Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Europa

928

Europa (Geologisches, Mineralprodukte).

deutschland ausdehnen, jenseit des Rheins in den Vogesen und der Haardt ihre Fortsetzung finden und noch weit nach Frankreich hinein verfolgbar sind. Ob in Spanien mächtige, aber versteinerungsleere Schichten der Trias zuzuzählen sind, ist eine offene Frage. In England tritt die Trias zwar mächtig auf, aber insofern in einem vom deutschen stark verschiedenen Typus, als der Muschelkalk zwischen Buntsandstein und Keuper vollkommen fehlt. Ebenfalls in stark abweichender Facies beteiligt sich die Trias an dem Aufbau der Alpen, neben ihr aber in besonderer Mächtigkeit die Zwischenformation zwischen Trias und Jura, die rätische Formation, in Deutschland bloß dürftig angedeutet. - Von allen Jurabildungen ist die interessanteste der ununterbrochene Zug, welcher, von der Gegend der Rhônemündung ausgehend, als Jura Frankreich und die Schweiz trennt, als Schwäbische Alb durch Württemberg zieht und als Fränkische Schweiz sich bis zum Main verfolgen läßt. Nach Gesteinsmaterial und sonstiger Ausbildung nicht unwesentlich verschieden von dieser Facies des Jura ist derjenige, der im Innern Frankreichs entwickelt ist, und mit welchem alles, was in unbedeutender Menge im W. des Schwarzwaldes, weiterverbreitet in Norddeutschland und in England vorkommt, sich ungezwungener parallelisieren läßt als mit der schwäbisch-fränkischen Facies. Weitere Juragebiete finden sich in Spanien, Italien, in den Alpen, in Oberschlesien, von wo aus die Formation sich unterirdisch nachgewiesenermaßen bis an die Ostsee erstreckt, in Polen, in der Gegend von Moskau und weiter nordöstlich in ununterbrochener Folge bis zum Nördlichen Eismeer. - Die als Wealdenformation losgetrennte Zwischenbildung zwischen Jura- und Kreideformation findet sich in Südostengland, Nordostfrankreich und in Nordwestdeutschland (Deister), an letztgenanntem Orte technisch sehr wichtig, weil Kohle führend.

