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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Europa

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Europa (Übersicht der Bodenbeschaffenheit, Tierwelt).

Region der Alpensträucher, gebildet aus der Krummholzkiefer, von den südungarischen bis zu den pyrenäischen Gebirgen auch aus der Grünerle, in den Alpen und Pyrenäen aus den prächtigen Alpenrosen. Größer ist die Übereinstimmung des Nordens und Südens in den Alpenkräutern, doch ist die Mannigfaltigkeit größer im S. Wie die mitteleuropäische Flora ihre Polargrenze hat, so hat sie auch ihre äquatoriale, und so kommt es, daß man in den spanischen, italienischen und griechischen Gebirgen beim Aufsteigen aus der Tiefe auf die Höhen, wo die immergrüne Eiche und der Ölbaum gedeihen, erst eine Region des Nußbaums durchwandern muß, ehe man die Buche oder selbst die nordische Kiefer erreicht, über denen dann der Fichtenwald folgt. Von der Buchenregion an kehrt auch die Formation der geschlossenen Graswiese wieder.

In welcher Weise der Boden in den Hauptländern Europas verwertet wird, ergibt sich aus folgender Tabelle, wobei der unproduktiven Fläche auch Haus- und Hofräume, Wege, Ödland und Gewässer zugerechnet sind.

Übersicht der Bodenbeschaffenheit Europas.

Staaten, nach der Größe des Areals geordnet Areal QKilom. Einwohner auf 1 QKilom. Acker- und Gartenland Proz. Weinland Proz. Wiesen und Weiden Proz. Waldungen Proz. Produktive Fläche insgesamt Proz. Unproduktive Fläche Proz.

Rußland 5389628 16 21,6 0,02 22,0 38,0 81,62 18,38

Österreich-Ungarn 622270 61 36,5 1,0 26,2 30,0 93,7 6,3

Deutsches Reich 540519 84 48,2 0,3 19,5 25,7 93,7 6,3

Frankreich 528572 71 50,0 4,4 13,9 15,8 84,1 15,9

Spanien (inkl. Balearen) 499763 33 33,8 3,7 19,7 20,8 78,0 22,0

Schweden 450574 10 6,2 - 4,2 37,8 48,2 51,8

Norwegen 325422 6 2,1 - 2,8 24,0 28,9 71,1

Großbritannien 314956 112 29,5 - 32,1 3,6 65,2 34,8

Italien 288540 98 36,9 6,3 25,0 15,7 83,9 16,1

Türkei 262404 25 ? ? ? ? ? ?

Rumänien 129947 41 29,3 0,8 21,3 16,9 68,3 31,7

Portugal 89143 48 22,6 2,2 16,7 8,0 49,5 50,5

Griechenland 64689 30 16,3 2,5 8,3 16,9 44,0 56,0

Bulgarien 63972 31 ? ? ? ? ? ?

Serbien 48586 38 9,1 0,5 23,2 40,0 72,8 27,2

Schweiz 41347 69 16,4 0,7 35,8 18,7 71,6 28,4

Dänemark 38302 51 42,5 - 28,2 4,6 75,3 24,7

Niederlande 33000 128 27,3 - 33,7 6,5 67,5 32,5

Belgien 29455 194 53,9 0,01 12,4 15,1 81,41 18,59

Luxemburg 2587 81 49,7 0,3 15,7 29,8 95,5 4,5

Tierwelt.

Auch hinsichtlich seiner Tierwelt gehört E. der paläarktischen Region an, doch sind deren Abweichungen von der Tierwelt Nordasiens so erheblich, daß man sich veranlaßt gesehen hat, die Niederung des Ob und Tobol als Grenze anzunehmen und anderseits die Fauna der südrussischen Steppen Sibirien zuzuweisen. Die Fauna läßt sich in vier den Pflanzengürteln entsprechende Reiche teilen, die sich im Hochgebirge als Regionen wiederholen. Arm, aber charakteristisch ist die Fauna des arktischen Reichs mit ihren Eisbären und Robben an der Küste, mit dem Renntier, arktischen Fuchs, Alpenhasen, Lemming, zahlreichen Wasservögeln und Fischen. Die einzigen Tiere im Besitz der Polarbevölkerung sind der Hund und das Renntier; nur Island besitzt Viehzucht. Das zweite Reich, das der Pelztiere, der nördlichen Waldzone entsprechend, und das dritte, das der Rindviehzucht, sind weniger scharf getrennt. Als vierte Zone schließt sich das Reich der mittelmeerischen Fauna an. Unter den Tieren der nördlichen Zone sind der Vielfraß und das Elen hervorzuheben. Eichhörnchen, Hermelin, Nörz liefern treffliches Pelzwerk im waldigen Rußland; hier haben sich auch noch Bär und Luchs erhalten, die Mitteleuropa und die Pyrenäen nur noch einzeln in ihren Hochgebirgen besitzen. Beiden gemein ist der Wolf, der sich aber nur im sarmatischen Osten, in den französischen Gebirgen und in den Alpen erhalten hat. Auffallend sind in der Waldzone noch die Armut an Amphibien, der unermeßliche Reichtum an Fischen, an Waldhühnern und Wasservögeln. Die Vogelberge Schottlands, seiner Inseln und der norwegischen Küste bieten einen bedeutenden, wenngleich gefahrvollen Erwerb der Bewohner. Viehzucht wird nur in engen Grenzen getrieben, Pferd und Rind in sehr kleinen Rassen gezogen. In der dritten Zone war einst das Elen im N. zu Hause, kommt jetzt aber außer Rußland nur noch in Ostpreußen (gehegt) vor, während der Auerochs, ehemals von ähnlicher Verbreitung, gegenwärtig auf kleine Gebiete in den Urwäldern Osteuropas (Bialowiczer Heide, Gouvernement Minsk) beschränkt ist. Das wilde Schwein, soweit die Eichen reichen, einst in ganz E. zu Hause, ist jetzt fast ausgerottet, auch in vielen Gegenden der Edelhirsch, und nur das Reh noch verbreiteter. In dieser Zone finden wir die Zucht vom Rind und Pferd, von Schaf und Ziege, von Schwein und Geflügel in größter Ausdehnung. Das mittelmeerische Reich besitzt in seinen wärmsten Teilen schon afrikanische Formen, die Genettkatze, zahlreichere Amphibien, den Gecko, das Chamäleon, den Geier. Hier ist die Zucht nicht bloß des Pferdes, sondern auch des Esels und Maulesels und des Büffels zu Hause, hier auch der Hauptsitz der Seidenzucht, ausgedehnt aber besonders die Zucht von Schafen und Ziegen. Von den Nachbarfaunen greift nach Südrußland auch die asiatische herein (z. B. Antilope), selbst in den Zuchttieren mit dem zweihöckerigen Kamel (in Südrußland, in der Moldau und Walachei). Unter den Gebirgstieren der alpinen Gebirge sind die Gemse und der nahezu ausgerottete Steinbock, auf den Gebirgen Sardiniens und Corsicas der Muflon vor allen zu erwähnen, während die nordischen Alpenhöhen die polare Fauna besitzen. Die Vögel Südeuropas stehen denen andrer Zonen an Größe und Farbenpracht nach, zeichnen sich aber zum Teil durch Gesang vorteilhaft aus. In Bezug auf Fische, Amphibien und Insekten ist der Süden im allgemei-^[folgende Seite]