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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Estropieren - Etampes.

keine Spur der Ramme mehr sichtbar ist. Nachdem diese Masse mit weißem Wachs gehörig geglättet worden, kann man Felder oder Verzierungen andrer Art in 1 cm Vertiefung in dieselbe eingraben, welche mit einem Kitt aus Kalk, gefärbtem Zement und einer beliebigen Erdfarbe, alles zu gleichen Teilen, ausgefüllt werden, worauf man diese Füllung stark einstampft, abreibt und glättet. Auch grob gesiebter Hammerschlag kann zu dieser Füllung verwendet werden und gibt dem E. ein marmorartiges Ansehen. Im weitern Sinn sind auch die Asphaltböden nichts andres als Estriche.

Estropieren (franz.), verstümmeln, verkrüppeln; in den bildenden Künsten durch Außerachtlassen der Verhältnisse eine Figur verhunzen. Estropié, Krüppel.

Estrun, Benediktinerinnen zu, adlige Klosterfrauen, angeblich im 6. oder 7. Jahrh. gestiftet, im 17. Jahrh. vom Bischof Gerhard II. von Arras umgestaltet, ähnlich den Benediktinerinnen von Borborch.

Estrup, Jakob Brönnum Scavenius, dän. Staatsmann, geb. 16. April 1825, widmete sich der Forst- und Landwirtschaft, wurde schon mit dem 21. Lebensjahr Besitzer des großen Herrenhofs Kongsdal auf Seeland und erwarb sechs Jahre später Skaffögaard in Jütland. 1856 wurde er als Abgeordneter in den dänischen Reichstag gewählt, mußte sich jedoch kurz nachher aus Gesundheitsrücksichten zurückziehen und hielt sich neun Jahre lang vollständig fern von aller politischen Thätigkeit. 1864 wurde er Mitglied des Reichsrats, und seit 1866 gehört er wieder dem Reichstag an. Seine Thätigkeit im dänischen Parlament erwarb ihm vielseitige Anerkennung, und als Graf Frijs-Frijsenborg 6. Nov. 1865 ein neues Kabinett bildete, übernahm E. das Ministerium des Innern, das er bis Herbst 1869 innehatte. Nachdem die Ministerien Holstein-Holsteinborg und Fonnesbech vergebens bemüht gewesen waren, den Widerstand der Linken im Folkething zu brechen, bildete E. 11. Juni 1875 ein Ministerium. Der Weigerung des Folkethings, das Wehrgesetz und die Vorlagen über die Landesverteidigung anzunehmen, begegnete E. mit wiederholten Auflösungen, die, anstatt die Opposition zu schwächen, nur zur Kräftigung derselben beitrugen. In dem heftigen Konflikt, der infolgedessen zwischen dem Ministerium und dem Folkething entbrannte und alle gesetzgeberische Thätigkeit lähmte, ja wiederholt kein gesetzmäßiges Budget zu stande kommen ließ, stützte sich E. auf das Landsthing, die Erste Kammer, und weigerte sich, zurückzutreten, solange weder dieses noch der König der Forderung des Folkethings, daß er seine Entlassung nehme, sich anschlössen. Vielmehr ging er mit strengen Maßregeln gegen die radikalen Agitationen vor.

Eszterháza, kleines Dorf im ungar. Komitat Ödenburg, südöstlich vom Neusiedler See, mit dem großartigen Stammschloß der Fürsten Esterházy (162 Zimmer samt Kapelle, Theater, Opernhaus, Marstall, Reitschule, Bibliothek, Gemäldegalerie) und einem herrlichen Park. Ein 104,000 Schritt langer Damm führt durch den Hanságsumpf nach dem Wieselburger Komitat.

Et ab hoste doceri, lat. Sprichwort: "Auch vom Feind soll man sich belehren lassen, kann man lernen".

Etablage (franz., spr. -asch), Stallgeld, Buden- oder Standgeld der Krämer.

