fischfang, Obst-, Wein- und Zuckerrohrbau, ferner Korkwarenerzeugung treiben.

Ester, s. v. w. zusammengesetzte Äther, z. B. Essigsäure-Äthyläther.

Estérel (Monts d'E.), Gebirgszug in Südfrankreich, in den Departements Var und Seealpen, welcher an der Mittelmeerküste von Cannes bis Draguignan reicht, südwestlich durch das Thal des Argens von den Monts des Maures geschieden wird und 616 m Höhe erreicht. Er ist teilweise bewaldet (Föhren, Korkeichen), im übrigen unfruchtbar, bildet malerische Vorgebirge gegen das Meer und wird von der Eisenbahn Marseille-Nizza in mehreren Tunnels durchbrochen.

Esterházy von Galantha (spr. -hasi), eins der mächtigsten und reichsten Adelsgeschlechter Ungarns, das seinen sagenhaften Ursprung von Estoraz, angeblichem Abkömmling Attilas, der um 969 in der Taufe den Namen Paul erhalten haben soll, ableitet. 1238 teilte sich die Familie in die beiden Linien Zerház und Illesházy, welch letztere 1838 mit dem Grafen Stephan im Mannesstamm erlosch. Die erstere erwarb sich 1421 durch Diplom Kaiser Siegmunds die Herrschaft Galantha im Preßburger Komitat. Die Nachkommen Franz' IV. stifteten 1594 die drei noch bestehenden Linien: Csesznek, Zolyom oder Altsohl und Fraknó oder Forchtenstein, welche im 17. Jahrh. in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. Der Begründer der Bedeutung des Hauses ist Nikolaus, Stifter der Hauptlinie Forchtenstein (geb. 1582, gest. 1645), Palatin Ungarns und der berühmteste Staatsmann unter der Legitimisten- und Katholikenpartei. Die Linie Fraknó teilte sich wieder in die von Papa und von Fraknó, welch letztere von Kaiser Leopold I. 1687 die reichsfürstliche Würde erhielt. Durch die Erwerbung der Herrschaft Edelstetten in Franken wurde der Fürst 1804 Reichsstand, doch kam 1806 die Grafschaft unter bayrische Hoheit. Das gräfliche Haus E. besteht jetzt aus drei Linien: Forchtenstein, aus der Linie Papa, Hallewyl und Altsohl. Die namhaftesten Glieder der Familie sind:

1) Paul IV., Fürst, Graf in Fraknó und Beregh, österreich. General, geb. 7. Sept. 1635 zu Eisenstadt, ward im 20. Jahr Gouverneur von Ödenburg, im 30. Feldmarschall und zeichnete sich im Türkenkrieg, besonders in der Schlacht von St. Gotthardt, 1664 aus. 1681 zum Palatin von Ungarn erwählt, erhielt er nach dem Frieden den Oberbefehl an der türkischen Grenze und unterdrückte die Partei Tökölys. Auch an der Befreiung Wiens 1683 hatte er großen Anteil, entriß 1686 den Türken Ofen und trug viel zur Befestigung der habsburgischen Herrschaft in Ungarn bei, wofür er 1687 in den Reichsfürstenstand erhoben ward und später das Recht erhielt, Münzen mit seinem Bildnis zu prägen und zu adeln. Er starb 26. März 1713. E. war Freund und Beförderer der Wissenschaften.

2) Nikolaus Joseph, Fürst, Graf von Forchtenstein, k. k. Geheimrat und Feldmarschall, Enkel des vorigen, geb. 18. Dez. 1714, war Gesandter an mehreren Höfen und zeichnete sich im österreichischen Erbfolgekrieg, namentlich 1745 an der Spitze von 12,000 Mann Ungarn in Schlesien, 1757 bei Kolin, aus, wurde 1765 Kommandeur des Theresienordens und 1768 Feldmarschall, ist aber besonders als Beförderer der Wissenschaften und Künste, so z. B. durch großartige Bauten, bemerkenswert. Aus der von ihm zu Eisenstadt errichteten Musikschule gingen Haydn und Pleyel hervor. Er starb 28. Sept. 1790.

3) Nikolaus IV., Fürst, österreich. Feldmarschall, Enkel des vorigen, geb. 12. Sept. 1765, bereiste in seiner Jugend fast ganz Europa, nahm sodann österreichische Kriegsdienste und stieg bis zum Feldzeugmeister empor, ward aber später vorwiegend in diplomatischen Geschäften gebraucht. Als die französischen Armeen 1797 die Erbstaaten des Kaisers bedrohten, bewirkte er eine Bewaffnung seiner Unterthanen und stellte 1809 abermals ein Freiwilligenkorps von 1000 Mann als schlagende Antwort auf Napoleons I. Proklamationen von 1805 und 1809, die ihn als Wahlkönig Ungarns vorschlugen. Er ist der Gründer der bedeutenden Gemäldesammlung in dem vom Fürsten Kaunitz gekauften Gartenpalast in der Wiener Vorstadt Mariahilf. Schrankenloser Aufwand brachte seine riesigen Güter unter Sequester. Er starb 25. Nov. 1833 in Como.