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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Exzellieren - Exzeß.

vom Generalmajor ab, Staatsbeamte vom Wirklichen Staatsrat an. Für die Minister, Feldmarschälle etc. gibt es noch einen besondern Titel: die sogen. hohe E.

Exzellieren (lat.), sich auszeichnen, hervorthun; exzellent, ausgezeichnet, vorzüglich.

Exzelsität (lat.), Höhe, Erhabenheit.

Exzentrik (Exzentrikum, Exzenter, exzentrische Scheibe), kreisförmige Scheibe, welche sich um eine exzentrische, d. h. nicht durch ihren Mittelpunkt gehende, Achse dreht und bei Maschinen häufig zur Umwandlung einer rotierenden Bewegung in eine geradlinig hin- und hergehende oder in einem Kreisbogen oszillierende angewendet wird. Es sei K (s. Figur) eine kreisrunde Scheibe, welche mit einer außerhalb ihres Mittelpunkts liegenden Stelle N auf einer Achse A befestigt ist und mit letzterer rotiert. Dabei beschreibt der Mittelpunkt M der Scheibe einen Kreis um den Mittelpunkt N der Achse. Denkt man sich in dem Punkt M einen Zapfen W angebracht und diesen durch einen Hebel mit N verbunden, ferner an dem Zapfen drehbar eine Stange S angreifend, welche mit ihrem andern Ende wiederum mit einem Zapfen Z an einen bei R drehbaren Hebel H gehängt ist, so bildet der ganze Mechanismus ein Kurbelgetriebe, wovon AW die Kurbel, ZW die Kurbel- oder Bleuelstange und ZR Schwinge oder Balancier genannt wird. Letzterer wird bei der Drehung der Kurbel hin und her bewegt. Die Dicke des Zapfens ist nun dabei ganz gleichgültig, man kann daher auch, ohne an der Art der Bewegung etwas zu ändern, den Zapfen W so dick machen, daß er die Achse A umschließt, wenn nur auch der ihn umfassende Teil der Exzenterstange (der sogen. Exzentrikbügel) entsprechend erweitert wird. Es bildet also die exzentrische Scheibe K weiter nichts als einen erweiterten Kurbelzapfen, dessen Kurbelarm die Länge MN hat und Exzentrizität genannt wird. Die Stange S heißt Exzenterstange. - Die Exzentriks sind häufig da mit Vorteil anzuwenden, wo man von der Mitte einer Welle aus eine Bewegung ableiten soll, und wo man sonst eine gekröpfte Kurbel anwenden müßte. Umgekehrt aber von einer geradlinig hin- und hergehenden oder oszillierenden Bewegung (etwa der des Balanciers) die rotierende Bewegung abzuleiten, wie das bei der Kurbel möglich ist und z. B. zum Antrieb von Dampfmaschinen benutzt wird, geht aus dem Grund nicht an, weil die an dem Umfang der großen Scheibe auftretende Reibung dieser Bewegung hemmend entgegentritt.

^[Abb.: Exzentrik.]

Exzentrisch (lat.), Bezeichnung für Kreise oder Kugeln, die keinen gemeinschaftlichen Mittelpunkt haben, im Gegensatz zu den konzentrischen, die einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt besitzen. Exzentrische Winkel sind im Gegensatz zu Zentriwinkeln (s. d.) solche Winkel, welche von zwei sich nicht im Mittelpunkt eines Kreises schneidenden Sehnen gebildet werden. Je nachdem sich die Sehnen innerhalb (Fig. 1) oder in ihren Verlängerungen außerhalb des Kreises schneiden (Fig. 2), wird der exzentrische Winkel u entweder von der halben Summe oder von dem halben Unterschied der beiden Kreisbogen a und b, welche zwischen seinen Schenkeln und deren Verlängerungen liegen, gemessen. - Die Bezeichnung e. gebraucht man auch von Gedanken und Handlungen, die, gleichsam des festen Mittelpunkts entbehrend, sich ins Überspannte und Phantastische verlieren; auch Menschen nennt man e., die zu solchen Gedanken und Handlungen vorzugsweise hinneigen.

^[Abb.: Fig. 1., Fig. 2. Exzentrische Winkel.]

Exzentrische Geschosse, Hohlgeschosse, deren Höhlungsmittelpunkt nicht mit dem Mittelpunkt der Geschoßoberfläche, oder deren Geschoßachse nicht mit der Höhlungsachse zusammenfällt. Vgl. Bombe, Flugbahn.

Exzentrischer Ort, bei Planetenbahnen diejenige Stelle in dem über der großen Achse als Durchmesser beschriebenen Kreis, an welcher der Planet, vom Zentrum aus gesehen, zu stehen scheint.

Exzentrizität (lat.), bei einem Kegelschnitt der Abstand eines Brennpunkts vom Mittelpunkt, dividiert durch die Hauptachse; sie ist bei der Parabel = 1, bei der Ellipse kleiner, bei der Hyperbel größer als 1. In der Geometrie bezeichnet man diese Zahl auch als die numerische E., während der Abstand eines Brennpunkts vom Mittelpunkt die lineare E. heißt. Exzentrizitätsfehler eines Instruments ist der Fehler, welcher entsteht, wenn der Mittelpunkt der Teilung nicht mit dem Mittelpunkt der Drehung zusammenfällt. Da dieser Fehler selbst bei den vorzüglichsten astronomischen und geodätischen Instrumenten nicht ganz zu vermeiden ist, so macht man ihn gewöhnlich dadurch unschädlich, daß man bei den Winkelbestimmungen das arithmetische Mittel aus den Ablesungen an den gegenüberstehenden Nonien nimmt. Exzentrizitätswinkel einer Ellipse ist derjenige Winkel, dessen Sinus gleich der numerischen E. ist.

Exzeption (lat.), Ausnahme, in der Rechtssprache die Entgegnung eines Beklagten auf die gegen ihn erhobene Klage (s. Einrede); daher exzeptionabel, Einreden unterworfen, streitig, unentschieden.

Exzeptionell (lat.), eine Ausnahme machend oder enthaltend, ausnahmsweise; exzeptiv, ausschließend, bedingt.

Exzerpieren (lat.), einen Auszug aus einem Buch etc. machen; Exzerpte, Auszüge aus gelesenen Schriften, die entweder den ganzen Inhalt einer Schrift summarisch wiedergeben (Extrakte), oder bloße Sammlungen von Notizen (Kollektaneen) sind.

Exzeß (lat. Excessus), Ausschweifung, Ausschreitung, Überschreitung gewisser Grenzen, wird oft als Bezeichnung gesetzwidriger, jedoch nicht gerade verbrecherischer Handlungen gebraucht, namentlich von Überschreitungen polizeilicher Anordnungen, welche sich auf die öffentliche Ordnung und Ruhe beziehen, z. B. Straßen-, Studenten-, Soldatenexzesse u. dgl. Im Strafrecht spricht man auch von einem E. der Notwehr. Wer nämlich die Grenzen der erlaubten Verteidigung gegen rechtswidrige Angriffe auf Person, Ehre oder Eigentum überschreitet, ist mit geringerer Strafe zu belegen, als die von ihm begangene Rechtsverletzung ohne Zusammentreffen mit der Ver-^[folgende Seite]