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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Façade; Facchino; Facciolāti; Face; Facessieren; Facetĭen; Facetten; Facettenauge; Fach; Fachbaum; Fachbildung; Faeces

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Façade - Fachbildung.

nach Spanien und ward von demselben nach der Schlacht bei Salamanca mit Aufträgen an Napoleon nach Rußland gesendet. In der Schlacht an der Moßkwa schwer verwundet, wurde er zum Eskadronschef und, nachdem er sich auch in dem Feldzug von 1813 in Sachsen ausgezeichnet, zum Obersten im Generalstab ernannt. 1814 unterzeichnete er mit dem Obersten Denis die Kapitulation der Stadt Paris und trat während der Hundert Tage in Lothringen an die Spitze eines Streifkorps, ward deshalb nach der zweiten Restauration außer Thätigkeit gesetzt, 1817 jedoch als Stabschef unter Marschall Marmont zur Unterdrückung der von den Ultraroyalisten angestifteten Unruhen nach Lyon gesendet und deshalb von jener Partei, namentlich dem General Canuel, der Beteiligung an Verschwörungen angeschuldigt. Der fortwährenden Anfeindungen müde, begab er sich nach England und von da über Spanien 1823 nach Griechenland, um an dessen Freiheitskämpfen teilzunehmen. Er erhielt den Oberbefehl über die Linientruppen. Den ihm im Dezember 1826 erteilten Auftrag, die Akropolis von Athen mit Kriegsmunition zu versehen, vollzog er mit ebensoviel Geschick wie Glück, ward aber in der Festung bis zur Übergabe derselben, Ende Mai 1827, zurückgehalten. Beschuldigt, die Übergabe verursacht zu haben, gelang es ihm zwar, sich vor der provisorischen Regierung zu rechtfertigen; aber das Vertrauen auf ihn war erschüttert, besonders nach der unglücklichen Expedition nach der Insel Chios im März 1828. Nach Paris zurückgekehrt, begleitete er im November die französische Expedition nach Morea; doch beschränkte er seine Wirksamkeit auf die Umgestaltung der griechischen Milizen in ein regelmäßiges Armeekorps, worauf er im Juni 1829 mit dem Marschall Maison nach Frankreich zurückkehrte. Hier trat er als Oberst wieder in die französische Armee, ward nach der Julirevolution, an welcher er thätigen Anteil nahm, Chef des Generalstabs der Pariser Nationalgarde, zog sich jedoch, unzufrieden mit dem Gang der Regierung, schon 1831 mit dem Grad eines Maréchal de Camp in seine Vaterstadt zurück. Nach der Revolution von 1848 warb er von der provisorischen Regierung als Gesandter nach Konstantinopel geschickt und 1849 im Departement Meurthe in die Legislative gewählt, wo er mit den Konservativen stimmte. Er starb 15. Sept. 1855 in Paris. F. schrieb: "Journal des opérations du VI. corps pendant la campagne de 1814 en France" (Par. 1819).

Façade (franz.), s. Fassade.

Facchino (ital.), s. Fakino.

Facciolāti (spr. fattscho-), Jacopo, ital. Lexikograph und latein. Stilist, geb. 4. Jan. 1682 zu Torreglia bei Padua, studierte im Seminar zu Padua, wurde an demselben 1704 Professor, 1707 Direktor, war 1723-55 zugleich Professor der Logik an der dortigen Universität und starb 27. Aug. 1769 daselbst. Zur Förderung der klassischen Studien veranstaltete er unter Mitwirkung seines Schülers Forcellini neue Ausgaben des von Ambr. Calegino ursprünglich in vier Sprachen (Reggio 1502) begonnenen "Dictionarium undecim linguarum" (Padua 1718, 2 Bde.) und von Mario Nizzolis "Thesaurus Ciceronianus" (das. 1734). Unter seiner Leitung und seinem thätigen Beistand hat sodann Forcellini sein "Totius latinitatis lexicon" bearbeitet, wie endlich auch eine von seinen Schülern besorgte Ausgabe von Schrevels griechischem Lexikon zum größten Teil ihm angehört. Seine lateinischen Reden (3 Sammlungen, 1723-67) zeichnen sich durch Eleganz aus. Aus seiner Korrespondenz erschienen "Clarorum Germanorum, Hungarorum etc. ad Facciolatum epistolae" (Vened. 1843). Sein Leben beschrieben Ferrari (Padua 1799, lat.) und Gennari (das. 1818).

