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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Etampes; Etang; Etanin; Etaples; Etappe

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Etampes - Etappe.

forschers Etienne Geoffroy Saint-Hilaire, ein Collège und (1881) 7465 Einw., welche Garten- und Gemüsebau, Wollweberei, Wirkerei und andre Industrie, namentlich aber Handel mit Getreide und Mehl der fruchtbaren Beauce treiben. - E. (lat. Stampae) mit seinem Gebiet war ursprünglich eine königliche Krondomäne und wurde 1327 von Karl IV. zur Grafschaft sowie 1536 durch Franz I. zum Herzogtum erhoben, das er seiner Geliebten Anna von Pisseleu (s. unten) verlieh. Nachdem es 1565 an die Krone zurückgefallen war, schenkte es 1598 Heinrich IV. seiner Geliebten Gabrielle d'Estrées, deren Nachkommen (Herzöge von Vendôme) bis zum Tode des Herzogs Ludwig Joseph (1712) im Besitz von E. blieben, worauf es wieder an die Krone fiel. 1652 wurde E. von der Armee der Fronde unter Condé durch Verrat genommen, und Turenne und Hocquincort ^[richtig: Hocquincourt] suchten vergeblich es wiederzuerobern. In E. wurden mehrere Konzile (1092, 1130 und 1247) gehalten. Vgl. de Montrond, Essais historiques sur la ville d'É. (1836-37, 2 Bde.).

Etampes (spr. etangp, Estampes), Anna von Pisseleu, Herzogin von, Tochter Antons von Meudon, geboren um 1508, eine der einflußreichsten Mätressen Franz' I., Königs von Frankreich, war Ehrendame der Königin-Mutter Luise von Savoyen und wußte seit 1526 den König durch Schönheit und Geist 20 Jahre lang an sich zu fesseln. 1536 verheiratete sie der König zum Schein an Jean de Brosse und verlieh ihr das Herzogtum Etampes. Habsüchtig und ränkesüchtig, übte sie einen sehr verderblichen Einfluß. Ihre Eifersucht gegen Diana von Poitiers, die Geliebte des Dauphins, bewog sie, diesem in der Person des Herzogs von Orléans einen Gegner aufzustellen, wodurch Hof und Staat in zwei Parteien gespalten wurden. Auch verriet sie dem Kaiser Karl V., der sie auf einer Durchreise durch Paris angeblich durch eine kostbare Armspange zu gewinnen wußte, und Heinrich VIII. von England die Operationspläne des Königs und führte dadurch den für Frankreich nachteiligen Frieden von Crépy 1544 herbei. Nach dem Tod Franz' I. 1547 wurde sie auf ihre Güter verwiesen, trat hier aus Opposition gegen Diana von Poitiers zur reformierten Kirche über und starb 1576 in Vergessenheit.

Etang (franz.), eigentlich Fischteich; besonders (étangs salés) die großen Wasserflächen an den Küsten von Frankreich, nicht Seen (lacs), sondern flache, mit Wasser bedeckte Vertiefungen von bedeutendem Flächenraum. Sie sind meist durch kleine Küstenflüsse entstanden, nur durch schmale Dämme vom Meer geschieden, mit welchem sie gewöhnlich durch einen Kanal oder durch die Mündung ihres Flusses zusammenhängen, oft salzig, ähnlich den italienischen Maremmen und Lagunen.

Etanin (arab.), Stern zweiter Größe im Kopf des Drachen (γ Draconis).

Etaples (spr. etapl), Ort im franz. Departement Pas de Calais, Arrondissement Montreuil, an der Mündung der Canche in den Kanal und an der Nordbahn, hat einen kleinen Handelshafen (mit Leuchtturm) und (1876) 2948 Einw., welche vorzugsweise Fischerei und Küstenhandel betreiben. Hier kam 3. Nov. 1492 ein Friede zwischen England und Frankreich zu stande. In der Nähe entdeckte man 1841 durch Nachgrabungen eine im Sand begrabene Römerstadt, die man für Quantovicus hält.

