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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Exkreszenz - Exmouth.

Betrieb kaum zu reinigen. Das erhaltene Ammoniakwasser ist sehr geringhaltig, man verbraucht viel Kohle und viel Arbeitskraft, und der als Nebenprodukt gewonnene Teer besitzt geringen Wert. Kaum günstiger stellt sich die Benutzung der E. als Brennmaterial, welche schon 1827 von Reimann vorgeschlagen wurde. Petri, welcher dies Verfahren weiter ausgebildet hat, mischt die E. mit einem aus Torf, Gips und Karbolsäure bestehenden Desinfektionspulver, formt die Masse zu Ziegeln und trocknet diese an der Luft. Küchenabfälle, Küchenwasser etc. sollen sich in ähnlicher Weise verarbeiten lassen, indem man letztere durch das Desinfektionspulver filtrieren läßt. Die Fäkalsteine können auch als Dünger benutzt werden, doch ist ihr Wert so gering, daß sie keinen weiten Transport ertragen. Als Brennmaterial sind sie etwa schlechtem Torf vergleichbar. Die Benutzung der E. als Brennmaterial ist aber die denkbar schlechteste, weil dabei der wertvollste Bestandteil derselben, die Stickstoffverbindungen, völlig verloren gehen. Vgl. Heiden, Die menschlichen E. (Hannov. 1882); Fischer, Die menschlichen Abfallstoffe, ihre praktische Beseitigung und landwirtschaftliche Verwertung (Braunschw. 1882); Heiden, Müller und Langsdorff, Verwertung der städtischen Fäkalien (Hannov. 1885).

Exkreszenz (lat.), s. v. w. Auswuchs (s. d.).

Exkrete, Stoffe, welche der Organismus nicht weiter verwerten kann, und welche deshalb als Auswurfstoffe entfernt werden (z. B. Harn).

Exkretionsorgane, diejenigen drüsigen Gebilde, welche die für den Körper unbrauchbaren Stoffe in fester oder flüssiger Form ausscheiden und aus ihm entfernen. Dahin gehören allerlei Hautdrüsen, wie z. B. Schweißdrüsen, vor allem aber die Nieren (s. d.). Exkrete, die Absonderungen der E. Hierher sind nicht zu rechnen die Exkremente, weil sie nicht Produkte der als E. bezeichneten Drüsen sind, wohl aber der Harn, Schweiß etc.

Exkruziieren (lat.), martern, foltern; Exkruziation, Marter, Folter, Pein.

Exkubation (lat.), das Nachtwachen.

Exkulpieren (lat.), rechtfertigen, von der Schuld freisprechen; exkulpabel, entschuldbar; Exkulpation, Entschuldigung, Rechtfertigung, Freisprechung.

Exkúrs (lat.), eigentlich Abschweifung im Reden; im engern Sinn Erörterung einer einzelnen Materie, welche einer größern, ein Ganzes enthaltenden Schrift als Anhang beigegeben ist.

Exkursion (lat.), Streifzug, Ausflug.

Exkusieren (lat., oder nach dem Franz.: exküsieren), entschuldigen; exkusabel, entschuldbar; Exkusation (franz. Exküse), Entschuldigung, Ausflucht.

Exkussion (lat.), im allgemeinen das Verfahren eines Gläubigers gegen den Schuldner, wodurch derselbe seine Befriedigung zu erlangen sucht; insbesondere wird der Ausdruck von der Ausklagung eines insolventen Schuldners gebraucht, wenn dieser zuvor in Anspruch genommen werden muß, ehe gegen den Bürgen geklagt werden kann; daher Exceptio oder Beneficium excussionis, das dem Bürgen gegen die vom Gläubiger wider ihn angestellte Klage zustehende Recht, zu verlangen, daß der Gläubiger zuvor den Hauptschuldner ausklage. Diese Einrede (auch beneficium ordinis genannt) steht dem Bürgen ohne besondere Verabredung zu, es sei denn, daß letzterer versprochen hat, als Selbstschuldner zu haften. Daher ist es bei Bürgschaftsverträgen gewöhnlich, daß der Gläubiger die Klausel des Verzichts auf diese bürgschaftliche Rechtswohlthat aufnehmen und den Bürgen versprechen läßt, "als Bürge und Selbstschuldner" haften zu wollen.

