Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ettrick; Etty; Etüde; Étudiant; Etui; Etuz; Etymolog; Etymologicum magnum; Etymologie

893

Ettrick - Etymologie.

auch sein "Lexicon anglo-saxonicum" (Quedlinb. 1851). Gleichzeitig erschien eine angelsächsische Chrestomathie unter dem Titel: "Engla and Seaxna scôpas and bôceras" (Quedlinb. 1850). Auf dem Gebiet der altnordischen Litteratur hatte sich E. schon früher in der Bearbeitung der "Vauluspâ" (Leipz. 1830) sowie in der Übersetzung der "Lieder der Edda von den Nibelungen" (Zür. 1837) versucht. Letztere ist sowie die des "Beowulf" (Zür. 1840) in allitterierender Form gehalten, welche E. auch in zwei selbständigen Gedichten: "Deutsche Stammkönige" (das. 1844) und "Das verhängnisvolle Zahnweh, oder Karl d. Gr. und der heil. Goar" (das. 1852), wieder zu beleben suchte. In einem andern Gedicht: "Kaiser Karl d. Gr. und das fränkische Jungfrauenheer" (2. Aufl., Zür. 1847), suchte er Romantisches im humoristischen Gewand darzustellen. In seinem "Handbuch der deutschen Litteraturgeschichte" (Leipz. 1847) gab er einen für jene Zeit recht brauchbaren Überblick der deutschen, angelsächsischen, altnordischen und mittelniederländischen Litteratur. Sein Werk "Herbstabende und Winternächte, Gespräche über deutsche Dichtungen und Dichter" (Stuttg. 1865-67, 3 Bde.) behandelt die deutsche Litteratur eklektisch und in novellistischer Einkleidung. Auch gab er ein altnordisches Lesebuch (mit Lüning, Zürich 1861) sowie eine Sammlung: "Altnordischer Sagenschatz" (Leipz. 1870), heraus.

Ettrick, Dorf in Selkirkshire (Schottland), im Thal des Flusses gleichen Namens, in dessen Hintergrund der 672 m hohe E. Pen liegt, bekannt geworden durch den schottischen Dichter James Hogg (s. d.), den "Schäfer von E." (E. Shepherd), mit (1881) 397 Einw.

Etty, William, Maler, geb. 10. März 1787 zu York, arbeitete erst sieben Jahre bei einem Buchdrucker, ehe er (1807) in die Londoner Akademie und (1808) in Lawrences Schule gelangte. Ein besonderes technisches Verfahren, Untermalung in Weiß und Schwarz mit folgendem Auftrag ganz ungebrochener Farben, zeichnet ihn besonders aus. Seinen Ruf gründete er 1821 mit Kleopatras Fahrt auf dem Kydnos, worin schon der Reiz seiner merkwürdigen Farbenkontraste hervortrat. 1823 folgte seine Pandora und dann ein Weib, den Sieger um Gnade für den Besiegten anflehend. Das Kolorit in den Gegensätzen des männlichen Siegers, des jugendlichen Unterlegenen und der zarten Frau ward allgemein bewundert, und E. galt fortan als der Maler des Fleisches. Nicht minder berühmt ward Judith und Holofernes (1831) durch die Wirkung des Lampenlichts, eine Trilogie: erst die Heroine bei dem schlafenden Feldherrn, dann die wartende Magd der erstern, endlich Judith mit dem Haupt. Als Landschaftsmaler zeichnete er sich durch seine breite, einfache, aber wahre Behandlung aus. Er starb 13. Nov. 1849 in York. Er war Mitglied der königlichen Akademie zu London und Gründer der Gesellschaft zur Beförderung der schönen Künste zu York. Vgl. Gilchrist, Life and letters of W. E. (Lond. 1855).

Etüde (franz., "Studie"), in der Musik allgemeine Bezeichnung für technische Übungsstücke, sei es für die allerersten Anfänge im Spiel eines Instruments oder für die höchste Ausbildung der Virtuosität. Allerdings ist ein Zweig der Etüdenlitteratur für den öffentlichen Vortrag berechnet und daher inhaltlich bedeutungsvoller gestaltet (Konzertetüde), doch bleibt auch bei diesem das Charakteristikum eine Anhäufung technischer Schwierigkeiten. Gewöhnlich führt die E. ein technisches Motiv durch (Oktaven-, Terzengänge, Sprünge, Stakkato, Ablösen der Hände etc.) oder doch eine kleine Anzahl verwandter; indes sind manche Etüden auch mit mehreren Themen gearbeitet, indem das gangartige erste durch ein mehr melodisches zweites abgelöst wird. Betreffs guter Etüdenwerke s. die Artikel der betreffenden Instrumente.

