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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Eversberg - Evolena.

Eversberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Meschede, nahe der Linie Schwerte-Warburg-Kassel der Preußischen Staatsbahn, mit einer kath. Kirche, Tuch-, Jacken-, Achsenfabrikation, einer Eisengießerei, Schieferbrüchen, Eisensteingruben und (1885) 1399 meist kath. Einwohnern.

Eversion (lat.), Umsturz; eversiv, umstürzend, auf Umsturz zielend.

Eversm., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für E. F. Eversmann (s. d.).

Eversmann, Eduard Friedrich, Naturforscher und Reisender, geb. 23. Jan. 1794 zu Hagen in Westfalen, studierte seit 1812 zu Marburg, Berlin, Halle, Dorpat Medizin, trat 1818 als Arzt in den Dienst der Gewehrfabrik zu Slatoust im Ural, ging 1820 mit Negri nach der Bucharei, 1825 mit v. Berg nach dem Kaspischen Meer und wurde 1828 Professor der Zoologie und Botanik in Kasan. Von hier aus bereiste er die benachbarten Gouvernements und bereicherte die russische Fauna durch die Entdeckung zahlreicher Tierspezies. 1844 unternahm er eine neue Reise durch Deutschland, Frankreich und Italien und starb 26. April 1860 in Kasan, nachdem er zuletzt den Winter meist in Algier zugebracht hatte. Er schrieb: "Reise von Orenburg nach Buchara" (Berl. 1823).

Evertieren (lat.), umstürzen, zerstören.

Evertuieren (franz.), sich mannhaft anstrengen, sich zusammennehmen.

Evesham (spr. ihws'häm), alte Stadt in Worcestershire (England), im schönen Thal des Avon, mit den Ruinen einer ehemals berühmten Abtei und (1881) 5112 Einw., welche besonders Gartenbau treiben, Handschuhe nähen und landwirtschaftliche Geräte verfertigen. Hier 4. Aug. 1265 Sieg des Prinzen von Wales, nachmaligen Königs Eduard I., über Simon von Montfort.

Evestigieren (lat.), ausspüren, ausforschen; Evestigation, Ausspürung, Ausforschung.

Evex (lat.), aufwärts gerundet.

Evian (E. les Bains, spr. ewjang lä bäng), Stadt und Badeort im franz. Departement Obersavoyen, Arrondissement Thonon, am Genfer See, Lausanne gegenüber, durch Eisenbahn mit Bellegarde und St.-Gingolph verbunden, düster gebaut, mit zwei alten Schlössern, einer Kirche im romanischen Stil, einem Stadthaus und (1876) 2028 Einw., welche vorzügliches Kirschwasser und Käse bereiten. Die Mineralquellen von E. (unter denen die Quelle Cachat am meisten im Gebrauch ist) haben eine Temperatur von 12° C., sind geschmack- und geruchlos und wirken besonders auf die Verdauungsapparate stimulierend ein. Sie sind erst seit 1791 im Gebrauch. Das Klima ist schroffen Wechseln ausgesetzt. Die Zahl der Badegäste beträgt jährlich 3500-4000. E. war ehedem Hauptort des Ländchens Gavot. Vgl. Besson, É. les bains (Par. 1885).

Evidement (franz., spr. ewid'mang), Ausschaben der Knochen bei Karies und Nekrose.

Evidént (lat.), offenbar, augenscheinlich, der allgemeinen Einsicht zugänglich. Evidenz, Augenscheinlichkeit, überzeugende Gewißheit; etwas in Evidenz halten, z, B. ein Steuerkataster, dasselbe nach jeweilig stattgefundenen Änderungen berichtigen.

Evidenzbüreau, im österreich. Generalstab die Abteilung, welche die Nachrichten über fremde Armeen sammelt und bearbeitet.

Evigilieren (lat.), auf-, erwachen; etwas mit ausdauerndem Fleiß (durch Nachtwachen) fertigen; daher Evigilation, das Auf-, Erwachen.

Eviktion (lat. evictio), s. Entwährung.

