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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fabre; Fabre d'Eglantine; Fabretti

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Fabre - Fabretti.

Fabre (spr. fābr), 1) François Xavier Pascal, franz. Maler, geb. 1. April 1766 zu Montpellier, gewann als Schüler Davids 1787 den ersten Preis der Akademie, worauf er sich nach Rom begab. 1793 ging er nach Neapel und wirkte sodann bis 1826 in Florenz als Professor an der Akademie der bildenden Künste. Die ihm 1824 von der Gräfin Albani vermachte Kunstsammlung schenkte er der Stadt Florenz. Im J. 1826 kehrte er nach Montpellier zurück, gründete hier ein Museum, eine Kunstschule und eine öffentliche Bibliothek, wozu seine eignen Sammlungen die Grundlage bildeten, wurde 1828 Baron und starb 16. März 1837. Fabres Gemälde bestehen in historischen Darstellungen und in Landschaften mit geschichtlicher Staffage; sie gehören der klassizistischen Richtung an. Die Mehrzahl derselben bewahrt das Museum zu Montpellier. Im Louvre zu Paris befindet sich Philoktet auf Lemnos.

2) Marie Jacques Joseph Victorin, franz. Dichter und Schriftsteller, geb. 19. Juli 1785 zu Jaujac im Languedoc, gest. 19. Mai 1831, zeichnete sich durch Korrektheit und rhetorische Eleganz seiner Schriften aus, wurde aber von seinen Zeitgenossen bedeutend überschätzt. Die meisten seiner Werke, besonders die Lobreden, haben Preise davongetragen. Wir nennen die Lobreden auf Boileau, Corneille, La Bruyère, Montaigne; "Opuscules en vers et en prose" (1806); "Discours en vers sur les voyages" (1807); das Gedicht "La mort de Henri IV" (1808); "Tableau littéraire du XVIII. siècle" (1810) etc. Von seinen Vorlesungen am Athenäum sind Fragmente enthalten in seinen "Œuvres" (Par. 1844-45, 2 Bde.), wo auch die Werke seines Bruders Auguste, des folgenden, aufgenommen sind.

3) Jean Raymond Auguste, ebenfalls Dichter, Bruder des vorigen, geb. 24. Juni 1792 zu Jaujac, schrieb ein Gedicht: "La Calédonie, ou la guerre nationale" (1823), "Histoire du siége de Missolonghi" (1827), "La révolution de 1830 et le véritable parti républicain" (1833, 2 Bde.), war zuletzt Redakteur der "Tribune des départements"; starb 23. Okt. 1839.

4) Ferdinand, franz. Romanschriftsteller, geb. 1830 zu Bédarieux (Hérault), verbrachte seine Jugend bei einem Oheim, der in der Nähe Landgeistlicher war, studierte dann Medizin zu Montpellier, besuchte, von religiöser Schwärmerei ergriffen, eine Zeitlang das Priesterseminar daselbst, ward aber bald andern Sinnes und ging nach Paris, wo er seine medizinischen Studien wieder aufnahm, sich aber bald ganz der Schriftstellerei zuwandte. Seine erste Publikation war ein Band Gedichte, betitelt: "Feuilles de lierre" (1853), dem 1861 sein Erstlingsroman: "Les Courbezon" (neue Ausg. 1877), ein farbenreiches, von namhaften Kritikern mit Lob aufgenommenes, später auch von der Akademie gekröntes Sittengemälde aus den Cevennen, nachfolgte. Auch sein zweiter Roman: "Julien Savignac" (1863), spielt in der Heimat des Dichters, dessen Jugendleben er schildert. Später folgten: "Mademoiselle de Malavieille" (1865) und die Erzählung "Le Chevrier" (1867). Aber erst mit dem durch seine drastische Charakteristik imponierenden Priesterroman "L'abbé Tigrane" (1873 u. öfter), einer der bedeutendsten belletristischen Erscheinungen der Gegenwart, drang der Autor zu allgemeiner und voller Anerkennung durch. Von seinen jüngern Werken nennen wir: das Pariser Gesellschaftsgemälde "Le marquis de Pierrerue" (1874), den ländlichen Sittenroman "Barnabé" (2. Aufl. 1875), den Pariser Familienroman "La petite mère" (1877); ferner: "Le roman d'un peintre", die poetisierte Biographie des Malers Jean Paul Laurens (1878); "L'Hospitalière", eine dramatische Bearbeitung des Romans "Le Chevrier", die der Verfasser, nachdem sie von den Pariser Theaterdirektionen abgelehnt worden, unter dem Titel: "Félice" auf dem Hoftheater zu Kassel zur Aufführung brachte (1880); "Mon oncle Célestin, mœurs cléricales" (1881); "Le roi Ramire" (1883) und "Lucifer" (1884), ein Roman, der in der Gewalt der Darstellung des Kampfes zwischen dem Gallikanismus und dem Ultramontanismus den "Abbé Tigrane" noch übertrifft und den Höhepunkt von Fabres Schöpfungskraft bezeichnen dürfte. Den vorletzten Roman: "Le roi Ramire", der die in Südfrankreich hausende Karlistengesellschaft zum Vorwurf nimmt, hat der Verfasser mit G. Duval ebenfalls für das Theater bearbeitet. Nach Jules Sandeaus Tod (1883) wurde F. zum ersten Bibliothekar der Bibliothèque Mazarin ernannt.