Étudiant (franz., spr. etüdjang), Student; Étudiante, Studentin, auch Studentenliebste.

Etui (franz., spr. etüih), Behältnis, Besteck, Futteral für kleinere Gegenstände.

Etuz (spr. etüh), Dorf, s. Ognon.

Etymolog (Etymologist, griech.), Kenner der Etymologie (s. d.), Wortforscher; etymologisieren, die Abstammung der Wörter zu erforschen suchen.

Etymologicum magnum (lat.), Benennung eines griech. Wörterbuchs von unbekanntem Verfasser, das vorzüglich die Formenlehre behandelt, aber auch reich an wichtigen grammatischen, lexikalischen und sachlichen Notizen ist, die sonst für uns verloren sein würden. Auch Belegstellen aus zum Teil nicht mehr vorhandenen Schriften werden mitgeteilt. Der Inhalt des Buches ist den besten alexandrinischen Grammatikern (Aristarch, Apollonios, Herodian, Dionysios Thrax) entnommen. Der Verfasser lebte frühstens im 10. Jahrh. Ausgaben von Sylburg (mit Noten und Index, Heidelb. 1594; neuer Abdruck von Schäfer, Leipz. 1816) und Gaisford (Oxf. 1848). Verwandte Sammlungen sind das "Etymologicum Gudianum" (hrsg. von Sturz, Leipz. 1818); "Angelicanum" (hrsg. von Ritschl, Bonn 1845 ff. und im 1. Bd. der "Opuscula"), "Florentinum" und "Parvum" (hrsg. von Miller in "Mélanges de littérature grecque", Par. 1868).

Etymologie (griech.), "die Wissenschaft vom Wahren oder Echten", d. h. die Untersuchung der Grundbedeutung, des Ursprungs der Wörter. Etymologische Untersuchungen wurden im Zusammenhang mit der Frage nach dem Ursprung der Sprache schon von den ältesten griechischen Philosophen, namentlich in den ionischen Philosophenschulen angestellt, in denen das Wort E. aufgekommen zu sein scheint. Doch fehlte diesen Versuchen, über die sich schon Platon in dem Dialog "Kratylos" lustig machte, noch jede Methode. Die gesamte E. des Altertums statuierte die willkürlichsten Lautveränderungen und stellte unter anderm in allem Ernste den Grundsatz auf, daß manche Wörter von andern Wörtern genau entgegengesetzter Bedeutung abgeleitet seien. So das berüchtigte "lucus a non lucendo", d. h. der Wald heißt der Scheinende (lucus), weil darin die Sonne nicht scheint. Ebenso sollte das Wort bellum, der Krieg, von bellus, schön, herkommen, "weil der Krieg nichts Schönes ist", u. dgl. Auch beim Wiedererwachen der klassischen Studien zur Zeit der Humanisten geriet die E. wieder in ähnliche Bahnen, wobei namentlich das Bestreben, alles aus dem Griechischen und Hebräischen, den vermeintlich ältesten Sprachen der Menschheit, abzuleiten, zu vielen Irrtümern verführte. Noch im vorigen Jahrhundert stellten die Häupter der holländischen Philologenschule die seltsamsten Grundsätze über E. auf, und in Deutschland versuchte noch 1836 A. Schmitt in seinem "Organismus der griechischen Sprache" alle griechischen Wörter auf den Buchstaben E zurückzuführen. Noch jetzt tauchen derartige Versuche von Zeit zu Zeit auf, wobei namentlich die keltischen Sprachen mit Vorliebe zur Erklärung schwieriger Wörter benutzt werden. Eine wissenschaftliche E. existiert erst seit dem Beginn des 19. Jahrh., nämlich seit der Einführung des Sanskrits in die europäische Wissenschaft und der damit zusammenhängenden Entdeckung des indogermanischen Sprachstammes. Die