Evilmerodach, König von Babylon, folgte 561 v. Chr. seinem Vater Nebukadnezar, ward aber schon im zweiten Jahr seiner wollüstigen und tyrannischen Herrschaft von seinem Schwager Neriglissar ermordet. Er befreite bei seiner Thronbesteigung den 37 Jahre gefangen gehaltenen jüdischen König Jojachin aus dem Kerker.

Evinzibel (lat.), erweislich, überführbar, zur Eviktion oder Entwährung (s. d.) geeignet.

Evinzieren (lat.), entwähren (s. Entwährung).

Evirato (ital., "entmannt"), s. v. w. Kastrat; evirieren, entmannen; Eviration, Entmannung.

Eviszerieren (lat.), die Eingeweide (viscera) herausnehmen; Eviszeration, Ausweidung.

Evitieren (lat.), vermeiden; Evitation, Vermeidung; evitabel, vermeidbar.

Evkaf, Mehrzahl von Wakuf (s. d.).

Evocati (lat., "Aufgerufene"), im röm. Heer ausgediente Leute, die, namentlich aufgefordert, gegen besondere Begünstigungen in betreff des Soldes und Avancements sich aufs neue zum Dienst verpflichteten.

Evoe (Evan), Jubelruf beim Bacchusfest.

Evokabel, aufrufbar, vorladbar; Evokatorium, Vorladungsschreiben.

Evokation (lat.), eigentlich das Herausrufen, Hervorfordern; daher Evocatio sacrorum, der bei den alten Römern herrschende Gebrauch, den Schutzgott einer belagerten Stadt durch die Priester unter gewissen Feierlichkeiten zum Verlassen seines bisherigen Sitzes und zum Übergang zu den Römern aufzufordern, wodurch man den Ort aus einem geweihten zu einem profanen machen, also dem Schutz der Götter entziehen, aber zugleich auch deren Zorn ob der Einnahme und Zerstörung der Stadt vermeiden wollte; Evocatio inferorum (manium, mortuorum), Totenbeschwörung; Evocatio militiae, Aufgebot der Mannschaft zum Krieg. - Im Staats- und Prozeßrecht des frühern Deutschen Reichs bezeichnet E. die Citation eines Beklagten vor ein auswärtiges Gericht und besonders die Abberufung einer bei einem Landesgericht anhängigen Rechtssache von diesem letztern und die Überweisung derselben an ein kaiserliches Gericht. Mittelbare Reichsunterthanen (landsässige Personen) hatten nämlich in den ersten Instanzen ihr Recht vor ihren Landesherren und deren Gerichten zu nehmen. Es stand jedoch dem Kaiser das Recht zu, die Streitsachen solcher Personen ihrem ordentlichen Richter zu entziehen und an die Reichsgerichte zu bringen. Solchen Evokationen suchten die Reichsstände durch Erlangung von Evokationsprivilegien (privilegia de non evocando) vorzubeugen, wonach Rechtssachen nicht ohne weiteres vor die Reichsgerichte gezogen und in erster Instanz von diesen entschieden, die Unterthanen mithin nicht mehr der ersten, inländischen Instanz entzogen werden durften. Namentlich stand ein solches Privilegium den Kurfürsten zu. Im Mittelalter bezeichnete man mit E. auch das dem Papst zustehende Recht, eine Streitsache von den weltlichen Gerichten ab- und nach Rom zu berufen. Im französischen Prozeß versteht man unter E. (évocation) die Befugnis des Gerichts zweiter Instanz, welches ein Urteil erster Instanz abändert, die Sache an sich zu ziehen, d. h. weiter zu verhandeln, Beweise zu erheben etc.

Evolena (Evolène), zerstreute Gemeinde des Walliser Thals Val d'Hérens, 1379 m ü. M. gelegen, mit (1880) 1128 Einw. Bei der Kirche entspringt eine starke Sauerquelle, nach deren gelindem, seifenartigem Wasser der Ort seinen Namen (aqua lenis, ivoue lena, "Lindwasser") bekommen hat. Hauptstation