Face (franz., spr. fāß), Gesicht, Gesichts- oder Vorderseite; daher Porträt en f., ein solches, welches den vordern Teil des Gesichts ganz und voll sehen läßt; f. machen, mit der Vorderseite gegen etwas gerichtet sein. In der Fortifikation heißen Facen (Gesichtslinien) die Seiten a und b eines Werkes (s. Figur), die nach dem Feind zu einen ausspringenden Winkel bilden. Vgl. Feldbefestigung und Festung.

^[Abb.: Facen (Sichtlinien).]

Faeces (lat.), Exkremente, besonders Darmkot.

Facessieren (lat.), einem zu schaffen machen, Unruhe, Verdruß machen.

Facetĭen (facetiae, lat.), witzige und feinsinnige Einfälle, Scherzreden, Schwänke. Die modernen Völker haben dergleichen F. zu einem besondern Litteraturzweig ausgebildet, der in zahlreichen Sammlungen unter verschiedenen Titeln vertreten ist. Zu den ältesten Büchern dieser Art gehören die in lateinischer Sprache abgefaßten von Poggio ("Facetiarum libri IV", Ferrara 1471 u. öfter) und dem Deutschen Bebel ("Facetiae", Straßb. 1506 u. öfter). Aber auch in deutscher, englischer, französischer (Voltaires "Facéties parisiennes"), italienischer und spanischer Sprache liegen Sammlungen vor, deren Inhalt über den Zweck harmloser Unterhaltung hinaus nicht selten auch polemischer und satirischer Art ist.

Facetten (franz., spr. fāß-, Diminutiv von face), kleine, gegeneinander geneigte Flächen, besonders an Glas, Edelsteinen, Werkzeugen etc., in der Buchdruckerei an Stereotypplatten oder Klischees, mittels deren diese befestigt werden. Facettieren, Edelsteine oder Gläser mit einer größern Anzahl F. versehen.

Facettenauge, s. Auge, S. 73.

Fach, in der Baukunst der Raum einer Riegelwand, welcher von Pfosten, Schwellen, Riegeln und Rahmen gebildet und ausgemauert wird; im Brückenbau ein einzelnes Feld hölzerner oder eiserner sogen. Fachwerkträger, welches von einer obern und einer untern Gurtung und von zwei senkrechten oder geneigten Stäben zu beiden Seiten begrenzt wird; in der Weberei der Raum zwischen den beiden Systemen von Kettenfäden, durch welchen das Schiffchen hindurchgeht; auch s. v. w. eine einzelne Wissenschaft, Kunst, ein Lehrgegenstand. - In der Botanik der Raum zwischen zwei Scheidewänden in Kapseln, Beeren und andern Früchten; daher fächerig, was durch Scheidewände in Fächer geteilt wird. Auch das Mark mancher Pflanzen (Walnuß) ist fächerig. - In der Landwirtschaft s. v. w. Banse, s. Scheune.

Fachbaum, im Wasserbau der oberste Balken eines Wehrs. Da von dessen Höhenlage die Stauhöhe des gespannten Wassers, mithin dessen Gefälle abhängt, so wird dieselbe nicht selten gesetzlich normiert und eine eigenmächtige, zum Nachteil eines Dritten ausgeführte Veränderung derselben streng bestraft. Instrument des Hutmachers zum Reinigen der Wolle, auch Fachbogen genannt.

Fachbildung (Berufsbildung) im Gegensatz zu allgemeiner Bildung ist die Vorbereitung für einen besondern Berufszweig. Es gilt seit dem vorigen Jahrhundert, wo namentlich Pestalozzi mit Klarheit dafür eintrat, als feststehender Erziehungsgrundsatz, daß jede F. auch in den niedersten Stufen äußerlicher Berufsarbeiten auf einer entsprechendem allgemeinen Bildung beruhen muß, daher die neuere