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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eutropius - Evakuation.

Eutropius, 1) röm. Schriftsteller des 4. Jahrh. n. Chr., dessen Lebensumstände wenig bekannt sind. Er war kaiserlicher Geheimschreiber (magister memoriae) in Konstantinopel, nahm unter Julian 363 am Feldzug gegen die Perser teil und starb wahrscheinlich um 370. Wir besitzen von ihm einen aus guten Quellen (besonders Livius und Sueton) geschöpften Abriß der römischen Geschichte ("Breviarium historiae romanae") von Erbauung Roms bis zum Regierungsantritt des Kaisers Valens (364), letzterm auch gewidmet. Der Stil ist einfach und faßlich, wenngleich nicht durchaus klassisch. Das Werk fand wegen seiner Kürze und Brauchbarkeit vielen Beifall, wurde von Hieronymus, Prosper Aquitanus, Cassiodorus, Sextus Rufus, Orosius und den Chronikenschreibern des Mittelalters fleißig benutzt, auch mehrfach ins Griechische übersetzt und von mehreren Verfassern bis zum Anfang des 9. Jahrh. fortgesetzt. Das ganze, den E. und die Fortsetzungen enthaltende Werk erhielt den Namen "Historia miscella" ("Sammelgeschichte"), neuerdings herausgegeben von Eyssenhardt (Berl. 1869). Ausgaben des E. lieferten Schonhov (1546, 1552), Haverkamp (Leiden 1729), Verheyk (das. 1762 u. 1770, 2 Bde.), Tzschucke (Leipz. 1796) und H. Droysen (in "Monumenta Germaniae historica", Berl. 1879; auch separat); deutsche Übersetzungen Eichert (Bresl. 1850) und Forbiger (Stuttg. 1865). Die griechische Übersetzung von Päanius gab Kaltwasser (Gotha 1780) heraus.

2) Günstling des Kaisers Arcadius, ein Eunuch, zuerst Sklave, kam unter Theodosius an den kaiserlichen Hof, wurde Kämmerer und nahm unter dem Kaiser Arcadius 396 nach dem Sturz des Reichsverwesers Rufinus dessen Stelle ein. Er übertraf seinen Vorgänger noch an Habsucht, Willkür und Härte, so daß er den allgemeinen Haß gegen sich erregte. Um einen Ausbruch desselben zu verhindern, veranlaßte er 397 das berüchtigte Hochverratsgesetz des Arcadius, das den Hochverrat selbst an den Kindern des Schuldigen zu strafen befahl und in die Theodosianische und Justinianische Sammlung übergegangen ist. Dem ungeachtet wurde er infolge einer Empörung des Ostgoten Tribigild, der sich mit dem kaiserlichen General Gainas verband, gestürzt (399), nach Cypern verbannt und bald darauf getötet.

Eutyches, Presbyter und Archimandrit zu Konstantinopel, bekannt als Urheber eines stürmisch geführten Kirchenstreits. Er übertrieb den Gegensatz gegen Nestorius (s. d.) durch die Behauptung, daß zwei Naturen nur vor der Menschwerdung zu unterscheiden, nachher aber alles Menschliche im göttlichen Wesen Christi aufgegangen, daher nur eine Natur zu bekennen sei. Der Bischof Eusebios von Doryläum erwirkte alsbald vom Erzbischof Flavian zu Konstantinopel auf einer Synode daselbst 448 seine Absetzung. Aber Dioskur, Patriarch von Alexandria, brachte es durch seinen Einfluß am kaiserlichen Hof dahin, daß zu nochmaliger Untersuchung der Sache 449 eine allgemeine Kirchenversammlung nach Ephesos ausgeschrieben wurde. Er selbst präsidierte auf dieser sogen. Räubersynode und setzte durch die Fäuste der Parabolanen die Freisprechung des E. sowie die Entsetzung des Flavian und Eusebios durch. Mit Rom, dessen Bischof Leo I. in einem eignen Schreiben ("Epistola ad Flavianum") des E. Verdammung zu Konstantinopel gutgeheißen hatte, hob Dioskur die Kirchengemeinschaft auf. Als indes nach dem Tode des Kaisers Theodosius II. 450 dessen Schwester Pulcheria mit ihrem Gemahl Marcianus zur Regierung gelangten, wurde die Wiedereinsetzung der zu Ephesos verurteilten Bischöfe verfügt, E. dagegen deportiert und eine neue allgemeine Synode nach Chalcedon ausgeschrieben. Dieselbe, 451 in Chalcedon abgehalten, kassierte die ephesinische Synode und erklärte, daß fortan zwei Naturen, unvermischt, aber auch unzertrennlich, in der Einen Person Christi vereint geglaubt werden sollten. Wiewohl kaiserliche Strafgesetze die Verbannung des E. sowie aller seiner Anhänger (Monophysiten [s. d.], auch Eutychianer genannt) verhängten, bestanden diese dennoch in Ägypten und Palästina fort. S. Chalcedonisches Glaubensbekenntnis.