Die Kreideformation ist zunächst in der typischen, Kreide führenden Facies in England, Frankreich, Dänemark und Südschweden entwickelt, in Deutschland nur ganz untergeordnet im äußersten Norden, auf der Insel Rügen, während ihre übrigen deutschen Gebiete, in Westfalen, wo sie die Decke der Steinkohlenformation bildet, in Sachsen (und Nordböhmen), Schlesien und, wenig ausgedehnt, in der Gegend von Regensburg, teils aus Sandstein (dem sogen. Quadersandstein) und Mergel (dem sogen. Plänermergel), teils aus glaukonitischen Mergeln bestehen. Neben diesem auf der Natur der zusammensetzenden Gesteine beruhenden Unterschied machen sich sonstige, besonders auf paläontologische Merkmale begründete Faciesbildungen (Fehlen oder Auftreten von Hippuriten) bemerkbar, gewöhnlich als nördliche und südliche Facies bezeichnet. Die oben genannten Lokalitäten gehören sämtlich der nördlichen an, während sich die südliche (die Hippuritenkreide) von Portugal aus durch Spanien, die Pyrenäen und Südfrankreich hindurch verfolgen läßt und am Aufbau der Alpen, der Apenninen und der Karpathen sich beteiligt. Breite Kreidestreifen ziehen sich in die Balkanhalbinsel, und im O. erstrecken sich die betreffenden Gesteine bis zur Wolga und bauen den Kaukasus mit auf, während das Land nördlich und östlich des genannten Flusses sich aus älterm Material zusammensetzt, mit Ausnahme eines schmalen Streifens, der halbmondförmig etwa unter dem 40. Breitengrad westöstlich sich hinzieht. - Aus dem Umstand, daß die Gesteine tertiären Alters in den großen Kettengebirgen, den Pyrenäen, den Alpen, den Apenninen, den Karpathen, bis zu bedeutenden Höhen ansteigen, ist mit Recht geschlossen worden, daß sich der wesentliche Akt des Faltungsprozesses, welcher diese Gebirge bildete, erst nach der Ablagerung dieser dem ältern Tertiär angehörigen Gesteine vollzog. Andre, meist jüngere Tertiärbildungen stellen wohl arrondierte Becken dar, deren geographische Lage durch die Namen Pariser, Londoner, Mainzer, Wiener Becken genugsam fixiert ist. In Deutschland, besonders Norddeutschland, sind an vielen Stellen als Oberflächenbildungen Tertiärgesteine entwickelt, voneinander geschieden durch mächtige Diluvialablagerungen und oft technisch sehr wichtig durch die Führung von Braunkohle, welche auch, mitunter dunkel gefärbt und der Steinkohle äußerlich ähnlich, den Tertiärschichten der Alpen, Böhmens und andrer Gegenden eingelagert ist. Bildungen jüngsten tertiären Alters endlich (pliocän) stehen besonders charakteristisch in Südengland, in Italien (Subapenninenformation) und in den Steppen Südrußlands an. An vielen Punkten lieferte die vulkanische Thätigkeit der Tertiärperiode gewaltige Ausbrüche von Trachyten, Andesiten, Phonolithen u. Basalten. In Spanien Katalonien, in Frankreich die Auvergne und das Vivarois, die erloschenen Vulkane Irlands, der Färöer, der Shetlandsinseln und der Hebriden, in Deutschland Eifel, Siebengebirge, Vogelsgebirge, Habichtswald, Rhön, Kaiserstuhl, Hegau, die vereinzelten vulkanischen Kuppen des Lausitzer Gebirges, in Böhmen das Mittelgebirge, in Ungarn die alten Vulkane von Schemnitz und Tokay, in Italien die Euganeen: alles das sind Beispiele von Produkten des Vulkanismus während der Tertiärperiode, in welche auch die Anfänge derjenigen Eruptionsthätigkeit zurückragen, welche heute noch sich in Island, in Italien und im Griechischen Archipel abspielen. - Der Diluvialperiode als Zeit der Bildung gehört der weitverbreitete Löß an, welchem Rhein-, Main- und Donauthal ihre sprichwörtliche Fruchtbarkeit verdanken, und welcher im Elbthal (sowohl in Böhmen als in Sachsen), an der Oder und Weichsel, in Oberschlesien bis tief nach Rußland hinein in mitunter sehr bedeutender Mächtigkeit entwickelt ist. Ein besonderes Gepräge hat die diluviale Eiszeit einem großen Teil der Oberfläche Europas aufgedrückt durch das gewaltige transportierte Gesteinsmaterial, welches als Decke der ältern Formationen zurückblieb, als die von allen höhern Gebirgen ausgehenden, halb E. überziehenden Vergletscherungen sich allmählich in die bescheidenen heutigen Grenzen zurückzogen. Südfrankreich, das Tiefland Großbritanniens, die norddeutsche Tiefebene, einschließlich Hollands im W. und der russischen Ostseeprovinzen im O., ein großer Teil Süddeutschlands sind mit solchem "glazialen Schutt" bedeckt. - Langsam, aber stetig wirken die sedimentären Gesteinsbildungsprozesse während der Alluvialzeit durch Absätze in Flußbetten, in Seen und im Meer, durch die Erosion der Oberflächengesteine, durch den Vertorfungsprozeß umwandelnd auf die Oberfläche Europas ein, während die vulkanische Thätigkeit der heutigen Entwickelungsphase der Erde speziell auf europäischem Grund und Boden auf ein Minimum reduziert ist: thätige Vulkane besitzen nur Island im N., das italienische Festland (Vesuv), einige italienische Inseln (Ischia mit dem Epomeo, die Liparischen Inseln mit dem Stromboli, Sizilien mit dem Ätna) und der Griechische Archipel (Santorin) im S. Europas.

[Mineralien.] An technisch wichtigen Produkten des Mineralreichs ist E. reich. Seine Kohlenschätze