Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Etruria; Etrurien

888

Etruria - Etrurien.

selbe 25.-30. Dez. unter ungeheuern Schwierigkeiten den Etropol-Balkan überschritt.

Etruria, Ort, s. Hanley.

Etrurien (Tuscia, von den Griechen Tyrrhenia genannt, s. Karte "Altitalien"), Landschaft auf der westlichen Seite von Mittelitalien, vom etruskischen Apennin bis zum Tiberisthal; im Altertum stark bevölkert, blühend und fruchtbar und im Besitz einer alten und eigentümlichen Kultur und politischen Bedeutung. Die Hauptflüsse von E. waren der Arnus (Arno), der Clanis (Chiana), der mit einem Arm dem Arnus, mit einem andern dem Tiber zufloß, und die Küstenflüsse Umbro (Ombrone), Albinia (Albegna), Armenta, Marta (Ausfluß des Volsinischen Sees) und Minio. Die östlichen, am Fuß des Apennin gelegenen Teile waren ausgezeichnet durch mildes, angenehmes Klima, fruchtbaren Boden und reiche Bewässerung. Der ganze südliche Teil Etruriens, von Clusium bis Rom, ist vulkanischer Natur. Die zahlreichen, kesselartig eingeschlossenen Seen jener Gegend, von denen die beiden größten der Trasimenus (Lago di Perugia) und der Volsiniensis (Lago di Bolsena), ferner der Ciminius (Lago di Ronciglione), der Sabatinus (Lago di Bracciano) und der Vadimonius (Lago di Bassano), füllen erloschene und eingestürzte Krater. An andern Stellen hatte die tuskische Wasserbaukunst die Seen durch Emissarien, welche durch die Seiten der Berge gebrochen wurden, abgelassen, um dadurch Land für die Kultur zu gewinnen. Unter den Bodenerzeugnissen Etruriens sind besonders zu nennen: der clusinische Spelt (far), aus welchem das einheimische Nationalgericht, der dicke Mehlbrei (puls), bereitet wurde, Flachs, Wein und Öl. Der Apennin lieferte herrliche Tannenstämme als Bauholz zu Wohnungen und Schiffen, so daß Rom einen großen Teil seines Bedarfs aus E. bezog. Auch Viehzucht und Fischfang waren Hauptnahrungszweige. Von Mineralien wurden vorzüglich Eisen, namentlich auf dem benachbarten Ilva (Elba), und Kupfer (bei Volaterrä) in großen Massen gewonnen und zu Waffen, Statuen und Geld verarbeitet. Erst spät benutzt wurden dagegen die Marmorbrüche von Luna, wo jetzt der karrarische Marmor gewonnen wird. Den besten Thon, aus welchem die berühmten irdenen Geschirre gefertigt wurden, grub man bei Arretium, welche Stadt der Hauptsitz der tuskischen Töpferarbeit und Plastik war. Erwähnenswert sind endlich noch die zahlreichen warmen Heilquellen und Schwefelbäder zu Pisä, Clusium, Vetulonia, Populonia, Volaterrä, Cäre u. a. Seiner politischen Einteilung nach zerfiel E. in zwölf Republiken mit aristokratischer Verfassung, die bei völliger Unabhängigkeit in betreff ihrer innern Angelegenheiten durch ein Bündnis vereinigt waren. Die namhaftesten Städte Etruriens waren: Pisä, Volaterrä (Volterra), Vetulonia, Populonia und Rusellä; die drei Häfen Telamon, Portus Lauretanus und der Herkuleshafen bei der Kolonie Cosa; ferner Tarquinii, Cäre (Cervetri) mit der Hafenstadt Pyrgi; südlicher, nur wenig von Rom entfernt, die beiden Kolonien Alsium und Fregenä, seit dem ersten Punischen Krieg angelegt. Städte im Innern waren: Veji (Isola Farnese), eine der mächtigsten unter den tuskischen Städten, Sutrium, der Schlüssel des Landes auf der Seite gegen Rom, Volsinii (Bolsena), Clusium (Chiusi), der Herrschersitz des Lars Porsena, Perusia (Perugia), Cortona; nördlicher an der Quelle des Clanis Arretium (Arezzo); nördlich vom Arnus Fäsulä (Fiesole), unfern des viel später erbauten Florenz, und Pistoria (Pistoja). Zu den römischen Kolonien gehört Luca am Auser.