Etablieren (franz., v. lat. stabilire, "befestigen"), einrichten, gründen; sich etablieren, den selbständigen Betrieb eines Gewerbes übernehmen; Etablierung, Etablissement (spr. -blißmang), die Einrichtung und Übernahme eines kaufmännischen Geschäfts oder sonstigen gewerblichen Unternehmens, welche man regelmäßig öffentlich anzuzeigen und Geschäftsfreunden durch Zirkular mitzuteilen pflegt. Auch die Handelsniederlassung, die Fabrik- oder sonstige gewerbliche Anlage selbst wird Etablissement genannt. Die Bezeichnung dieses Unternehmens im Geschäftsleben, meist von dem Gegenstand desselben entlehnt, ist der Etablissementsname. Ist dieser Gegenstand der gewerbsmäßige Betrieb von Handelsgeschähen, so wird der Etablissementsname Firma (s. d.) genannt; doch ist ein solcher auch bei andern gewerblichen Unternehmen, z. B. bei Apotheken, Gastwirtschaften, Hüttenwerken, Dienstmannsinstituten u. dgl., üblich. Die kaufmännischen Firmen sind, wenigstens nach dem deutschen Handelsgesetzbuch, insofern ausgezeichnet, als in Ansehung dieser die Zwangspflicht zur Anmeldung in das Handelsregister, das Verbot der Annahme einer schon bestehenden Firma und der Veräußerung einer solchen ohne das zugehörige Geschäft bestehen, Vorschriften, welche auf die Etablissementsnamen an und für sich keine Anwendung finden. Ebenso sind nach dem deutschen Markenschutzgesetz vom 30. Nov. 1874 die Fabrik- und Warenzeichen eines Etablissements nur dann gegen Nachahmung geschützt, wenn nicht nur die Firma des Gewerbtreibenden, sondern auch jene Zeichen selbst in das Handelsregister eingetragen sind. S. Fabrik- und Handelszeichen. Vgl. Deutsches Handelsgesetzbuch, Art. 4 ff., 15 ff., 275 ff. In übertragener Bedeutung wird E. auch von der Begründung des Wohlstandes, des Kredits u. dgl. gebraucht.

Etage (franz., spr. -ahsch), Stockwerk, Geschoß.

Etagère (franz., spr. -schehr), in mehrere Etagen eingeteiltes Gestell; Bücherbrett; Wandbrettchen (für Nippsachen etc.).

Etain (spr. etäng), Stadt im franz. Departement Meuse, Arrondissement Verdun, an der Orne und der Ostbahn, hat (1876) 2815 Einw., welche Töpferei, Weberei und Fabrikation von Ackerbauwerkzeugen treiben, und ein Collège. E. (lat. Stagnum) kommt schon im 7. Jahrh. vor und gehörte lange Zeit den Grafen und Herzögen von Bar, bis es der Friede von Ryswyk an Lothringen brachte.

Etalieren (franz.), zur Schau ausstellen, Waren auslegen; Etalage (spr. -lahsch), Schaustellung.

Etalon (franz., spr. -óng), das Normalgewicht oder Normal- (Eich-) maß, nach dem alle Maße und Gewichte eines Landes angefertigt und resp. rektifiziert werden; auch s. v. w. Zuchthengst, Beschäler.

Etalonnieren, Gewichte oder Maße eichen; Etalonnage, Eichgebühr; Etalonneur, Eichmeister.

Etamieren (franz.), verzinnen, mit Zinnfolie belegen; Etamage (spr. -ahsch.), Verzinnung.

Etamin (franz., Estamin), dünnes, leinwandartiges, stark gepreßtes und glänzendes wollenes Gewebe, wurde früher zu Kleidern, Priestergewändern, Halsbinden etc. benutzt und auch aus Seide oder Seide und Wolle hergestellt, während es jetzt nur noch als Kleiderfutter beliebt ist. Früher lieferten es mehrere Manufakturbezirke Frankreichs, Englands, der Niederlande und Deutschlands, jetzt nur Reims und Nogent le Rotrou, und der Absatz in Deutschland ist ein sehr beschränkter.

Etampes (spr. -angp), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Seine-et-Oise, in einem fruchtbaren Thal der Landschaft Beauce, an der Juine und der Orléansbahn, ist gut gebaut und von Gärten und Weinbergen umgeben, hat einen alten Turm (tour Guinette, um 1160 erbaut), mehrere interessante alte Kirchen, ein schönes Stadthaus, eine Statue des Natur-^[folgende Seite]