Eutychie (griech.), Glück, Glückseligkeit.

Eutychios, Patriarch der orthodoxen Kirche zu Alexandria seit 933, eigentlich Said Ibn Batrik, geb. 876 zu Fostat in Ägypten, schrieb arabisch: "Nothin el Gauhar", d. h. Perlenschnur, eine chronikartige, viel Unglaubliches enthaltende Welt- und Kirchengeschichte von Erschaffung der Welt bis 940, mit lateinischer Übersetzung herausgegeben von Pococke (Oxford 1658).

Euxanthin (Euxanthinsäure), s. v. w. Püree.

Euzelie (griech.), gute, glückliche Nacheiferung.

Euzoie (griech.), gutes, glückliches Leben.

Eva (Heva, hebr. Chavvah, "Lebenspenderin, Mutter aller Lebendigen"), nach der mosaischen Schöpfungsgeschichte das aus einer Rippe Adams erschaffene erste Weib, welches nach dem zumeist von ihr verschuldeten Verlust des Paradieses (vgl. Sündenfall) zum Kindergebären verurteilt wird.

Eva-Apfelbaum, s. Tabernaemontana.

Evadieren (lat.), entgehen, entwischen.

Evagieren (lat.), aus- oder umherschweifen; Evagation, Aus-, Abschweifung.

Evagoras, s. Euagoras.

Evagrius, Scholasticus, namhafter alter Kirchenhistoriker, geboren um 536 zu Epiphania in Cölesyrien, ward unter Kaiser Tiberius Quästor und unter Mauritius Präfekt in Antiochia. Sein Hauptwerk: "Ecclesiasticae historiae libri VI" (von 431 bis 594), ist die letzte Fortsetzung von Eusebios Kirchengeschichte, am besten herausgegeben von Reading (Cambridge 1720).

Evakuant (lat.), in der Orgel ein durch einen Registerzug zu öffnendes Ventil, welches den bei Schluß des Spiels noch in den Bälgen vorhandenen Wind abzulassen gestattet.

Evakuation (lat.), Räumung, Ausleerung; in der Medizin s. v. w. ausleerende Methode (s. d.); im Kriegssanitätswesen die planmäßige Zurückschaffung der Verwundeten und Kranken aus den Feldlazaretten nach den im Bereich der Etappeninspektionen oder der stellvertretenden Generalkommandos in der Heimat liegenden Lazaretten. Diese Zurückführung geschieht nach vorhergegangenem Einvernehmen mit den Krankentransportkommissionen (s. d.). Die Leichtkranken und Leichtverwundeten werden in Sammelstellen vereinigt oder in Etappenlazaretten untergebracht, von wo aus sie ohne Zeitverlust wieder zur Armee entlassen werden können. Diejenigen, bei denen eine rasche Wiederherstellung nicht zu erwarten steht, werden in Eisenbahnzügen der Heimat zugeführt. Die Schwerverwundeten und Schwerkranken, welche nur liegend und in besondern Lagerungsvorrichtungen transportiert werden müssen, werden in Lazarettzügen transportiert. Diese bilden eine geschlossene Formation mit einem etatmäßigen, ständigen Personal und werden im Inland aus den bereits im Frieden im voraus vorbereiteten Personenwagen zusammengesetzt. Sobald diese Lazarettzüge