Exkutieren (lat.), Schulden aus- oder einklagen, die Zwangsvollstreckung (s. d.) gegen einen Schuldner ausführen.

Exlex (lat.), einer, der außerhalb des Gesetzes lebt; in frühern Zeiten Bezeichnung für einen Vogelfreien oder Geächteten (s. Acht), jetzt etwa ein über dem Gesetz stehender, unumschränkt herrschender Regent.

Ex mandato (lat.), dem Befehl zufolge.

Exmatrikulieren (lat.), aus der Matrikel streichen; daher Exmatrikulation, Ausstreichung aus der Matrikel bei der ordentlichen Entlassung oder bei strafweisem Ausschluß von der Universität.

Exmission (lat., "Austreibung"), der Akt, durch welchen jemand des Besitzes einer unbeweglichen Sache entsetzt wird; das Exekutionsmittel gegen den Schuldner, der eine unbewegliche Sache (Haus oder Grundstück) zu leisten, bezüglich zu räumen hat; bei E. aus einem Haus werden zugleich die Mobilien des Schuldners durch einen Gerichtsdiener aus dem Haus gebracht (s. Zwangsvollstreckung). Exmissionsklage, die Klage, welche die Entfernung des Verklagten aus einem von ihm besessenen Grundstück bezweckt; so namentlich die vom Vermieter gegen den Mieter nach Ablauf der Mietzeit auf Räumung des Mietobjekts angestrengte Klage, welch letztere nach dem deutschen Gerichtsverfassungsgesetz (§ 23) zur amtsgerichtlichen Zuständigkeit gehört. Vgl. Deutsche Zivilprozeßordnung, § 649, 771.

Exmittieren (lat.), aus dem Besitz treiben, besonders auf dem Rechtsweg.

Exmoor Forest (spr. exmur forrest), ein wüster Gebirgsstrich, auf der Südseite des Bristolkanals gelegen, mit steil gegen ihn abfallenden Felsenhängen, hat 385 qkm (7 QM.) Oberfläche und erreicht im Dunkerry eine Höhe von 509 m.

Ex more (lat.), nach Gebrauch und Sitte.

Exmouth (spr. -möth), Seestadt im östlichen Devonshire (England), an der Mündung des Ex, 16 km unterhalb Exeter, hat Docks, besuchte Seebäder und (1881) 6245 Einw.

Exmouth (spr. -möth), Edward Pellew, Viscount, brit. Vizeadmiral, geb. 19. April 1757 zu Dover, trat 1770 in die Marine und diente im amerikanischen Krieg, wurde nach der Kapitulation des Generals Burgoyne bei Saratoga gefangen, jedoch auf Ehrenwort entlassen, machte 1780 als Leutnant den Krieg gegen Frankreich mit, ward 1782 Schiffskapitän und war von 1786 bis 1789 auf Neufundland stationiert. Beim Ausbruch des Revolutionskriegs 1793 nahm er als Befehlshaber einer Fregatte das erste französische Linienschiff, Cléopâtre, kommandierte seit 1794 mit großem Erfolg das westliche Geschwader, wofür er 1796 zum Baronet erhoben wurde, blockierte 1799 Rochefort, wurde 1801 Marineoberst und 1802 vom Flecken Barnstable ins Parlament gewählt, wo er sich zu den Tories hielt. Beim Wiederausbruch des Kriegs blockierte er die vereinigte spanische und französische Flotte zu Ferrol und ward 1804 Konteradmiral der weißen Flagge und Kommandeur der englischen Seemacht in Ostindien, wo er die dänischen Besitzungen eroberte und mehrere feindliche Fahrzeuge vernichtete. Zum Vizeadmiral ernannt, blockierte er 1810 die Schelde, ward sodann im Mittelländischen Meer stationiert und bereitete sich eben zur Belagerung von Genua und Livorno vor, als Napoleons Abdankung dem Krieg ein Ende machte.