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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Etiolement - Etropol.

Etiolement (franz., spr. etjolmang, Etiolieren, Vergeilen, Verspillerung der Pflanzen), Krankheitszustand der Pflanzen, welcher beim längern Verweilen derselben im Dunkel oder Halbdunkel eintritt. Die sonst grünen Teile bleiben bleich oder gelblich, die Stengel schießen in die Länge, sind aber dabei dünn und schwächlich, und die Blätter bleiben hinter ihrer normalen Größe sehr zurück, bekommen zwar längere und dünne Stiele, vergrößern aber ihre Blattfläche nur wenig, und diese bleibt oft zusammengerollt oder gefaltet wie in der Knospenlage. Der Mangel der grünen Färbung beruht auf dem Unterbleiben der normalen Ausbildung der Chlorophyllkörner, welche zwar in ihrer Form vorhanden, aber durch Etiolin gelblich gefärbt sind, da der grüne Farbstoff, das Chlorophyll, nur am Licht entsteht. Da nun das Chorophyll ^[richtig: Chlorophyll] für die Ernährung der Pflanze unentbehrlich ist, so geht eine etiolierte Pflanze nach kurzer Vegetation zu Grunde, sobald nämlich die anfangs schon in ihr vorhanden gewesenen, zu Bildungsvorgängen disponibeln organischen Verbindungen aufgezehrt sind. Wird eine etiolierte Pflanze vor Eintritt dieses Zeitpunktes wieder ans Licht gesetzt, so ergrünt sie in kurzer Zeit, wird dadurch fähig, sich regelmäßig zu ernähren, und ihre weitern Bildungsvorgänge finden dann in normaler Weise statt. Die dünne und schwächliche Beschaffenheit vergeilter Pflanzenteile ist zurückzuführen auf eine Schwächung der Assimilation (s. Ernährung der Pflanzen) infolge des Lichtmangels. Etiolierte Stengel und Blattstiele enthalten in der Richtung ihrer Dicke weniger Zellen als im normalen Zustand, auch sind die Membranen der vorhandenen Zellen weniger dick als sonst. Die Schwächung der Assimilation macht sich schon bei einer Minderung der Beleuchtung bemerklich, bei welcher die Chlorophyllbildung noch nicht unterdrückt wird. Zu schlanke, dünne Stengel und kleine Blätter deuten immer an, daß die Pflanzen keine ganz günstige Beleuchtung genießen, daß bei ihnen die Assimilation bereits einigermaßen geschwächt ist. Die mangelhafte Ausbildung der Gewebe ist rein lokal: an Blättern, von denen man nur eine Hälfte oder nur einen Streifen verdunkelt, tritt sie nur an diesen Stellen ein; die übrigen Teile des Blattes erlangen natürliche Beschaffenheit. Die Chorophyllbildung ^[richtig: Chlorophyllbildung] kann übrigens auch durch ungünstige Temperaturverhältnisse sowie durch Mangel an Eisen unter den Nährstoffen beeinträchtigt werden; s. Bleichsucht.

Etioles (spr. etjóll), Frau von, s. Pompadour.

Etiolin, der gelbe Farbstoff, der sich bei Lichtabschluß in keimenden Pflanzen entwickelt, nach Pringsheim eine Modifikation des Chlorophylls.

Etlar, Carit, Pseudonym, s. Brosböll.

Etmal (niederländ.), in der Seemannssprache Zeit von 24 Stunden, insbesondere die während eines Tags von Mittag bis Mittag von einem Schiff zurückgelegte Distanz mit Inbegriff der in dieser Zeit vorgefallenen Begebenheiten, welche alle in das Schiffsjournal eingetragen werden.

Etoges (spr. etohsch), Dorf im franz. Departement Marne, 25 km südsüdwestlich von Epernay, an der Straße von Châlons sur Marne nach Montmirail, geschichtlich denkwürdig durch das Gefecht vom 14. Febr. 1814, in welchem Blücher von der französischen Übermacht unter Napoleon geschlagen wurde.

Étoile (franz., spr. -oall), Stern.