Ob die Etrusker, die sich selbst Rasenna nannten, ein Mischvolk (aus Ureinwohnern und spätern semitischen Einwanderern) gewesen sind, oder ob sie ein selbständiger Volksstamm waren, der sich von Rätien aus über einen großen Teil der Halbinsel verbreitete, bis er von den Kelten in die Alpen und nach Tuscien zurückgedrängt wurde, endlich welcher Sprachfamilie das Etruskische angehört, ist noch eine ungelöste Streitfrage (s. unten). Die Blütezeit der etruskischen Macht fällt in die Zeit von 800 bis 400 v. Chr. Sie bewohnten außer E. auch das Gebiet zwischen Apennin und Po und den mittlern Teil der nördlichen Poebene; Mantua, Melpum und Felsina (Bologna) waren etruskische Städte. Kampanien eroberten sie im 8. Jahrh. und verloren es erst im 4. Jahrh. an die Samniter. Auch die Herrschaft über das Tyrrhenische Meer hatten die Etrusker inne, bis dieselbe im 4. Jahrh. durch die karthagische Seemacht gebrochen wurde. Aus Oberitalien wurden sie von den Kelten im 4. Jahrh. verdrängt. Das Verhältnis Etruriens zu Rom während der Königsherrschaft und der ersten Zeiten der Republik ist sehr in Dunkel gehüllt. Kämpfe Roms gegen die Etrusker in Veji, Fidenä etc. erwähnt schon die Königsgeschichte unter Romulus, Tullus Hostilius und Ancus Marcius. Den L. Tarquinius Priscus nennt die Sage einen vornehmen, ursprünglich aus Korinth stammenden Bürger von Tarquinii. Ob freilich durch dessen Thronbesteigung zu Rom ein Einfluß Etruriens auf Rom oder gar eine etruskische Herrschaft begründet wurde, ist ungewiß; wohl aber scheint nach dem Sturz der römischen Königsherrschaft Rom eine Zeitlang infolge der Siege des clusinischen Fürsten Porsena in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu E. gestanden zu haben. Längere Zeit ruhten sodann die Fehden zwischen Rom und den etruskischen Städten, abgesehen von kürzern Grenzstreitigkeiten, in deren Folge 426 Fidenä von den Römern zerstört wurde. Erst die Eroberung des mächtigen Veji durch Camillus 396 war epochemachend und schien die römische Herrschaft über E. anzubahnen. Doch wurde Rom durch die gallische Invasion, die übrigens auch E. hart betraf, auf längere Zeit lahmgelegt. Als es aber wieder zu Kräften kam, wurde es für das ohnedies zurückgekommene E. immer gefährlicher. Daher verbanden sich die Etrusker 311 mit den Samnitern und erneuerten diesen Bund auch im dritten Samniterkrieg 298, gerieten aber mit ihren Verbündeten nach dem Sieg der Römer bei Sentinum 295 unter die römische Herrschaft, welche sich von da an mehr und mehr befestigte, so daß E. ums Jahr 280 als den Römern völlig unterworfen gelten konnte; doch bestanden Sprache, Sitte, religiöse Disziplin und meist auch die innere Verfassung der einzelnen Staaten noch fast zwei Jahrhunderte in ihrer Eigentümlichkeit fort, und E. war, nachdem es sich von seinen Kämpfen erholt, noch immer ein reiches, blühendes Land. Durch die Lex Julia des Konsuls L. Julius Cäsar erhielt es 89 das Bürgerrecht, weil es während des Bundesgenossenkriegs Rom treu geblieben war. Durch Sulla aber wurde das Land nach harten Kämpfen seiner nationalen Einheit beraubt und durch zahlreiche Militärkolonien in Stücke zerrissen. Noch einmal tauchte der alte Name des Landes im Frieden von Lüneville (1801) auf, wo E. oder Hetrurien dem Erbprinzen Ludwig von Parma als Königreich überlassen wurde. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe, die Infantin Marie Luise von Spanien, als Vormünderin ihres Sohns Karl Ludwig die Regierung, die sie jedoch schon 10. Dez. 1807 wieder niederlegen mußte. E.