Fabre d'Eglantine, Philippe François Nazaire, franz. Dichter und Revolutionsmann, geb. 28. Dez. 1755 zu Carcassonne, gewann schon als Jüngling bei den "jeux floraux" zu Toulouse den Preis der wilden Rose (églantine) und fügte fortan dieses Wort seinem Namen bei. Später trat er auf den Bühnen zu Genf, Lyon und Brüssel auf, widmete sich jedoch sodann in Paris ganz der Litteratur und Dichtkunst und erntete nach verschiedenen Mißerfolgen mit seinen Lustspielen: "Le Philinte de Molière" (neue Ausg. 1878), worin er vortrefflich die zivilisierte Selbstsucht der "guten Gesellschaft" schilderte, "L'intrigue épistolaire" (beide wieder abgedruckt in "Chefs d'œuvre des auteurs comiques", Bd. 8, 1847), "Convalescent de qualité" und "Les Précepteurs" außerordentlichen Beifall. Beim Ausbruch der Revolution verband er sich mit Desmoulins, Lacroix und Danton, wurde nach den Ereignissen vom 10. Aug. 1792 Generalsekretär der Kommune und kam als Abgeordneter von Paris in den Konvent, wo er für den Tod des Königs ohne Berufung stimmte. Als Mitglied des Wohlfahrtsausschusses klagte er, obgleich selbst unwürdiger Geldspekulation bezichtigt und des Royalismus verdächtig, die Wucherer im Nationalkonvent an und schlug das Brottaxengesetz vor. Er verfertigte auch den neuen republikanischen Kalender. Als er auch gegen die Schreckensherrschaft der Jakobiner auftrat, ward er der Fälschung von Dokumenten, der Veruntreuung öffentlicher Gelder und des Einverständnisses mit Pitt angeklagt und mit Danton 5. April 1794 guillotiniert. Seine Lustspiele folgen der sittlichen Richtung Diderots und Beaumarchais' und empfehlen sich durch scharfe Charakterzeichnung und lebendige Situationen, weniger durch ihre Sprache. Von F. ist auch das volkstümlich gewordene Lied "Il pleut, il pleut bergère" (von Simon komponiert). Aus seinem Nachlaß erschienen: "Œuvres posthumes et mêlées" (Par. 1803, 2 Bde.).

Fabretti, 1) Rafaello, ital. Altertumsforscher, geb. 1619 zu Urbino aus einem alten Adelsgeschlecht, studierte in Urbino, dann in Rom die Rechte und die klassischen Werke des Altertums, die ihn den Kunststudien zuführten, ward sodann Schatzmeister des heiligen Stuhls und bald nachher Rechtsanwalt der päpstlichen Gesandtschaft am Madrider Hof. Nach Rom zurückgekehrt, ward er Judex Appellationum in Capitolio, begleitete hierauf den Kardinal Cerri auf seinen Gesandtschaftsposten in Urbino, trat drei Jahre später in die Dienste des gelehrten Kardinals Gasparo Conpegna, der ihm die Abfassung der päpstlichen Breves übertrug, und ward von Alexander VIII. zum