Etappe (franz., v. deutschen "Stapel", daher ursprünglich s. v. w. Stapelplatz, Warenniederlage), Marschstation oder Halteplatz bei Militärtransporten. In Deutschland ist das Etappenwesen geregelt durch die Instruktion, betreffend das Etappen- und Eisenbahnwesen, vom 20. Juli 1872. Es soll die rückwärtigen Verbindungen der operierenden Armee mit der Heimat zur Heranziehung des Nachschubes aller Bedürfnisse für die Armee sowie für die Zurückführung von Kranken, Verwundeten, Kommandierten, Kriegsgefangenen, Pferden, Waffen, Ausrüstungsgegenständen, Kriegsbeute etc. aufrecht erhalten, für die Unterbringung und Verpflegung der zu und von der Armee gehenden Personen wie auch für die Erhaltung und Sicherung der Verbindungslinien, also der Straßen, Eisenbahnen, Telegraphenlinien, Brücken etc., innerhalb des besetzten feindlichen Gebiets und für die Verwaltung des letztern Sorge tragen. Das Etappenwesen wird nach Anweisung des Chefs des Generalstabs der Armee von einem Generalinspekteur des Etappen- und Eisenbahnwesens (Generalleutnant) geleitet. Ihm sind unterstellt: a) die Etappeninspektionen, deren je eine für jede selbständig operierende Armee ernannt wird, b) der Chef des Feldeisenbahnwesens, c) der Generalintendant der Armee als Chef des Feldintendanturwesens, d) die Chefs des Feldsanitätswesens und e) der Militärtelegraphie, f) der Feldoberpostmeister, also alle den Verkehr, die Verwaltung und Krankenpflege leitenden Behörden. Die Organisation des Etappenwesen beginnt mit der Mobilmachung im Heimatsland. Zur Vereinfachung des ungeheuern Verkehrs werden die Transporte zunächst gesammelt, in geschlossenen Zügen auf der Bahn befördert und am Ziel wieder zerteilt. Zu diesem Zweck wird in jedem Armeekorpsbereich des Inlandes ein Etappenanfangsort, der eine Hauptbahnstation ist, bestimmt. Dort werden die dem Armeekorps nachzuführenden Transporte gesammelt, die zurückkehrenden zerteilt. Von da gehen sie nach der auf jeder zur Armee führenden Bahnlinie bestimmten Sammelstation, von wo die aus den verschiedenen Korpsbezirken zusammenfließenden Güter, Lazarettbedürfnisse etc. in ganzen Zügen nach dem Kriegsschauplatz abgesandt werden. Um aber die nachteiligen Rückwirkungen unvermeidlicher Betriebsstörungen auf den Bahnen im Operationsbereich von den inländischen Linien möglichst fern zu halten, wird auf jeder in Betracht kommenden Bahnlinie eine Übergangsstation bestimmt, bis zu welcher gewöhnlicher, von welcher ab bis zur Armee aber Kriegsbetrieb stattfindet. Der Bahnbetrieb endet im Etappenhauptort, wo die Verteilung und Absendung der zu und von der Armee gehenden Personen und Güter erfolgt, und von wo Etappenstraßen, auf diesen durchschnittlich alle drei Meilen Etappenorte mit einer Etappenkommandantur zu den Armeekorps angelegt werden. Diese Landetappen, welche auch außerdem auf dem Kriegsschauplatz in Ermangelung von Eisenbahnen durch die Etappeninspektionen (Inspekteur ist ein Generalleutnant) gebildet werden, haben noch den Zweck, das feindliche Land durch Herbeischaffung von Geld und Naturalien auszunutzen.

Die Etappeninspektionen haben ähnliche Organisation wie die Generalkommandos, es gehören zu ihnen ein Chef des Stabes, Adjutanten, Feldgendarmerieoffizier, Etappen-Intendant, -Generalarzt, -Auditeur, -Telegraphendirektor, Armeepostdirektor, Stabsroßarzt, Feldzahlmeister, woraus die Aufgabe und Thätigkeit derselben hervorgeht. Ihre ausführenden Organe sind die Etappenkommandanturen; sie haben den ganzen Durchgangsverkehr von und zu der Armee zu vermitteln, für die Sicherung der Verkehrswege und Telegraphenanlagen zu sorgen, Lazarette, Pferde-^[folgende Seite]