Eton (spr. iht'n), Stadt in Buckinghamshire (England), an der Themse, Windsor gegenüber, mit (1881) 3466 Einw., ist berühmt durch das Eton College, die vornehmste Lateinschule Großbritanniens. Die Anstalt, 1440 von Heinrich VI. gegründet, ernährt jetzt einen Provost, einen Vizeprovost, 15 Fellows, 2 Conducts, 70 King's Scholars (Freischüler) und eine Anzahl von Unterbeamten, welche sämtlich im College wohnen und teilweise sehr beträchtliche Pfründen beziehen. Die Leitung der Schule ist einem Direktor (headmaster) anvertraut, welcher von 50 Lehrern unterstützt wird. Die Stiftung verfügt über zahlreiche Stipendien, welche den fähigern Freischülern den Besuch der Universitäten Cambridge oder Oxford ermöglichen. Die Freischüler werden nach einer Prüfung zugelassen, aber außer ihnen besuchen die Anstalt noch 880 Oppidans, den ersten Familien des Landes angehörig, die bei den Lehrern wohnen und ihren Eltern jährlich bis 4000 Mk. kosten. Schüler wie Lehrer tragen das eigentümliche schwarze Kollegiumskleid (gown and cap). Die in roten Backsteinen aufgeführten Gebäude umgeben drei große Höfe und enthalten eine namhafte Bibliothek, Speisesäle und Wohnungen für Schüler, Fellows und Beamte. Die gotische Kapelle grenzt an den ersten dieser Höfe, in dessen Mitte eine Bildsäule des Gründers steht. Unter den vielen eigentümlichen Gebräuchen der Schüler sind am interessantesten das nirgends sonst so ausgebildete Faggingsystem, nach welchem die neuangekommenen Schüler, auch wenn sie aus den vornehmsten Häusern Englands sind, von den ältern zwei Jahre hindurch als ihre Fags (Stubenburschen und Diener) betrachtet werden, und die Bootprozession am 4. Juni, dem Sprechtag der Schule. Als Ruderer und Kricketspieler stehen die Schüler von E. in ganz England in Ruf. Vgl. Lyte, History of Eton College (Lond. 1876).

Etonnieren (franz.), erstaunen; etonnant (spr. -ang), staunend, erstaunlich.

Etouffieren (franz.), ersticken, dämpfen; Etouffement (spr. -mang), Atembeklemmung.

Etoupieren (franz.), mit Werg ausstopfen.

Etourderie (franz., spr. eturd-), Unbesonnenheit, unbesonnener Streich; etourdieren, betäuben, bestürzt machen, verblüffen; Etourdi, ein Unbesonnener, Wildfang; Etourdissement, Bestürzung.

Étrange (franz., spr. etrangsch), befremdend, seltsam; Étranger (spr. -sche), Fremder, Fremdling.

Etrek, Fluß, s. Atrek.

Étrenne (franz., spr. eträhn), Handgeld; in der Mehrzahl (étrennes) Neujahrsgeschenk (in Frankreich pflegt man sich nicht am Weihnachtsfest, sondern zu Neujahr zu beschenken); daher livres d'étrennes, Geschenkbücher.

Etrépagny (spr. -panji), Dorf im franz. Departement Eure, unfern Gaillon. Hier wurde in der Nacht vom 29. auf den 30. Nov. 1870 eine zum Detachement des Grafen zur Lippe (bei der Nordarmee) gehörige Abteilung sächsischer Truppen, welche zur Rekognoszierung gegen Ecouis vorgeschickt war, überfallen und sosehr überrascht, daß sie mit einem Verlust von 6 Offizieren, 149 Mann, 80 Pferden, einem vierpfündigen Geschütz und 2 Munitionswagen sich schleunigst zurückziehen mußte.

Etretat (spr. etretá), Stadt im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Le Havre, am Kanal gelegen, dessen Küste hier malerische Felsbildungen enthält, mit kleinem Hafen, vielbesuchten Seebädern, einer alten Kirche und (1881) 1976 Einw.

Etropol, Stadt in Bulgarien, nördlich am Etropol-Balkan, über den von hier eine Straße nach Sofia führt, mit (1881) 3305 Einw. und Handel mit Häuten, Leder etc.; ward 24. Nov. 1877 von den Russen unter Gurko erobert und rasch befestigt, worauf der-^[folgende Seite]